Entwicklung neuer Technologien US-Firmen hängen die europäische Konkurrenz bei Forschungsausgaben ab
Mitarbeiter im Forschungslabor von Google: Kampf um Technologieführerschaft
Foto: Brooks Kraft / Corbis / Getty ImagesWenn sie erfolgreich bleiben wollen, müssen Unternehmen in Forschung und Entwicklung investieren. So haben die weltgrößten Konzerne trotz schrumpfender Gewinne im vergangenen Jahr mehr Geld in Zukunftsprojekte gesteckt. Im Schnitt seien die Investitionen in Forschung und Entwicklung der 500 weltgrößten börsennotierten Konzerne 2023 um zwölf Prozent gestiegen, schreibt die Beratungsfirma EY in einer Studie. Und das, obwohl der Gewinn im selben Zeitraum um neun Prozent gefallen sei. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 waren es allerdings noch 13 Prozent mehr Ausgaben für die Forschung. Damals waren die Gewinne allerdings noch deutlich gestiegen.
»Zwar stehen viele Unternehmen aktuell erheblich unter Druck und suchen nach Wegen, ihre Kosten zu senken. Die Mehrheit widersteht aber der Verlockung, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu kürzen«, sagte Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY. »Die Kostensenkungsprogramme, die wir aktuell bei vielen führenden Unternehmen beobachten, betreffen zumeist Abläufe in Verwaltung und Produktion – selten den Bereich Forschung und Entwicklung.«
Deutliche Unterschiede gibt es der Studie zufolge aber zwischen den USA und Europa. Im Verhältnis zum Umsatz stiegen in den USA die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 9,2 Prozent auf 10,2 Prozent, in Europa dagegen nur von 6,5 auf 6,6 Prozent. In Deutschland von 5,8 auf 5,9 Prozent. »Damit droht die Schere zwischen den USA und Europa und Asien weiter auseinanderzugehen. Denn die F&E-Investitionen von heute sind die Innovationen von morgen und die Gewinne von übermorgen«, warnte Ahlers.
Zwei deutsche Konzerne unter den Top 10
Unter den 500 analysierten Unternehmen waren 169 Konzerne aus den Vereinigten Staaten mit einem Gesamtbudget von 533 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung. In der Länder-Rangliste folgten die Firmen aus Japan (87 Milliarden Euro) und Deutschland (75 Milliarden Euro). Die europäischen Unternehmen in der untersuchten Gruppe investierten zusammengenommen 227 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, jene aus Asien und dem Pazifikraum 220 Milliarden Euro.
Von den zehn Topinvestoren weltweit kommen laut Studie sieben aus den USA, sechs davon aus der Technologiebranche wie Amazon als Nummer eins, sowie die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Konzern Meta. Aus Europa schaffen es zwei Konzerne in die Top Ten: Volkswagen auf Platz acht und der Schweizer Pharmariese Roche auf Platz zehn.
Aus Deutschland schafften es insgesamt 31 Unternehmen in das Ranking. Volkswagen steigerte sein Forschungsbudget um zehn Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. In der deutschen Top-Ten-Liste steigerten sieben von zehn Konzernen ihre Ausgaben – nur Bayer, Merck und BASF fuhren die Ausgaben teils deutlich zurück.