"Farmville"-Macher Zynga schrumpft radikal

Zynga spart knallhart beim Personal. Der "Farmville"-Entwickler streicht jede fünfte Stelle. Die Aktie des einstigen Liebling der Online-Spielgemeinde verliert rund zwölf Prozent.

Zynga-Chef Mark Pincus (Archivbild): "Niemals geglaubt, einen Tag wie diesen zu erleben"
REUTERS

Zynga-Chef Mark Pincus (Archivbild): "Niemals geglaubt, einen Tag wie diesen zu erleben"


San Francisco - Der Stern des Internet-Spieleherstellers Zynga verblasst zunehmend. Nun zieht das Unternehmen die Konsequenzen aus einem massiven Kundenschwund und baut knapp ein Fünftel seiner Stellen ab. "Niemand von uns hat jemals geglaubt, einen Tag wie diesen zu erleben", teilte der Chef der US-Firma, Mark Pincus, am Montag in einem Schreiben an die Belegschaft mit. Das soll jährlich 70 bis 80 Millionen Dollar einsparen helfen.

Zyngas Firmenkultur sei eigentlich auf Wachstum ausgerichtet. Als Folge der Streichung von etwa 520 Stellen werden ganze Entwicklerstudios in mehreren Städten geschlossen. Dadurch dürfte der bislang erwartete Nettoverlust im zweiten Quartal etwas höher ausfallen. Das Unternehmen geht von bis zu 39 Millionen Dollar aus. Zynga-Aktien schlossen in New York nach der Ankündigung zwölf Prozent im Minus.

Der einstige Liebling der Online-Spielegemeinde ist insbesondere für den virtuellen Bauernhof "Farmville" bekannt und hatte im Dezember 2011 einen milliardenschweren Börsengang hingelegt. Allerdings hat der Entwickler an frühere Erfolge nicht anknüpfen können. Immer mehr Spieler wenden sich den Angeboten auf Tablet-Computern oder Smartphones zu, während Zynga sich insbesondere auf Titel für Facebook konzentriert hat. Die Zahl der monatlichen Nutzer sank im ersten Quartal auf 253 Millionen von 292 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Zynga-Chef Pincus will die Abhängigkeit von den schwächelnden Simulationsspielen verringern. In der Hoffnung auf neue Einnahmequellen stößt Zynga verstärkt ins Glücksspiel vor.

Um auch mit Handyspielen Geld zu verdienen, hatte Zynga die Spielefirma OMGPOP gekauft, es wurde jedoch eine teure Fehlinvestition. Zynga schnappte sich den Entwickler des Spiels "Draw Something", bei dem man Bilder erraten muss, im vergangenen Jahr auf dem Höhepunkt von dessen Erfolgsgeschichte. Entsprechend hoch war der Preis mit 180 Millionen Dollar. Doch die Nutzer liefen unter Zynga-Regie davon. Jetzt müssen auch viele OMGPOP-Mitarbeiter gehen.

yes/Reuters/dpa-AFX



insgesamt 3 Beiträge
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MashMashMusic 04.06.2013
1. Tjaja ...
... wie konnte das nur geschehen? Als vor drei, vier Jahren der Boom bei den Free-to-play-Spielen losging, wurde man immer belächelt bei der Frage "Wo kommt eigentlich Euer Umsatz und Gewinn her?", meist mit dem Kommentar "Das verstehst Du nicht".
NeZ 04.06.2013
2.
Tja. Ein paar Glückstreffer mit Farmville, MafiaWars usw. und die weitere Entwicklung des Marktes total verschlafen. Apps für Facebook laufen nun mal nicht auf dem Handy. Aber Apps für Android u.ä. tun das. Dann noch millionenschwere Fehlinvestitionen. Mir tun die Mitarbeiter leid. Erinnert mich alles irgendwie an Microsoft vor 10 Jahren.
000.Zulu 19.06.2013
3. Es gibt da allerhand, was Zynga besser machen könnte...
...Zynga neigt extrem stark dazu, deren Spiele zu Vollzeitberufungen zu machen. Poste dies alle acht Stunden, poste das alle zwei Stunden aber maximal viermal am tag, poste jenes alle 23 Stunden, mache dies alle sechs Stunden. Nimm 100 Geschenke deiner Mitspieler über den Tag an, töte 150 deiner Gegner jeden Tag, etc. aus Sicht von MafiaWars und ständig irgendwelche "special offers" mit 20-50% discount für irgendwelchen Rotz. Aushöhlung der eigenen Terms of Service, Bigotterie was die Nutzung von Scripten, Bots, etc. angeht, nach dem Motto, wenn der Kunde dolle zahlt, schaun wir gerne mal weg.
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