Konjunkturerwartungen ZEW-Index fällt zum siebten Mal in Folge

Börsenprofis bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wegen des VW-Abgasskandals und schwächelnder Schwellenländer schlechter. Der ZEW-Index fiel im Oktober zum siebten Mal in Folge - und zwar überraschend kräftig.

VW fertig zum Export in Emden: Börsianer rechnen mit schwacher Konjunktur
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VW fertig zum Export in Emden: Börsianer rechnen mit schwacher Konjunktur


Die Lage ist schlecht, die Aussichten ebenso: Die 217 Analysten und institutionelle Anleger, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) regelmäßig nach ihren Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt, sind pessimistisch. Sie bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft vor allem wegen des VW-Abgasskandals und der schwachen Wirtschaftsentwicklung der Schwellenländer schlechter.

Das Barometer für ihre Konjunkturerwartungen, der sogenannte ZEW-Index fiel im Oktober bereits den siebten Monat in Folge und dieses Mal überraschend deutlich um 10,2 auf 1,9 Punkte, wie das ZEW am Dienstag zu seiner Umfrage mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 6,0 Zähler gerechnet.

"Der Abgasskandal bei Volkswagen und die Wachstumsschwäche der Schwellenländer dämpfen die Konjunkturaussichten für Deutschland", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. "Aufgrund der nach wie vor guten wirtschaftlichen Ausgangslage im Inland und der voranschreitenden konjunkturellen Erholung der Eurozone dürfte ein Abrutschen Deutschlands in die Rezession allerdings wenig wahrscheinlich sein."

Die konjunkturellen Lage in Deutschland bewerteten die Experten ebenfalls schlechter: Das entsprechende Barometer fiel um 12,3 auf 55,2 Zähler. Hier hatten Ökonomen 64,7 Punkte erwartet.

In ersten Reaktionen zeigten sich Volkswirte wenig überrascht. Holger Sandte von Nordea sagte, "An den Finanzmärkten bleibt die Unsicherheit über das Wachstum in den Schwellenländern bestehen". Ulrich Wortberg, Analyst der Helaba sagte, der Rückgang habe sich abgezeichnet.

nck/Reuters

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Europa! 13.10.2015
1. Eine wichtige Warnung!
Vielleicht sollten die Berliner Politiker und die Talkshow-Schwätzer auch solche Daten einmal zur Kenntnis nehmen, statt dauernd zu verkünden, Deutschland sei "ein reiches Land" und könne alles Mögliche und Unmögliche "schaffen". Es kann gut sein, dass wir schon in wenigen Monaten statt "Fachkräftemangel" wieder eine rasant steigende Arbeitslosigkeit haben. Dann sind die Sozialkassen, aus denen jetzt reichlich Geld verteilt wird, plötzlich wieder sehr leer.
Progressor 13.10.2015
2. Ursachen
Deutschland hat mit seiner Politik der Lohnzurückhaltung ein "Race to the bottom" in der Eurozone losgetreten, das zu einer Deflation führt die eine Rezession mit sich trägt. Gerettet werden wir derzeit durch einen unterbewerteten Euro und niedrige Ölpreise. Hoffen wir mal dass dies anhält. Weltweit ist die Geldpolitik in den hoch entwickelten Industrieländer am Ende angekommen. Damit bricht die Ära der staatlichen Konjunkturprogramme auf Pump an um das jährliche Wachstum zu induzieren. Die Staaten verhalten sich dabei erstmal noch zurückhaltend, was verständlich ist bei so schon hohen Staatsverschuldungen und dem fehlenden Konzept diese konjunkturneutral zurück zahlen zu können. China vergrößert durch seine niedrige Importe seine Leistungsbilanzüberschüsse noch weiter. Tja.
carahyba 13.10.2015
3. richtig ...
Zitat von ProgressorDeutschland hat mit seiner Politik der Lohnzurückhaltung ein "Race to the bottom" in der Eurozone losgetreten, das zu einer Deflation führt die eine Rezession mit sich trägt. Gerettet werden wir derzeit durch einen unterbewerteten Euro und niedrige Ölpreise. Hoffen wir mal dass dies anhält. Weltweit ist die Geldpolitik in den hoch entwickelten Industrieländer am Ende angekommen. Damit bricht die Ära der staatlichen Konjunkturprogramme auf Pump an um das jährliche Wachstum zu induzieren. Die Staaten verhalten sich dabei erstmal noch zurückhaltend, was verständlich ist bei so schon hohen Staatsverschuldungen und dem fehlenden Konzept diese konjunkturneutral zurück zahlen zu können. China vergrößert durch seine niedrige Importe seine Leistungsbilanzüberschüsse noch weiter. Tja.
Hinzu kommt, dass unsere Ökonomenelite weiterhin Austerität predigt. In Ländern wie Portugal ist das einzige was diese Austeritätspolitik bewirkt, dass die Armut zunimmt. Aber auch die Portugiesen wollen sich dieser von Schäuble, Djisselbloem & Co.KG oktroierte Politik nicht mehr unterwerfen. Es wird wahrscheinlich eine Linkskoalition geben. Die Neoliberalen werden von der Regierung verdrängt werden. Mal sehen ob Schäuble & Co.KG den Portugiesen die Banken schliessen.
Rechtschreibprüfer_der 13.10.2015
4.
Die Bevölkerung wächst und wächst. Alle haben Hunger, alle wollen konsumieren. DEN globalen Abschwung kann und wird es nicht geben. Typisch German Angst, sonst nix.
aurichter 13.10.2015
5. @ Rechtschreibprüfer_der
Vollkommen richtig. Der letzte Absatz sagt eigentlich Alles aus ohne daß dort die zwei derzeit angeblich wichtigen Buchstaben fehlen. Ganz normale Bewegungen in der Weltwirtschaft, mehr nicht.
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