Raucher Zigarettenverkauf sinkt auf Rekordtief

Liegt es am Gesundheitsbewusstein, der elektronischen Konkurrenz oder dem hohen Preis? 2014 wurden in Deutschland so wenig Zigaretten verkauft wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Der Staat nahm dennoch mehr ein.
Tabakwaren in Stuttgarter Kiosk: "Ist das Wetter gut, rauchen die Leute mehr"

Tabakwaren in Stuttgarter Kiosk: "Ist das Wetter gut, rauchen die Leute mehr"

Foto: Daniel Bockwoldt/ picture alliance / dpa

Wiesbaden - Die deutschen Raucher haben 2014 laut Statistischem Bundesamt rund 79,5 Milliarden Zigaretten gekauft. Das sind 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr und die geringste Menge seit 1991. Damals wurden noch 146,5 Milliarden Zigaretten versteuert, also fast doppelt so viele.

Der Staat nahm mit dem Verkauf trotzdem mehr Geld ein - aufgrund der erhöhten Tabaksteuer für Zigaretten und Feinschnitt. Die Industrie stellt sich darauf ein, dass sie immer weniger Zigaretten loswird - nicht nur, weil diese teurer geworden sind. Ob Raucher jetzt auf Zigarre und Pfeife umsteigen, darüber sind sich Statistiker und Hersteller uneins.

Die im vergangenen Jahr in Deutschland versteuerten Zigaretten spülten rund 12,3 Milliarden Euro in die Staatskasse. Im Vorjahr waren es 12,2 Milliarden Euro. Wie auch im laufenden Jahr war im Januar 2014 die Tabaksteuer erhöht worden. "Daraufhin gab es ja auch eine Preiserhöhung", sagt Petra Martin vom Statistischen Bundesamt. In der Folge sank im Vergleich zu 2013 sowohl die Zahl der verkauften Zigaretten als auch die Menge des versteuerten Feinschnitts zum Selberdrehen - wenn auch nur um 0,1 Prozent.

Der Deutsche Zigarettenverband (DZV), in dem sich die Hersteller in Deutschland zusammengeschlossen haben, bewertete den Absatzrückgang als moderat. "Es hätte eine sehr viel ungünstigere Entwicklung geben können", sagte DZV-Geschäftsführer Jan Mücke. Die Erklärung mit der Steuererhöhung hält er für zu einfach: "Es gibt viele Faktoren, auch banale Gründe: Ist das Wetter gut, rauchen die Leute mehr." Auch dass viele Menschen mehr auf ihre Gesundheit achten, wirke sich aus.

Weiter sinkender Absatz erwartet

Insgesamt produziert die Branche in Europa nach DZV-Angaben angesichts der sinkenden Verkaufszahlen weniger. "Der Absatz wird auch in den kommenden Jahren leicht rückläufig sein, darauf müssen wir uns einstellen", so Mücke. In Deutschland werde sich gleichwohl wenig für die Werke der Hersteller ändern.

Die offiziellen Verkaufszahlen spiegeln allerdings nur einen Teil des tatsächlichen Zigarettenkonsums wider. Nach Angaben des DZV ist etwa ein Fünftel der hierzulande gerauchten Glimmstängel nicht in Deutschland versteuert. Ein erheblicher Teil davon seien geschmuggelte oder gefälschte Zigaretten.

Nicht betroffen von der 2014 erhöhten Steuer sind Zigarren und Zigarillos sowie Pfeifentabak. Sie waren daher laut Bundesamt deutlich mehr gefragt: Der Absatz von Zigarren stieg zum Vorjahr um 8,4 Prozent, der von Pfeifentabak um 13,2 Prozent.

Der Bundesverband der Zigarrenindustrie (BdZ) bezweifelt aber diese Zahlen. Nach Schätzungen des Verbands schrumpfte der Absatz von Zigarren und Zigarillos im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent. Die Statistik des Bundesamts sei maßgeblich dadurch beeinflusst, dass seit 1. Januar 2015 nach EU-Definition sogenannte Eco-Zigarillos (die wie Zigaretten aussehen, aber ein Tabak-Deckblatt haben) als Zigaretten versteuert werden müssen. Die Hersteller hätten aber Eco-Zigarillos mit dem alten Steuerzeichen vorproduziert, um sie Anfang 2015 noch verkaufen zu können. Keinesfalls könne man von einem Boom sprechen, sagte BdZ-Geschäftsführer Bodo Mehrlein.

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