Quote für Vorstand Zalando verspricht 40 Prozent Frauen im Management

In den Chefetagen von Zalando haben Frauen Seltenheitswert - dafür wurde der Onlinehändler scharf kritisiert. Der verpflichtet sich nun selbst zu einer Frauenquote.
Demnächst auch ganz oben: Frauen in der Berliner Zalando-Zentrale

Demnächst auch ganz oben: Frauen in der Berliner Zalando-Zentrale

Foto: DPA/Jens Kalaene

Ein "ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern" auf den sechs oberen Führungsebenen: Der Modehändler Zalando führt eine Geschlechterquote für sein Management ein. Der Frauenanteil soll jeweils zwischen 40 und 60 Prozent liegen.

Das Management musste sich zuletzt kritische Fragen gefallen lassen, weil im Vorstand fünf Männer sitzen, aber keine einzige Frau. Bei der jüngsten Erweiterung des Gremiums verwiesen die Verantwortlichen auf die Eignung der jeweiligen Kandidaten.

"In den letzten elf Jahren lag unser Fokus klar auf der Etablierung und dem Wachstum unseres Geschäfts", erklärte Zalando-Co-Chef Rubin Ritter nun. "Wir haben nicht genug Anstrengungen unternommen, um dem entstandenen strukturellen Ungleichgewicht entgegenzuwirken." Die Führungsteams seien nicht vielfältig genug.

Im Jahr 2018 waren bei dem Berliner MDax-Unternehmen etwa zwei Drittel aller Führungskräfte Männer - je höher die Führungsebene, desto geringer der Frauenanteil. Bislang galt als Ziel eine Frauenquote von 25 Prozent auf der Ebene unterhalb des Vorstands und 30 Prozent auf der Ebene darunter. 2018 waren dort 11 beziehungsweise 16 Prozent der Führungskräfte Frauen. Die neue Quote gilt auch für den Aufsichtsrat und den Vorstand.

"Vielfalt auf allen Unternehmensebenen führt zu besseren Entscheidungen, fördert eine kreative Kultur und steigert im besten Fall die Gesamtleistung", erklärte Cristina Stenbeck, die seit Mai wieder den Aufsichtsrat führt. Zalando wolle sich diverser aufstellen, nicht nur beim Thema Geschlecht, sondern auch bei Internationalität und Bildung. Dazu soll es einen jährlichen Bericht geben.

Vorgeschriebene Quote nur für Kontrollgremien

Seit Anfang 2016 müssen die etwa hundert größten börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland nach dem Aktiengesetz mindestens 30 Prozent der Posten in ihren Aufsichtsräten mit Frauen besetzen. Für das Management gibt es nur Vorgaben für die Ebenen unterhalb des Vorstands. Der Onlinehändler Zalando SE hat europaweit rund 14.000 Beschäftigte.

In den Topetagen börsennotierter Unternehmen sind heute so viele Frauen vertreten wie nie. In den 160 Unternehmen der Börsenindizes Dax, MDax und SDax saßen nach einer Untersuchung des Beratungsunternehmens EY in der ersten Hälfte dieses Jahres 61 Frauen - aber auch 640 Männer. Der Frauenanteil lag damit bei knapp neun Prozent.

mamk/dpa-afx