Zigarettenschmuggel Raucher mögen es steuerfrei

Vier Milliarden Euro entgehen dem Staat jedes Jahr: Auf diese Summe beziffert eine Studie der Zigarettenindustrie den Einnahmeausfall, der durch unversteuerte Zigaretten allein 2008 entstanden ist. Sieben Milliarden Kippen kamen demnach illegal zu den Rauchern.
Zigarettenkippen: Weniger Krebstote in Europa durch weniger Tabakkonsum

Zigarettenkippen: Weniger Krebstote in Europa durch weniger Tabakkonsum

Foto: Stephan Jansen/ dpa

Berlin - Mindestens vier Milliarden Euro gehen dem Fiskus jährlich durch nicht versteuerte Zigaretten verloren - eine Summe so hoch wie das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr. Die Zahl ist das Ergebnis einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), die am Montag vom Deutschen Zigarettenverband in Berlin veröffentlicht wurde. Industrie und Handel entgehen dadurch rund 1,2 Milliarden Euro.

Insgesamt rund 23 Milliarden nicht versteuerte Zigaretten wurden 2008 in Deutschland laut HWWI geraucht. Etwa sieben Milliarden Zigaretten kamen auf Schmuggelwegen nach Deutschland, vor allem aus Osteuropa. Die anderen etwa 16 Milliarden Zigaretten stammten aus zollfreiem Einkauf. Damit ist der Anteil der nicht versteuerten Zigaretten am gesamten Konsum von 16 Prozent im Jahr 2005 auf 20 Prozent gestiegen.

Laut dem Marktforschungsinstitut Ipsos und HWWI-Berechnungen kamen die meisten illegalen Zigaretten aus der Ukraine (3,2 Milliarden) und Russland (2,4 Milliarden). Den größten Anteil hat die in beiden Ländern illegal produzierte Marke "Jin Ling".

Die Zigarettenindustrie vermutet, dass der zusätzliche Schmuggel auf die ebenfalls angestiegene Tabaksteuer zurückzuführen ist. Die Erhöhung der Tabaksteuer hätte damit nicht die von der Politik erhoffte Wirkung, Menschen vom Rauchen abzuhalten. Ein internationales Forscherteam fand hingegen im November heraus, dass die Anzahl krebsbedingter Todesfälle in der Europäischen Union gesunken ist - verminderter Tabakkonsum ist einer der Gründe dafür.

Das HWWI warnte davor, dass ein Nebeneinander teurer versteuerter und billiger unversteuerter Zigaretten zu der Entwicklung organisierter Kriminalität führen könne, und nannte dazu das Beispiel USA. Dort gelten in einzelnen Bundesstaaten unterschiedliche Steuersätze, was zu einem schwunghaften Schwarzhandel geführt hat.

Ansätze zu organisierter Kriminalität beim Zigarettenschmuggel "sind auch in Europa erkennbar", merkte das HWWI an.

ore/AFP/apn
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