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11. Juli 2010, 19:42 Uhr

Zeitungsbericht

Exxon sondiert Übernahmeangebot für BP

Der US-Ölkonzern ExxonMobil prüft laut einem Zeitungsbericht ein Übernahmeangebot für den angeschlagenen Konkurrenten BP. Das Unternehmen habe in Washington um Erlaubnis angefragt, berichtet die "Sunday Times" unter Berufung auf Quellen in der Ölindustrie.

London - Die US-Regierung habe demnach versichert, dass sie einem Angebot von ExxonMobil und einem anderen US-Unternehmen, bei dem es sich um Chevron handeln soll, nicht im Weg stehen würde. Exxon Mobil habe "ernsthaftes Interesse" signalisiert, wird ein Insider zitiert.

Gerüchte über eine Übernahme hatten angesichts der schweren finanziellen Belastung BPs durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bereits mehrfach die Runde gemacht. Laut Zeitungsberichten hatte BP deshalb in der vergangenen Woche mit Großinvestoren über eine Beteiligung gesprochen, die einen Ausverkauf des Unternehmens verhindern soll. Experten halten es für wahrscheinlich, dass die britische Regierung versuchen würde, eine Übernahme des Traditionsunternehmens zu verhindern.

BP macht laut dem Zeitungsbericht Fortschritte bei dem Plan, Bereiche zu verkaufen, um Geld für die Schadensbeseitigung im Zusammenhang mit der Ölpest zusammenbekommen. Es verhandele derzeit mit dem US-Unternehmen Apache Corporation über den Verkauf von Vermögenswerten in Höhe von 8 Milliarden Pfund (9,5 Milliarden Euro). Dabei gehe es auch um einen Teil des riesigen Ölfeldes Prudhoe Bay in Alaska.

BP wollte den Bericht nicht kommentieren. Weitere Bereiche, über deren Verkauf nachgedacht werde, seien BPs Anteile am argentinischen Ölproduzenten Pan American Energy sowie an Geschäftssparten in Venezuela, Kolumbien und Vietnam.

Der chinesische Energieriese Petrochina bot BP seine Hilfe an. "Wenn es die Möglichkeit einer engeren Zusammenarbeit gibt, dann würden wir das begrüßen", sagte Mao Zefeng der "Financial Times". Er ist bei Petrochina für die Investorenbeziehungen verantwortlich. Man den britischen Konkurrenten bereits kurz nach Beginn der Katastrophe kontaktiert. "Wir haben sie kontaktiert, um zu sehen, ob wir ihnen mit technischem Können behilflich sein können", sagte Mao.

Zu Gerüchten über mögliche finanzielle Hilfen wollte sich der Manager nicht äußern. Petrochina hatte im Mai angekündigt, in den kommenden sechs Jahren rund 60 Milliarden Dollar (knapp 48 Milliarden Euro) im Ausland investieren zu wollen. BP war seinerseits im Jahr 2000 mit 2 Prozent bei Petrochina eingestiegen, hatte die Beteiligung aber vier Jahre später wieder verkauft. Die beiden Konzerne betreiben im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens weiterhin Tankstellen im Süden Chinas.

BP unternahm am Wochenende einen erneuten Versuch, die Ölfontäne auf dem Meeresgrund zu stoppen. Mehrere ferngesteuerte Roboter begannen in 1500 Metern Tiefe mit einer höchst komplizierten Operation, bei der ein riesiger Zylinder über das Leck gestülpt werden soll.

Gelingt es dem Unternehmen tatsächlich, das Ölleck zu stopfen, könnte dies dem Kurs der gebeutelten BP-Aktie Auftrieb verleihen. Am Montag legte die BP-Aktie an der Londoner Börse zeitweise knapp sieben zu Prozent. Konkurrenten, die an Filetstücken des angeschlagenen Konzerns interessiert sind, dürften sich dadurch aber nicht abschrecken lassen.

Denn erst nach einem Stopp des Ölflusses ließe sich näher beziffern, wie ernst die Lage von BP tatsächlich ist. Auch Investoren, die Anteile des Ölkonzerns zum Schutz gegen eine Übernahme wie zum Beispiel durch ExxonMobil erwerben sollen, wüssten erst dann genau, worauf sie sich einlassen. Am 27. Juli will BP seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorlegen.

hil/dpa/AFP

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