Vereinbarung Frankfurt wird Handelszentrum für Chinas Währung Yuan

Bislang ist die chinesische Währung nicht frei handelbar - nun soll Frankfurt das Handelszentrum für den Yuan in der Euro-Zone werden. Für den deutschen Finanzplatz ist die Vereinbarung ein wichtiger Erfolg.
Zentralbankerin Hu, Bundesbank-Vorstand Thiele: "Das bringt echten Mehrwert"

Zentralbankerin Hu, Bundesbank-Vorstand Thiele: "Das bringt echten Mehrwert"

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Berlin/Frankfurt am Main - Es wäre das erste Handelszentrum für den Yuan in der Euro-Zone: In Frankfurt am Main soll eine Clearing-Bank aufgebaut werden, über die Handelsgeschäfte in der chinesischen Währung abgewickelt werden. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten die Deutsche Bundesbank und die chinesische Zentralbank im Rahmen des Staatsbesuchs von Chinas Präsident Xi Jinping. Zudem vereinbarten China und Deutschland eine Kooperation im Zahlungsverkehr.

Konkret will die Deutsche Börse zusammen mit der chinesischen Zentralbank die nötige Infrastruktur entwickeln. So wird die chinesische Zentralbank an die Handels- und Clearing-Systeme von Deutschlands größtem Börsenbetreiber angeschlossen. Asiatische Anleger bekommen damit direkten Zugang zu den europäischen Kapitalmärkten.

Das Projekt soll den deutsch-chinesischen Handel antreiben. Die Abwicklung von Zahlungen in Yuan - der auch Renminbi genannt wird - werde künftig für deutsche Unternehmen viel einfacher, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele: "Das bringt einen echten Mehrwert in der Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zu China."

Der Yuan ist bisher nicht frei handelbar. Frankfurt wäre das erste derartige Handelszentrum im Euro-Raum, bislang gibt es außerhalb Asiens überhaupt noch keine vergleichbare Drehscheibe. Auch Frankreichs Regierung hofft, Paris als Zentrum für den Handel mit der chinesischen Währung etablieren zu können. Für London steht das bereits fest: Die Notenbanken Großbritanniens und Chinas wollen am kommenden Montag ein Abkommen für einen Yuan-Handelsplatz in London unterzeichnen.

Chinesischer Finanzsektor im Umbruch

Mit den Standbeinen in Frankfurt und London käme China dem Ziel näher, seine Währung international als feste Größe neben Dollar und Euro zu etablieren. Zudem räumt China Handelshemmnisse aus dem Weg. Die Abwicklung entsprechender Geschäfte über Hongkong schreckt bisher insbesondere deutsche Mittelständler im Handel mit China ab. Sie können künftig auf niedrigere Kosten und geringere Wechselkursrisiken hoffen. Zugleich vereinbarten die Deutsche Börse und die chinesische Zentralbank die Entwicklung von Kapitalmarktprodukten und -dienstleistungen.

Ökonomen rechnen damit, dass die chinesische Devise zu einer der wichtigsten globalen Reservewährungen aufsteigen wird. China ist mittlerweile die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den USA. Die politische Führung in Peking lockert nicht nur den Zugang zur Währung. Vielmehr befindet sich der gesamte chinesische Finanzsektor mitten im Umbau. So sollen etwa in einem Pilotprogramm fünf private Banken zugelassen und die Zinsen für Spareinlagen freigegeben werden.

fdi/dpa/Reuters
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