Entscheidung des Bundeskartellamts Zuckerhersteller dürfen einander bei Gasstopp helfen

Weil viele Zuckerfabriken in Deutschland mit Erdgas betrieben werden, droht ihnen bei einem Lieferstopp der Stillstand. Für diesen Fall erlauben Kartellwächter jetzt eine Kooperation.
Transport von Zuckerrüben bei Nordzucker in Groß Munzel bei Hannover

Transport von Zuckerrüben bei Nordzucker in Groß Munzel bei Hannover

Foto: Rainer Jensen/ picture-alliance/ dpa

Die deutschen Zucker-Unternehmen Nordzucker, Südzucker, Pfeifer & Langen und Cosun Beet dürfen sich im Falle einer Kappung der Gasversorgung gegenseitig Produktionskapazitäten zur Verfügung stellen. Das Bundeskartellamt teilte am Dienstag mit , es habe einen entsprechenden Plan genehmigt. Damit können die Hersteller im Notfall wechselseitig Anlagen nutzen, die mit Mineralöl oder Kohle betrieben werden.

»Die Kooperation der Zuckerhersteller dient in diesen schwierigen Zeiten der Abfederung einer möglichen Gasmangellage in der Produktion«, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Bleibe das Gas aus, drohe ein Produktionsstillstand und der Verderb großer Teile der Rübenernte. »Das ist auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher ein Szenario, das es zu vermeiden gilt, da sich übermäßige Preisspitzen beim Grundprodukt Zucker in der gesamten Wertschöpfungskette auswirken.«

Nur die nötigsten Informationen

Für die wettbewerbliche Bewertung sei zentral gewesen, dass es sich um eine »einmalige und zeitlich befristete Kooperation für den Fall eines Gasnotstandes handele«, so Mundt weiter. »Der Informationsfluss zwischen den Unternehmen wird durch flankierende Maßnahmen auf das Nötigste beschränkt.« Freie Produktionskapazitäten sollten nur dann zur Verfügung gestellt werden, »wenn es durch hoheitliche energiewirtschaftliche Maßnahmen zu Kürzungen oder Kappungen der Gasversorgung und als Folge zu Produktionsstillstand an einem Standort kommt«.

Nach Angaben des Bundeskartellamtes werden die 18 Zuckerfabriken der vier beteiligten Unternehmen in Deutschland zum größeren Teil mit Erdgas betrieben. Die Unternehmen hätten zwar erhebliche Anstrengungen unternommen, die Anlagen von Erdgas auf andere Brennstoffe wie Heizöl oder Kohle umzustellen. Dies sei jedoch in der Kürze der Zeit bei einigen Fabriken nicht möglich gewesen.

Die Ausnahmeerlaubnis der Wettbewerbshüter ist bis Juni 2023 begrenzt.

dab/dpa
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