Zusammengebrochene Fonds US-Gericht spricht Milliarden-Zocker frei

Die Anleger verloren Milliarden, die Fondsmanager kommen straffrei davon: In New York standen zwei Mitarbeiter der Ex-Investmentbank Bear Stearns vor Gericht, sie sollen ihren Kunden hohe Risiken verschwiegen haben. Doch der erste große Finanzkrisen-Prozess endete überraschend mit einem Freispruch.

Investmentbanker Tannin verlässt das Gericht: Freispruch für die Fondsmanager
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Investmentbanker Tannin verlässt das Gericht: Freispruch für die Fondsmanager


New York - Freispruch im ersten Finanzkrisen-Prozess gegen hochrangige Wall-Street-Profis: Die Ex-Manager Ralph Cioffi und Matthew Tannin der US-Investmentbank Bear Staerns haben beim Scheitern ihrer Hedgefonds vor gut zwei Jahren ihre Investoren nicht belogen. Das entschied ein New Yorker Gericht.

Der spektakuläre Zusammenbruch der beiden Fonds im Sommer 2007 gilt als eines der Alarmsignale am Beginn der Finanzkrise. Bear Stearns selbst brach im März 2008 zusammen und wurde von JPMorgan Chase Chart zeigen übernommen. Der Prozess war das erste größere Verfahren im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch großer US-Finanzinstitute während der Krise. Der Freispruch könnte den Ehrgeiz der Staatsanwaltschaft bremsen, weitere Manager wegen ihrer Rolle in der Finanzkrise anzuklagen.

Die beiden Manager hatten vor allem in extrem wacklige Hauskredite mit so gut wie keinen Sicherheiten investiert. Diese hochriskanten "Subprime"-Papiere waren Auslöser der Finanzkrise, die später zur weltweiten Rezession führte.

Cioffi, 53, und Tannin, 48, war vorgeworfen worden, ihren Kunden die Probleme ihrer Fonds bewusst verschwiegen zu haben. Das Gericht urteilte dagegen am Dienstag, die zwei Familienväter hätten sich gegenüber ihren Investoren nichts zuschulden kommen lassen. Die zwölfköpfige Jury wies alle Vorwürfe zurück - von Betrug über Verschwörung bis hin zu Insiderhandel. Dafür gebe es nicht genug Beweise.

Manager sehen sich selbst als Opfer der Krise

Die Manager hatten laut Staatsanwaltschaft trotz Wertverlusten ihrer Fonds ein viel zu rosiges Bild der Lage gemalt. Coffi habe zudem noch rechtzeitig Millionenbeträge aus einem Fonds abgezogen. Hunderte Anleger seien um rund 1,5 Milliarden Dollar geschädigt worden. Die Investoren waren allerdings keine Kleinanleger, sondern vermögende private und institutionelle Kunden.

In dem dreiwöchigen Prozess hatte sich die Staatsanwaltschaft auch auf E-Mails der Angeklagten gestützt. So hatte Tannin geschrieben, er könne nicht mehr schlafen und nehme Antidepressiva aus Angst, die Fonds könnten platzen.

Die Verteidiger argumentierten dagegen, die Manager seien selbst Opfer der Krise. "Ich bin glücklich", sagte Cioffi nach dem Urteil.

ore/dpa-afx/Reuters



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Seite 1
Klo, 09.11.2009
1.
Zitat von sysopGigantische Boni, riesige Profite - kein Problem für die Gesellschaft, sagt jetzt Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein in einem Interview. Tatsächlich sei das nur ein Zeichen für den Aufschwung. Überhaupt hat er ein ganz eigenes Selbstverständnis der Bankenwelt: Diese würden in Wahrheit Göttliches tun. Banker - unterwegs im Auftrag des Herrn?
Schöner kann man nicht blasphemisch sein, wie Herr Blankfein, der den Gott Mammon anbetet, wie kaum ein Zweiter. Insofern hat er Recht, er vollendet dessen Werk eine egozentrischen Gesellschaft.
Petra Raab 09.11.2009
2.
Zitat von sysopGigantische Boni, riesige Profite - kein Problem für die Gesellschaft, sagt jetzt Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein in einem Interview. Tatsächlich sei das nur ein Zeichen für den Aufschwung. Überhaupt hat er ein ganz eigenes Selbstverständnis der Bankenwelt: Diese würden in Wahrheit Göttliches tun. Banker - unterwegs im Auftrag des Herrn?
Diejenigen, die hinter dem System der Banken stecken, wollen so wie Gott sein und deshalb ziehen sie die Leistungen der Gesellschaft auf sich selbst, in der Hoffnung, dadurch auch zu Gott zu werden. Leider werden diese Herren nur von ihrem Ego regiert, welches in seiner Selbstherrlichkeit, hier auf diesem Planeten seines gleichen sucht.
Klo, 09.11.2009
3.
Zitat von sysopGigantische Boni, riesige Profite - kein Problem für die Gesellschaft, sagt jetzt Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein in einem Interview. Tatsächlich sei das nur ein Zeichen für den Aufschwung. Überhaupt hat er ein ganz eigenes Selbstverständnis der Bankenwelt: Diese würden in Wahrheit Göttliches tun. Banker - unterwegs im Auftrag des Herrn?
Ach ja, es wäre gut, wenn ihm schnell noch jemand "Gottes Auftrag" aus der Bibel vorlesen könnte. Er muß sich da irgendwo vertan haben. Danke!
Magentasalex 09.11.2009
4. ....manchmal, so ganz tief in meinem Innersten
Zitat von sysopGigantische Boni, riesige Profite - kein Problem für die Gesellschaft, sagt jetzt Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein in einem Interview. Tatsächlich sei das nur ein Zeichen für den Aufschwung. Überhaupt hat er ein ganz eigenes Selbstverständnis der Bankenwelt: Diese würden in Wahrheit Göttliches tun. Banker - unterwegs im Auftrag des Herrn?
....manchmal, so ganz tief in meinem Innersten denke ich -wenn ich solche skurilen Sachen lese- daß wir die ganze Welt gemeinsam zertrümmern sollten, um darauf etwas absolut Neues aufzubauen. Auf keinen Fall könnte das neu Aufgebaute schlimmer sein, als das, was wir Tag für Tag weltweit erleben.
carlosowas, 09.11.2009
5. achter Schöpfungstag
Zitat von sysopGigantische Boni, riesige Profite - kein Problem für die Gesellschaft, sagt jetzt Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein in einem Interview. Tatsächlich sei das nur ein Zeichen für den Aufschwung. Überhaupt hat er ein ganz eigenes Selbstverständnis der Bankenwelt: Diese würden in Wahrheit Göttliches tun. Banker - unterwegs im Auftrag des Herrn?
Und am achten Tag schuf Gott das Geld. Und machte dann die Augen zu.
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