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Unternehmenskrise Spedition des BDI-Chefs vor dem Aus

Als Verbandsvertreter hat sich BDI-Präsident Jürgen Thumann immer für den Erhalt von Arbeitsplätzen eingesetzt. Als Unternehmer hat er selbst wenig Fortune. Die familieneigene Spedition steht kurz vor dem Aus.

Meinerzhagen - "Wir sind von den Vertretern des Eigentümers über die drohende Insolvenz informiert worden", sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Trapp heute. Die 69-köpfige Belegschaft des Transportunternehmens wurde auf einer Betriebsversammlung über den Stand der Verhandlungen zur Rettung der Firma im sauerländischen Meinerzhagen unterrichtet. "Es wird wahrscheinlich in den kommenden Tagen die Insolvenz beantragt", sagte Trapp. Er warf dem Besitzer vor, sich in den vergangenen Jahren überhaupt nicht um das Unternehmen gekümmert zu haben.

"Es ist schon bitter, wenn wir in der Zeitung lesen, dass unser Eigentümer fordert, die Wirtschaft solle sich auf alte Werte besinnen und Entlassungen vermeiden", sagte Trapp. "Hier passiert genau das Gegenteil." Seit dem Ausscheiden des Firmengründers und Namensgebers im Jahr 2000 "laufen die Geschäfte nicht mehr rund", sagte Trapp.

Die Vorwürfe weist Geschäftsführerin Gretchen Williams entschieden zurück. Thumann sei zwar Eigentümer der Spedition, habe jedoch mit dem Tagesgeschäft nichts zu tun gehabt. "Dafür waren immer Geschäftsführer zuständig", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Sie weist dem Betriebsrat indirekt eine Mitschuld an der Situation zu. "Die Gespräche in den vergangenen Tagen sind ohne Ergebnis geblieben. Die Arbeitnehmerseite war zu keinerlei Kompromissen bereit."

Die Situation sei nicht eben einfacher geworden, seit der Betriebsrat die Medien informiert habe, sagte sie mit kaum verhohlener Missbilligung. "Ich habe den halben Tag damit zugebracht, Kunden zu beruhigen, die jetzt befürchten, dass die Leistung nicht erbracht wird. Das Vertrauen in das Unternehmen ist schwer angeschlagen." Besonders problematisch sei in diesem Zusammenhang, dass die Situation auf ein für ein Unternehmen dieser Größenordnung ungewöhnlich großes öffentliches Interesse stoße. "Das liegt allein daran, dass Herr Thumann zu den Eigentümern des Unternehmens gehört."

Über die Ursachen für die Krise wollte Williams sich nicht äußern. Ebenso wenig wollte sie Einzelheiten über Umsätze oder Auftragslage preisgeben.

Offener schon äußerte sich Betriebsrat Trapp: Die Krise des Unternehmens liege nicht an fehlenden Aufträgen, sondern an Management-Fehlern, sagte er. "Wir sind auftragsmäßig voll ausgelastet." Allerdings seien die Kosten immens. So seien zum Beispiel seit dem Jahr 2000 keine neuen Fahrzeuge angeschafft wurden. "Da laufen enorme Reparaturkosten auf", sagte Trapp.

Den Mitarbeitern seien eine Million Euro für eine Auffang-Gesellschaft angeboten worden. "Das ist für 69 Leute viel zu wenig." Trapp möchte erreichen, dass dem Unternehmen zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, um in den kommenden Monaten die Spedition wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Mit Material von dpa

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