ZEW-Barometer rutscht ins Minus Experten befürchten Konjunktureinbruch in Deutschland

Analysten und Anleger sind beunruhigt wegen des Zollstreits zwischen China und den USA. Das ZEW-Konjunktur-Barometer fällt, für die kommenden sechs Monate erwarten die Experten sehr wenig.

Schiffbau: Sorge um die Exportquote
Christian Charisius/DPA

Schiffbau: Sorge um die Exportquote


Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China nimmt den Finanzexperten in Deutschland die Zuversicht auf weiteres Wachstum. Die im sogenannten Konjunktur-Barometer abgebildeten Erwartungen für das kommende halbe Jahr fielen im Mai überraschend um 5,2 auf minus 2,1 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung mitteilte.

Zuvor war es sechs Monate in Folge gestiegen. Ökonomen hatten eine weitere Zunahme auf 5,0 Zähler erwartet. Die Umfrage unter 186 Analysten und Anlegern lieferte damit deutlich schlechtere Werte als im langfristigen Durchschnitt von plus 22,1 Punkten. Dagegen wurde die aktuelle Lage erstmals seit Monaten wieder besser bewertet.

Die Umfrage zeige, dass die Experten für die nächsten sechs Monate "weiterhin von einem verhaltenen Wirtschaftswachstum in Deutschland ausgehen", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Die jüngste Eskalation des Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China erhöht erneut die Unsicherheit hinsichtlich der deutschen Exporte und damit eines zentralen Faktors für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts."

Das sehen Banken-Ökonomen ähnlich. "Die jüngsten Zollkonflikte verderben die ohnehin schlechte Stimmung im Unternehmenssektor", konstatierte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Damit zeigt sich einmal mehr, dass vor allem Deutschland der Leidtragende der Handelsstreitigkeiten ist."

Die USA hatten am Freitag ihre Zölle auf chinesische Importwaren im Wert von 200 Milliarden Dollar erhöht. Am Montag kündigte dann die Volksrepublik an, ihrerseits ab Juni zusätzliche Abgaben auf amerikanische Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar zu erheben. Beide Länder sind wichtige Exportmärkte für die deutschen Unternehmen. "Um die deutsche Konjunktur ist es im laufenden Jahr nicht gut bestellt", betonte Gitzel.

Bundesregierung und EU-Kommission sagen für Deutschland im laufenden Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent voraus, nachdem es 2018 noch zu 1,4 Prozent gereicht hatte.

mik/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
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flaps25 14.05.2019
1. Das kommt davon...
... wenn man nur auf Export setzt. Gewarnt wurde lange genug. Trotzdem wurde nur alles mitgenommen, was man kriegen konnte - ohne Rücksicht auf Verluste. Das rächt sich jetzt. Mein Mitleid: 0,00. Es war klar, dass das nicht immer weiter gut geht. Jetzt kommt die Quittung. Recht so.
olaf77 14.05.2019
2. Keine Wunder!
Da der echte Handelskrieg erst wohlmöglich bevorsteht, sind die aktuellen Entwicklungen wohl eher damit zu erklären, dass wir unsere Wirtschaft systematisch zerlegen! Kernkrafttechnologie erledigt, Solarenergie erledigt, Windkraft erledigt, Automobilindustrie bald erledigt, Maschinenbau kaufen die Chinesen auch bald erledigt. Was bleibt denn anderes übrig als das Steuereinnahmen und Wirtschaftsaussichten sinken? Ah ja über neue CO2 Steuern zu diskutieren und wie wir den Rest der Welt retten können
doppeldenk 14.05.2019
3. letzte Chance für großes Konjunkturprogramm/Vision:
1) eigenständiges Hochgeschwindigkeitszug-Netz (gegen Verkehrschaos, für Klima, für Pendler) 2) flächendeckendes schnelles Internet 3) alternative Kraftstoffe - H2, synthetisches Diesel/Benzin Jetzt Flucht nach vorn oder endgültig den Anschluss verlieren.
doppeldenk 14.05.2019
4. letzte Chance für großes Konjunkturprogramm/Vision:
1) eigenständiges Hochgeschwindigkeitszug-Netz, bestenfalls europäisch (gegen Verkehrschaos, für Klima, für Pendler) 2) flächendeckendes schnelles Internet 3) alternative Kraftstoffe - H2, synthetisches Diesel/Benzin Jetzt Flucht nach vorn oder endgültig den Anschluss verlieren.
schulz.dennis.84 14.05.2019
5. Deutschland ist immer der Verlierer!
Egal wer gegen wen Strafzölle verlässt, Deutschland als Exportland ist immer der Verlierer. Und das ist gut so. Wenn Arbeitsplätze massenhaft vernichtet werden, das Geld knapp wird, die Verteilungskämpfe anfangen und die Menschen mit den Verhältnissen unzufrieden werden, werden viele aufwachen und sich von den Polit-Eliten nicht mehr einlullen lassen und Alternativen wählen. Denn wirre, irre und grüne Ideologien kann man nicht essen und machen nicht satt!
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