US-Zwangsräumungen Banken zahlen Milliarden an frühere Hausbesitzer

Opfer von Zwangsvollstreckungen in den USA können auf Entschädigungen hoffen. Zehn amerikanische Banken haben sich zur Zahlung von 8,5 Milliarden Dollar verpflichtet. Ihnen wird vorgeworfen, Bewohner zu Unrecht aus ihren Häusern vertrieben zu haben.

New Yorker Wall Street: Die Banken büßen für die Fehler der Vergangenheit
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New Yorker Wall Street: Die Banken büßen für die Fehler der Vergangenheit


Washington - Die Wall Street wird ein weiteres Mal von der Finanzkrise eingeholt. In einem Skandal um unrechtmäßige Zwangsräumungen einigten sich am Montag zehn amerikanische Banken und Hypothekenfirmen mit den Aufsichtsbehörden auf Vergleichszahlungen von bis zu 8,5 Milliarden Dollar. Damit werde ein Schlussstrich unter ein Prüfungsverfahren gezogen, das im Jahr 2011 angeordnet worden sei, teilte ein Behördenvertreter am Montag mit.

In den Fall sind unter anderem die Geldhäuser Bank of America Chart zeigen, Citigroup Chart zeigen, JP Morgan Chase und Wells Fargo Chart zeigenverwickelt. Ihnen wird vorgeworfen, Akten betroffener Kunden schlecht verwaltet und vorgeschriebene Schritte bei Räumungen ignoriert zu haben.

Von der Einigung sollen mehr als 3,8 Millionen Schuldner profitieren, deren Häuser in den Jahren 2009 und 2010 in die Zwangsvollstreckung geraten sind. Von der Gesamtsumme sind 3,3 Milliarden Dollar als direkte Zahlungen vorgesehen. Die restlichen 5,2 Milliarden Dollar entfallen auf Erleichterungen bei Kreditverträgen. Pro Fall sollen zwischen ein paar hundert und 125.000 Dollar fließen.

Die Bank of America muss doppelt zahlen

Die Banken hatten die Hypothekenkredite zumeist nicht selbst vergeben, sondern fungierten als Dienstleister für die Kreditgeber. In dieser Funktion kümmern sie sich - ähnlich wie ein Inkasso-Büro - um die Eintreibung der Forderungen, neue Zahlungspläne, Steuerzahlungen bis hin zur Zwangsversteigerung des Hauses, wenn der Eigentümer nicht mehr zahlen kann.

Die US-Banken stehen seit Jahren wegen fragwürdiger Methoden bei Zwangsvollstreckungen in der Kritik. Vor allem das sogenannte Robo-Signing hatte für Empörung gesorgt. Übersetzt bedeutet dies "roboterhaftes Unterschreiben". Gemeint ist damit, dass überlastete Sachbearbeiter sich angesichts der schieren Masse der Fälle kaum Zeit für eine eingehende Prüfung der Unterlagen genommen hatten, sondern stattdessen im Minutentakt die Pfändungsbescheide erstellten.

In den USA hatten durch das Platzen der Immobilienblase und die anschließende Finanz- und Wirtschaftskrise Millionen Amerikaner ihr Eigenheim verloren. Sie konnten ihre Kreditraten nicht mehr zahlen. Viele Schuldner landeten dabei zu Unrecht auf der Straße, wie die Bankenregulierer sagen. Bereits im Februar 2012 hatte es deshalb einen 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zwischen den Generalstaatsanwälten der US-Bundesstaaten sowie Großbanken gegeben. Weitere Vergleiche sollen nach Auskunft der Notenbank Fed folgen.

Die Bank of America hatte am Montag bereits einer weiteren Zahlung zugestimmt. Sie muss mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlichen Hausfinanzierer Fannie Mae zahlen, weil sie minderwertige Hypotheken vermittelt haben soll.

stk/dpa/Reuters/dapd



insgesamt 20 Beiträge
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heute_morgen 07.01.2013
1.
america überrascht einen immer wieder - positiv.
lime43 07.01.2013
2. War da nicht was
Wenn ich mich nicht täusche, las ich vor einigen Jahren, daß es auch hier Aufkäufer gab von Hypotheken und dann neue Verträge welche von den Gläubigern nicht bedient werden konnten. Und hier wurden dann auch Zwangsversteigert. Gab da einige Artikel damals und plötzlich verstummte das. Lag es an verlorenen Prozessen gegen diese Monster, denn wer schon alles verloren hat, kann in diesem System schlecht prozessieren.
solero63 07.01.2013
3. Robo-Signing ist etwas anderes...
nämlich nicht nur, dass der Sachbearbeiter keine Prüfung vornimmt, sondern vielmehr, dass gar kein Sachbearbeiter unterschreibt, sondern eigens dafür von der Straße angeheuerte Fremde. Diese unterschrieben (oftmals mit fremden, nicht existierenden Namen als Vorstandsmitglieder, die es nie gab) die maßgeblichen Schriftstücke in rauen Massen. Diese Leute machten nichts anderes als dies in reiner Fließbandarbeit den ganzen Tag über. Auftraggeber soll nach einem Bericht eines deutschen ÖR-Senders vor ca. 1 Jahr u.a. die Deutsche Bank gewesen sein. Aufgefallen ist das einem Mitarbeiter des Katasteramtes und einer Rechtsanwältin (die ebenfalls Schuldnerin der Bank war) durch völlig unterschiedliche Unterschriften, die angeblich von derselben Person stammen sollten. Recherchen ergaben dann, dass diese Person frei erfunden war und erst recht kein Vorstandsmitglied. Dabei soll es sich nicht nur um Einzelfälle gehandelt haben. Auch einer der "Ghostwriter" gestand im Interview diese Vorgänge. Da entgehen wohl die Banken auch einer strafrechtlichen Verfolgung durch den jetzigen Deal?
prince62 07.01.2013
4. Das ist dann ja Diebstahl!
Zitat von sysopDPAOpfer von Zwangsvollstreckungen in den USA können auf Entschädigungen hoffen. Zehn amerikanische Banken haben sich zur Zahlung von 8,5 Milliarden Dollar verpflichtet. Ihnen wird vorgeworfen, Bewohner zu Unrecht aus ihren Häusern vertrieben zu haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zwangsraeumungen-us-banken-zahlen-milliarden-an-fruehere-hausbesitzer-a-876229.html
Wer Eigentümer unrechtmäßig ihren Besitz wegnimmt, begeht Diebstahl und Betrug, beides ist einklarer Fall für die Strafjustiz, es ist immer wieder erstaunlich, daß sich das Organisierte Kapitalverbrechen die dreistesten Verbrechen herausnimmt und dann lediglich mit Schadensersatzzahlungen davon kommt, die sowieso dem Steuerzahler berechnet werden. Unglaublich, wie sich diese Kaste das westliche Wirtschafts- und Gesellschaftssystem untertan gemacht hat, alles mit wohlwollender Ignoranz der herrschenden korrupten Politikermarionetten.
whocaresbutyou 07.01.2013
5. mal nachgerechnet...
Zitat von heute_morgenamerica überrascht einen immer wieder - positiv.
acht komma irgendwas Milliarden Dollar für "mehr als 3,8 Millionen Schuldner"... Macht pro Nase (gemittelt) etwa 2.200 Dollar... 600 auf die Hand, den Rest als Krediterleichterung. Bei einem halbwegs gängigen Baukredit sind das zwei bis drei Raten. Für 10(!) Banken sind das Peanuts, für einen von der Enteignung Betroffenen vermutlich auch...
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