Rückstellungen für Rechtsrisiken Zweifelhafte Geschäfte belasten Deutsche Bank

Die Anleger sind entsetzt, die Aktie fällt: Die Deutsche Bank hat ihren Gewinn im zweiten Quartal halbiert. Hauptgrund für die schlechten Zahlen sind die Verfehlungen im Investmentbanking. Sie haben der Bank milliardenschwere Rechtsrisiken eingebrockt.

Zentrale der Deutschen Bank: "Beim Kulturwandel in der ersten Reihe"
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Zentrale der Deutschen Bank: "Beim Kulturwandel in der ersten Reihe"

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Frankfurt - Die Deutsche Bank kann derzeit nicht mit der Konkurrenz aus den USA mithalten. Das ist die bittere Erkenntnis aus den am Dienstag vorgelegten Quartalszahlen. Während Rivalen wie JP Morgan oder Goldman Sachs schon wieder Milliardengewinne machen, muss sich Deutschlands größtes Geldhaus mit einem Mini-Überschuss von 335 Millionen Euro begnügen.

Die Aktionäre reagierten entsprechend enttäuscht: Der Kurs der Aktie fiel zeitweise um fast fünf Prozent. "Die Zahlen sind schlecht", sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch.

Hauptbelastung für die Bank sind ihre Sünden aus der Vergangenheit. Da ist zum einen die hauseigene Bad Bank, in die der Konzern all die Geschäfte abgeschoben hat, die er loswerden will. Dieser Bereich fuhr allein im zweiten Quartal knapp 700 Millionen Euro Verlust ein.

Noch schlimmer aber wiegen die Rechtsstreitigkeiten, für die die Bank erneut mehr Geld zurücklegen musste. Insgesamt hat sie nun drei Milliarden Euro dafür reserviert - eine Zahl, die selbst Kenner schockiert. "Dass die Bank nochmals Geld für Rechtsstreitigkeiten in die Rückstellungen packen musste - damit hatte niemand gerechnet", sagt Heino Ruland von Ruland Research. Es sehe auch nicht so aus, als gäbe es im zweiten Halbjahr eine Entlastung.

Auch Analyst Hein sieht kein schnelles Ende der Horrornachrichten. "Die Rückstellungen werden in jedem Quartal höher", kritisiert der Experte. Für ihn ist klar, wo die Schuldigen für das Desaster sitzen: "Die Belastungen kommen fast ausschließlich aus dem Investmentbanking. Die Deutsche Bank hat dort offenbar jahrelang Geschäfte außerhalb der Regeln gemacht und muss nun dafür zahlen."

"Wir rechnen mit einer Zunahme von Vergleichen"

In der Tat ist die Bank in eine ganze Reihe von Rechtsstreitigkeiten verwickelt. An erster Stelle steht dabei der Skandal um mutmaßliche Manipulationen von Referenzzinssätzen wie Libor oder Euribor. Hier ermitteln mehrere Behörden weltweit gegen ein Dutzend Banken. Die UBS Chart zeigen, Barclays Chart zeigen und die Royal Bank of Scotland Chart zeigen haben bereits Strafen in jeweils dreistelliger Millionenhöhe gezahlt. Auch die Deutsche Bank Chart zeigenstrebt einen Vergleich mit den Ermittlungsbehörden an.

Im jahrelangen Streit mit dem inzwischen verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch wurde die Bank bereits zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Nur die Höhe steht noch nicht fest.

Hinzu kommen mögliche Belastungen aus diversen Zivilklagen im Zusammenhang mit dem US-Hypothekenmarkt und umstrittenen Zinsgeschäften. Außerdem ermittelt die deutsche Staatsanwaltschaft wegen möglichem Umsatzsteuerbetrug. Die Bank weist die Vorwürfe zurück.

Die beiden Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen nun möglichste viele Risiken loswerden - und streben deshalb Vergleiche an - also vertragliche Einigungen mit Klägern ohne Gerichtsurteil. "Wir rechnen in den nächsten Quartalen mit einer Zunahme von Vergleichen", sagte Jain.

Jain und Fitschen hatten nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr einen Kulturwandel in der Bank ausgerufen. Inzwischen haben sie den rund 100.000 Mitarbeitern dazu einen neuen Wertekanon vorgestellt. "Wir tun das, was nicht nur rechtlich erlaubt, sondern auch richtig ist", steht dort zum Beispiel drin. Am Dienstag ließen die beiden Chefs mitteilen, man habe damit "einen wichtigen Schritt auf dem Weg gemacht, die Deutsche Bank beim Kulturwandel in der ersten Reihe zu positionieren".

Analyst Hein sieht die Ankündigungen kritisch: "Ein wirklicher Kulturwandel würde ein unbelastetes Spitzenpersonal erfordern, doch bei der Deutschen Bank stehen ausgerechnet jene Leute an der Spitze, die die Skandale der Vergangenheit zu verantworten haben." Er glaubt auch nicht, dass sich die Geschäftspraktiken der Bank mittlerweile verändert haben: "Diesen Beweis sind Jain und Fitschen bisher schuldig geblieben."

Mit Material von Reuters

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Seite 1
klugscheißer2011 30.07.2013
1. Kein Grund, etwas zu ändern
Zitat von sysopREUTERSDie Anleger sind entsetzt, die Aktie fällt: Die Deutsche Bank hat ihren Gewinn im zweiten Quartal halbiert. Hauptgrund für die schlechten Zahlen sind die Verfehlungen im Investmentbanking. Sie haben der Bank milliardenschwere Rechtsrisiken eingebrockt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zweifelhafte-geschaefte-belasten-deutsche-bank-a-913850.html
Das wird für die Verantwortlichen aber kein Grund sein, irgendetwas zu ändern. Sie werden weiter im Investment zocken und sich trotz der Verluste millionendicke Boni zuschieben.
David K. 30.07.2013
2. Einseitig
Da bricht gerade mit K+S ein Dax-Wert um rund 18 Prozent ein. Ein Einbruch, der im Dax so gut wie nie vorkommt. Aber nein, Banken-Bashing will der Leser haben, Banken-Bashing bekommt der Leser: Deutsche Bank "bricht" um 3,5 Prozent ein und mache krumme Geschäfte.....
zeitlupe 30.07.2013
3.
Es wird Zeit, dass die Verursacher endlich mit ihrem Privatvermögen haften. Ich hätte kein Mitleid, wenn den Schuldigen der letzte Penny genommen würde und sie Hartz 4 bantragen müssten. Und dann sollte RTL 2 mal eine Doku drehen "Vom Reichen Investmentbanker zum Hart 4ler. Ich würde mich köstlich amüsieren und eine unglaubliche Genugtuung verspühren.
nano-thermit 30.07.2013
4. Macht nichts
Der Steuerzahler wird's richten. Nicht dass das Management nicht mehr 1st class fliegen könnte.
tageskolumne 30.07.2013
5. Plünderung der Bank durch den alten Geldadel...
nach Milliardenabschreibungen für den Kirch-Prozess werden nun also weitere 630 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt... Für wen ist diese riesige Summe? das Geld ist ja nicht weg, es wird nur "umverteilt". Und zwar an Staranwälte, deren befreundete Großindustrielle und sonstigen Geldadel aus der alten Welt. Diese sogenannten einflussreichen Kreise plündern heutzutage offenbar überall die letzten Geldtöpfe, die noch vorhanden sind. Mit bormalen Investitionen, Steuersparmodellen etc. ist nicht mehr viel zu holen. Also nutzt man seinen jahrhundertealten Connections in Politik und Geldmacht, um sich zu bereichern. Auf Kosten der Mitarbeiter, der Kleinsparer, der öffentlichen Hand (Verluste bedeuten, die Bank muß keine Steuern zahlen) und auch der Aktionäre. Wann stoppt man diese Kapitalismus- Vampire endlich (sorry für den gruseligen Ausdruck, aber er trifft den Kern).
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