Stresstest Zinstief macht vielen deutschen Banken zu schaffen

Die Niedrigzinsphase belastet kleine und mittelgroße Banken in Deutschland erheblich. Laut einer Umfrage der Finanzaufsicht rechnen die Institute bis 2019 mit einem Gewinneinbruch um ein Viertel.

Skyline der Bankenmetropole Frankfurt am Main: Zinstal
DPA

Skyline der Bankenmetropole Frankfurt am Main: Zinstal


Die niedrigen Zinsen werden den kleinen und mittelgroßen deutschen Banken in den kommenden Jahren erheblich zu schaffen machen. Das ist das Ergebnis eines Stresstests der Finanzaufsicht BaFin und der Deutschen Bundesbank. Die Aufseher hatten untersucht, wie sich unterschiedliche Zinsszenarien auf rund 1500 kleinere und mittelgroße Institute auswirken.

Die untersuchten Banken gehen im Schnitt von einem Gewinnrückgang vor Steuern um ein Viertel bis 2019 aus, wie aus der Studie hervorgeht. "Wir beurteilen die Ergebnisse in allen abgefragten Zinsszenarien als durchaus besorgniserregend", sagte der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank, Andreas Dombret.

Die meisten Institute hätten zwar mittlerweile genügend Polster, um die Herausforderungen der Niedrigzinsphase meistern zu können, teilten die Aufseher mit. Doch wenn die Zinsen noch weiter sänken, drohten den Banken sogar Einbußen von 50 bis 75 Prozent.

Befragt wurden rund 1500 Banken und Sparkassen, die direkt von BaFin und Bundesbank beaufsichtigt werden. Für die 21 von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigten großen Banken in Deutschland hatte es bereits im vergangenen Jahr einen Stresstest gegeben. Sie nahmen deshalb nicht an der Umfrage teil. Im kommenden Jahr müssen sich die wichtigsten europäischen Geldhäuser erneut einer Prüfung der Bankenaufsicht stellen.

bos/dpa/Reuters



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marthaimschnee 18.09.2015
1.
Warum? Die brauchen doch bloß das billigste Geld, daß sie von ihren Kunden und den Zentralbanken praktisch zinslos erhalten, weiter zu verleihen. .... oh, DA liegt das Problem! Vielleicht sollte die Banken mal bei Herrn Schäuble vorsprechen und ihm die Wirkungsweise des Kapitalismus erklären. Denn wenn sich niemand mehr Geld leihen will, weil die Perspektiven einfach Mist sind, ist dieses System tot. Und der einzige, der es motivieren könnte, wäre der Staat, indem er investiert (und sich das Geld über seine Steuereinnahmen zurück holt). Will er aber nicht, weil sein neoliberaler, angebotsgetriebener Verstand nicht ausreicht um festzustellen, daß ER das Problem ist und nicht alle anderen!
archi47 18.09.2015
2. wer jahrzehntelang Zinskunde war
hat so seine eingenen Erfahrungen machen müssen. Er wird nicht weitere lange Jahre seiner Lebensarbeitszeit unangemessene Boni der Sparkassenchefs und Bankchefs arbeiten wollen. Auch deshalb ist die Kreditnachfrage eingebrochen. Die Bankkunden sind nicht so dumm, wie die Vorstände annehmen! Wer es sich irgendwie leisten kann, spart und bleibt zukünftig auf der Habenseite. Auch wenn keine Zinserträge mehr zu erwarten sein werden. Es ist ein Gesundungsprozeß, der zukünftig auch überbordenden Entnahmen des Führungspersonals verhindert. Wenn deren Gier zu groß ist, dann geht eben diese Bank über die Wupper. Wichtig ist nur, daß die Politik dies versteht und niemals mehr Steuergelder hinterherwirft. Da ist jetzt nichts mehr, "too big to fall" und man sollte solche Strukturen auch kartellrechtlich zukünftig unterbinden, zumindest in Europa.
archi47 18.09.2015
3. Wer ist das Problem?
Zitat von marthaimschneeWarum? Die brauchen doch bloß das billigste Geld, daß sie von ihren Kunden und den Zentralbanken praktisch zinslos erhalten, weiter zu verleihen. .... oh, DA liegt das Problem! Vielleicht sollte die Banken mal bei Herrn Schäuble vorsprechen und ihm die Wirkungsweise des Kapitalismus erklären. Denn wenn sich niemand mehr Geld leihen will, weil die Perspektiven einfach Mist sind, ist dieses System tot. Und der einzige, der es motivieren könnte, wäre der Staat, indem er investiert (und sich das Geld über seine Steuereinnahmen zurück holt). Will er aber nicht, weil sein neoliberaler, angebotsgetriebener Verstand nicht ausreicht um festzustellen, daß ER das Problem ist und nicht alle anderen!
Könnte es nicht auch sein, daß das System das Problem ist und nicht der Staat?
dweird 18.09.2015
4. Sackgasse Niedrigzinspolitik
Ausgerechnet den Notenbankchef von Italien - dem Land mit der Euro-weit zweithöchsten Schuldenquote gemessen am BIP - zum EZB-Chef zu machen ist auch ein Treppenwitz der Geschichte. Man kann auch sagen "Bock zum Gärtner" gemacht... Wann trauen sich endlich auch namhafte Politiker öffentlich zuzugeben, dass diese Nullzinsen-Politik verfehlt ist. Das billige Geld kommt nicht als Kredit in der Produktivwirtschaft an, sondern dient lediglich als Spielgeld für die Investmentbanken und Hedgefonds. Gleichzeitig droht ein europaweites Desaster an der Rentenfront. Im Gegensatz zu Europa hat in den USA diese Taktik wenigstens funktioniert. Allerdings hat man auch hier schon lang den Point of return verpasst. Die Zentralbanken sind längst zu zahnlosen Tigern geworden - dabei wären sie so wichtig, um finanzpolitische Fehlentwicklungen zu korrigieren.
RenegadeOtis 18.09.2015
5.
Zitat von archi47Könnte es nicht auch sein, daß das System das Problem ist und nicht der Staat?
Warum das System?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.