Zinstief Kunden setzen auf Lebensversicherungen

Die Deutschen stecken immer mehr Geld in Lebensversicherungen: Laut Branchenverband GDV stiegen die Beiträge 2019 um elf Prozent. Gleichzeitig warnte der Verband vor weiter fallenden Renditen.
Lebensversicherungen (Symbolbild) waren trotz sinkender Zinsen begehrt

Lebensversicherungen (Symbolbild) waren trotz sinkender Zinsen begehrt

Foto: Jens Büttner/ dpa

Lebensversicherungen werden beliebter. Auf der Suche nach sicheren Finanzanlagen stecken die Deutschen immer mehr Geld in diese Form der Absicherung.

Die gezahlten Beiträge stiegen im vergangenen Jahr stark um 11,3 Prozent auf 102 Milliarden Euro. Das teilte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Dabei waren besonders Versicherungen begehrt, für die der Kunde nur einmalig einen Beitrag zahlt.

Auch in der Schadens- und Unfall- sowie der privaten Krankenversicherung stiegen die Beitragseinnahmen. Insgesamt stand unterm Strich die Rekordsumme von 216 Milliarden Euro, rund 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Weiter sinkende Rendite erwartet

Verbandspräsident Wolfgang Weiler sprach von einem Vertrauensbeweis. "Lebensversicherer bieten sicherere, wenn auch gegenüber früher niedrigere Erträge." Und die Kunden müssen sich darauf einstellen, dass die Rendite weiter sinkt.

Anfang 2021 werde der Garantiezins sinken, sagte Andreas Wimmer, Altersvorsorge-Experte des Branchenverbands und Lebensversicherungschef bei der Allianz. Dem Bundesfinanzministerium liegt ein Vorschlag von Versicherungsmathematikern vor, bei Neuverträgen den Garantiezins von 0,9 auf 0,5 Prozent zu senken.

Hinzu kommt eine Überschussbeteiligung, über die die Versicherer selbst entscheiden. Zusammen ergibt das die laufende Verzinsung. Sie liegt Wimmers Angaben zufolge 2020 im Branchendurchschnitt bei 2,3 Prozent. Die Gesamtverzinsung inklusive Schlussleistungen zum Ende eines Vertrags werde voraussichtlich 2,8 bis drei Prozent betragen. Zum Vergleich: Vor etwa zehn Jahren konnten Kunden noch mit rund fünf Prozent rechnen.

Versicherer fordern Zinswende

Weiler sprach von einem ausgesprochen zufriedenstellenden Jahr. "Das ist allerdings kein Grund für Euphorie, denn das Marktumfeld bleibt wegen der niedrigen Zinsen extrem herausfordernd."

Weil die Konjunktur schwächer geworden sei und die Zinsen niedrig blieben, erwarte der GDV, dass die Beiträge in diesem Jahr insgesamt noch um 1,5 bis zwei Prozent wachsen werden.

Angesichts der niedrigen Zinsen appellierten die Versicherer an die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde. Die Gefahren der Niedrigzinspolitik seien längst größer als die Vorteile, sagte Weiler. Staaten, Haushalte und Unternehmen hätten sich in Rekordhöhe verschuldet. Kapitalanlagen mit stabilem und planbarem Ertrag würden konterkariert.

brt/dpa
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