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01. März 2018, 10:19 Uhr

Strategieschwenk

Bosch baut keine Zellen für E-Auto-Batterien

Der Autozulieferer Bosch zieht sich aus einem zentralen Forschungsbereich zu Elektroautos zurück: Das Unternehmen will keine Batteriezellen selbst produzieren - obwohl die EU-Kommission heftig dafür wirbt.

Dem weltweit größten Autozulieferer Bosch ist eine eigene Batteriezellfertigung zu teuer und zu riskant. Das Unternehmen habe sich nach reiflicher Überlegung gegen eine eigene Produktion entschieden, erklärte Bosch-Manager, Rolf Bulander. "Wir müssen die Zelle technisch verstehen, wir müssen sie nicht fertigen", begründete er die Entscheidung. Bosch werde auch ohne eigene Produktion in der Elektromobilität bis 2020 der führende Zulieferer sein. Die Zelle sei die einzige Komponente von Elektroauto-Systemen, die Bosch fehle und die weiterhin zugekauft werden könne. "Wir sagen Nein zur eigenen Zellfertigung, wir sagen aber Ja zur Batterie bei Bosch", sagte Bulander.

Batterien bestehen aus mehreren zusammengeschalteten Zellen. Aus der Forschung zu diesen Festkörperzellen will der Autozulieferer wegen zu großen Aufwands aussteigen. Das dafür erst im Herbst 2015 gekaufte kleine US-Unternehmen Seeo wird deshalb wieder verkauft. Auch das Gemeinschaftsunternehmen mit Mitsubishi und GS Yuasa zur Entwicklung neuester Lithium-Ionen-Technologie habe seine Aufgabe erfüllt und werde aufgelöst. Sein Geld will der Technologiekonzern statt in eine Zellfabrik in andere Felder stecken: Industrieautomatisierung, Vernetzung von Autos und Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz.

Dabei hatten die EU-Kommission und die Bundesregierung erst kürzlich wieder gemahnt, die europäischen Hersteller dürften sich bei der Zellentwicklung nicht abhängen lassen. Die Zelle als Herzstück der Batterien für Elektroautos sei eine Schlüsseltechnologie, die es zu beherrschen gelte.

Bosch-Manager Bulander erklärte jedoch, Batteriezellen seien auch langfristig ein standardisiertes Massenprodukt. Nach Boschs Vorstellungen hätte sich eine Produktion nur gelohnt, wenn ein Marktanteil von 20 Prozent bis 2030 zu realisieren wäre. Doch das hätte 20 Milliarden Euro Investition für 200 Gigawattstunden Fertigungskapazität bedeutet. Es sei nicht sicher, dass sich das jemals rechnen würde. "Eine solche Investition ist im Gesamtinteresse des Unternehmens nicht vertretbar", sagte Bulander. "Für Neueinsteiger sind die Rahmenbedingungen am Markt mehr als herausfordernd." Dass andere Firmen oder Konsortien aus Europa die Lage anders bewerten und es schaffen, eine Zellfertigung aufzubauen, hält der Bosch-Manager generell für möglich. "Dann wären wir gerne bereit, aus dieser Quelle zu beziehen", sagte er.

Volkswagen prüft, ob eine eigene Entwicklung und Produktion von Batteriezellen für Elektroautos wirtschaftlich wäre. Dazu baut der Konzern derzeit in Salzgitter eine Pilotanlage auf.

Ohne europäische Konkurrenten würde der Markt weiter in der Hand der Zellproduzenten aus Südkorea und Japan bleiben - also Samsung SDI, LG Chem, Sanyo, SK Innovation oder Panasonic. Einige von ihnen ziehen Fabriken in Europa hoch, um die mit dem Umschwung zu Elektroautos wachsende Nachfrage fabriknah bedienen zu können.

mmq/Reuters/dpa

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