Zinsgarantien Lebensversicherer müssen größere Puffer bilden

Können deutsche Lebensversicherer ihre Kunden 2011 ausreichend bedienen? Die Finanzaufsicht BaFin fürchtet laut "Financial Times Deutschland", dass die Anbieter ihre Zinsgarantien nicht einhalten können - und fordert, dass sie mehr Geld zur Seite legen.

Familie mit Kindern: Lebensversicher reagieren gelassen
DPA

Familie mit Kindern: Lebensversicher reagieren gelassen


Hamburg - Die Finanzaufsicht BaFin fürchtet, dass deutsche Lebensversicherer Zinsgarantien nicht einhalten können. Die BaFin habe die Anbieter deshalb aufgefordert, die Rückstellungen für einen Teil der Verträge bereits 2011 deutlich zu erhöhen, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Die Erträge daraus könnten nach Ansicht der BaFin nicht ausreichen, um die garantierten Ansprüche der Kunden zu befriedigen. Mit ihrer Forderung reagiere die Behörde auf die niedrigen Zinsen, die Versicherer derzeit für ihre wichtigsten Kapitalanlagen in Anleihen erhalten.

Laut "FTD" treibt die Aufseher die Angst vor einem Szenario wie in Japan um: Dort brachen wegen der niedrigen Zinsen der neunziger Jahre sechs große Lebensversicherer und einige kleinere Gesellschaften zusammen, weil sie gegebene Garantien nicht mehr erfüllen konnten.

Von der Vorgabe betroffen seien Rückstellungen für zwischen 1995 und 2000 angebotene klassische Lebensversicherungen, die über die gesamte Laufzeit mit garantierten vier Prozent auf den Sparanteil der Prämie verzinst werden. Genaue Berechnungen über die Höhe der Belastung gebe es noch nicht. Sie werde über mehrere Jahre gestreckt, dürfte aber in jedem Jahr die Milliardengrenze überschreiten.

Branche reagiert gelassen

Die Versicherer müssten die Rückstellungen aus ihren Gewinnen erhöhen. Allein beim Marktführer Allianz Lebensversicherung seien Ende vergangenen Jahres 29 Prozent der den Kunden zustehenden zurückgestellten 129 Milliarden Euro auf Verträge mit einem Zins von vier Prozent entfallen.

Die Branche reagierte den Angaben zufolge gelassen auf die Forderungen. Sie beträfen nur einen Teil der 91,5 Millionen Lebensversicherungsverträge und seien zeitlich gestreckt. Deshalb könnten die Gesellschaften die notwendigen Mittel aus Überschüssen aufbringen, sagte ein Vorstand eines mittelgroßen Lebensversicherers der "FTD".

"Viel schwieriger würde es, wenn die Zinsen noch mehrere Jahre niedrig bleiben und wir dann für den gesamten Bestand nachreservieren müssten." Auswirkungen für die Kunden habe die Neuregelung nicht.

cte/dpa-AFX



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
hilfloser, 27.12.2010
1. Und Ich
befürchte das sich die Lebensversicherungen, Privaten Rentensparpläne, langfristige Geldanlagen überhaupt, in Kürze in Wohlgefallen auflösen werden. Ich kann nur jeden Dringenst raten diese Dinger zu kündigen und das Geld zu verkonsumieren. Kaufen sie sich was Schönes und machen sie sich und ihren Lieben eine Freude, so lange der Euro noch etwas "Wert" ist!
heinz.mann 27.12.2010
2. Absolut...
Zitat von hilfloserbefürchte das sich die Lebensversicherungen, Privaten Rentensparpläne, langfristige Geldanlagen überhaupt, in Kürze in Wohlgefallen auflösen werden. Ich kann nur jeden Dringenst raten diese Dinger zu kündigen und das Geld zu verkonsumieren. Kaufen sie sich was Schönes und machen sie sich und ihren Lieben eine Freude, so lange der Euro noch etwas "Wert" ist!
richtig. Traurig aber wahr.
Diefie 27.12.2010
3. Zinsgarantien: Lebensversicherer
Solange die Gewinne der Versicherer an die Aktionäre gehen bleibt für die Versicherungsnahmer kein Geld für eine vernünftige Verzinsung. Es ist und bleibt " legalisierter Betrug "
TheBear, 27.12.2010
4. Zauberwort: Puffer
Zitat von sysopKönnen*deutsche Lebensversicherer*ihre Kunden 2011 ausreichend bedienen? Die Finanzaufsicht BaFin fürchtet laut "Financial Times Deutschland", dass die Anbieter ihre Zinsgarantien nicht einhalten können - und fordert, dass sie mehr Geld zur Seite legen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,736642,00.html
Puffer ist das Zauberwort, daran hapert es nämlich überall. Ob das nun ein Bankenzusammenbruch, das Verkehrschaos durch "extremes" Winterwetter, die Schuldenkrise in Privat- oder Staatshaushalten, jedesmal das gleiche Problem: Es wird zu knapp kalkuliert, ob aus Unwissen oder Profitgier ist dabei egal. Man denkt in zu kurzen Zeiträumen, und zwar alle, obwohl gerade Politiker - so sehe ich das wenigstens - dafür bezahlt werden sollten, dass sie in langen, weit über die Wahlperiode hinausgehenden, Zeiträumen denken sollten. Gesetze müssen dann so gestaltet werden, dass auch die Unternehmen (vielleicht sogar Privatleute?) aus eigenem Interesse wieder anfangen langfristig zu planen.
armer 27.12.2010
5. ...
Was die Wenigsten wissen: Kapitallebensversicherung = Legaler Betrug http://www.bundderversicherten.de/chronik 1983: Urteil "Legaler Betrug" vom 3. Juni 1983: Das Landgericht (LG) Hamburg weist die Klage des Verbandes der Lebensversicherungsunternehmen gegen den BdV ab. In der im September 1982 erschienen Versicherungsbroschüre war dieses Zitat wiedergegeben worden: "Lebensversicherung zur Altersvorsorge" ist "ein legaler Betrug". Zwar äußert sich das Gericht nicht zum Inhalt dieser Aussage, lässt sie aber als Inanspruchnahme des Rechtes auf freie Meinungsäußerung gelten. Die Bezeichnung "legaler Betrug" stammt ursprünglich aus einem Brief eines Münchner Steuerberaters an den "Zeller Kreis" e.V. im Januar 1981.
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