Griechenland-Krise Weltbank-Chef fordert Notfallplan für Banken

Die Krise in Griechenland ruft Weltbank-Chef Zoellick auf den Plan. Er fordert, die europäischen Politiker müssten einen Notfallplan für Banken parat haben, falls das Land aus dem Euro ausscheiden sollte. Seine Sorge: Es sei unklar, ob sich die Europäer bereits "mental auf diesen Schritt eingestellt haben".
Weltbank-Chef Zoellick: Mahnung an die europäischen Krisenmanager

Weltbank-Chef Zoellick: Mahnung an die europäischen Krisenmanager

Foto: LIU JIN/ AFP

London - Offiziell wollen die Regierungschefs der Euro-Zone darüber noch nicht sprechen, doch hinter den Kulissen laufen bereits erste Planungen für den Fall, dass Griechenland die Währungsunion verlässt. Weltbank-Präsident Robert Zoellick misstraut jedoch offenbar den Vorsorgemaßnahmen der Europäer. Er hat die Staaten aufgefordert, für den Notfall Finanzhilfen für Banken bereit zu stellen.

Die Länder müssten darauf vorbereitet sein, die Institute mit Geld aus dem künftigen Euro-Rettungsfonds ESM zu rekapitalisieren, schrieb Zoellick in einem Kommentar für die "Financial Times". "Es ist aber bei weitem noch nicht klar, ob sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone mental auf diesen Schritt eingestellt haben", kritisierte er.

Die EU-Kommission brachte ebenfalls bereits Hilfen für die Banken aus dem ESM ins Spiel. Auch der italienische Regierungschef Mario Monti befürwortet diesen Plan. Deutschland lehnt die Rettung von Banken durch den Fonds bisher strikt ab: Die Bundesregierung besteht darauf, dass Finanzhilfe nur im Gegenzug für strikte Spar- und Reformauflagen an Regierungen gegeben werden kann, die das Geld dann an ihre Banken weiterreichen könnten.

Sollte Griechenland aus der Währungsunion ausscheiden und die Euro-Staaten nicht entschlossen die Finanzbranche stützen, könnte die daraus resultierende Krise den Kontinent zu einer wirtschaftlichen Gefahrenzone machen, schrieb Zoellick. Allein eine Geldspritze für die Banken reiche allerdings nicht aus, erklärte er. Es müsse auch sichergestellt werden, dass die Banken das Geld über Darlehen an die Wirtschaft weiterreichen, um eine Kreditklemme wie nach der Lehman-Pleite zu verhindern.

Mittelfristig müsse zudem die Finanzierung von Krisenstaaten wie Spanien gesichert werden. Dies müsse entweder über den ESM oder über gemeinsame Anleihen der Euro-Länder geschehen. Das Thema Euro-Bonds ist allerdings heikel. Die Bundesregierung lehnt das gemeinsame Schuldenmachen bisher strikt ab.

Bericht über IWF-Pläne für Spanien sorgt für Aufsehen

Neben Griechenland sorgen sich die europäischen Krisenmanager besonders um Spanien. Der marode Bankensektor dort benötigt weitere Milliardenhilfen und könnte das Land tiefer in die Schuldenkrise reißen. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" gibt es beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bereits Diskussionen über einen Rettungsplan für Spanien. Die Europa-Abteilung des IWF stelle Überlegungen über einen Hilfskredit an die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone an, berichtete die Zeitung. Demnach könnte ein über drei Jahre laufender Kredit bis zu 300 Milliarden Euro umfassen. Das wäre weit mehr, als Griechenland, Irland und Portugal zusammen zur Verfügung gestellt wird.

IWF-Chefin Christine Lagarde dementierte den Bericht. "Es gibt keinen solchen Plan. Wir haben keine entsprechende Bitte erhalten und unternehmen keine Handlungen in Bezug auf jegliche finanzielle Hilfe", sagte sie. Aus Kreisen des Währungsfonds wiederum hieß es dagegen, es sei innerhalb der Abteilungen normal, mit solchen Planungen zu beginnen. Dies diene der Vorbereitung auf mögliche Anfragen vom Exekutivdirektorium. Zudem sei der IWF dabei, die Lage der spanischen Wirtschaft eingehend zu untersuchen.

Manager misstrauen der Euro-Gemeinschaft

Die Talfahrt beim Euro   setzte sich angesichts der Unsicherheiten fort: Der Kurs der Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,2322 Dollar und erreichte damit ein neues Zwei-Jahres-Tief.

Bei Unternehmenslenkern sorgen die Gerüchte, Forderungen und Planungen in der Euro-Zone laut einer Umfrage für sinkendes Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Bei einer weltweiten Befragung von mehr als 2000 Managern durch die Unternehmensberatung Booz & Company, sprachen sich 38 Prozent für die Verkleinerung der gemeinsamen Währungszone aus. Nur drei Prozent der Manager seien für die komplette Abschaffung des Euros.

In einem Punkt ist man sich in den Vorstandsetagen offenbar recht einig. 96 Prozent der Befragten erklärten, ein rigoroser Sparkurs unter Kontrolle der EU sei der einzige Ausweg aus der aktuellen Krise.

mmq/Reuters/dpa
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