Untersuchung zu Options-Affäre Apple-Chef Jobs wusste von Rückdatierungen

Für Apple-Chef Jobs wird es unangenehm: Ein Untersuchungskomitee erklärte jetzt, der Apple-CEO habe von der unrechtmäßigen Rückdatierung von Aktienoptionen zumindest gewusst. Der schlimmste Verdacht gegen die Managementikone hat sich allerdings nicht bestätigt.


San Jose - Die Erklärung des Computerriesen klang etwas widersprüchlich: Dem Apple-Management könne man kein Fehlverhalten vorwerfen - dennoch habe ein unabhängiges Untersuchungskomitee bei der Zuteilung gewisser Aktienoptionen an Manager zwischen 1997 und 2001 Unregelmäßigkeiten entdeckt. Dabei seien die Daten der Optionen rückdatiert worden, damit die Halter beim Verkauf größere Gewinne erzielen. Insgesamt seien Apple Chart zeigen durch die unrechtmäßige Praxis Kosten von rund 84 Millionen Dollar entstanden.

Apple-CEO Steve Jobs bei der Vorstellung der neuen iTunes-Video-Downloads: Apple bescheinigt ihm "vollstes Vertrauen"
AFP

Apple-CEO Steve Jobs bei der Vorstellung der neuen iTunes-Video-Downloads: Apple bescheinigt ihm "vollstes Vertrauen"

Doch auch wenn der Konzern den guten Ruf seiner Manager über die Affäre hinweg weitgehend retten kann - ein Detail lässt sich nicht wegdiskutieren: Auch Apple-CEO Steve Jobs ist in die Angelegenheit verwickelt. In einigen Fällen habe die Management-Ikone von den Rückdatierungen gewusst oder sie sogar empfohlen. Finanziell habe Jobs jedoch nicht von den Manipulationen profitiert, betonte das Unternehmen. Apple habe deshalb "vollstes Vertrauen" in seinen CEO.

Die Untersuchung und die Korrektur der Geschäftszahlen hatte der Computerkonzern auf eigenes Betreiben hin unternommen, nachdem die Börsenaufsicht Ermittlungen eingeleitet hatte. Der Sonderausschuss war prominent besetzt - der ehemalige US-Vize-Präsident Al Gore führte ihn an.

Die nun veröffentlichten Ergebnisse dürften unangenehm für Jobs sein - dennoch bleibt das, was bisher von der Untersuchung bekannt wurde, weit hinter dem zurück, was die Gerüchte befürchten ließen. Einige Dokumente seien nachträglich geändert worden, hieß es in dem Bericht. Dieser Vorgang sei auch Gegenstand der SEC-Untersuchungen. Die "Financial Times" hatte vor einigen Tage berichtet, Apple habe Jobs im Jahr 2001 insgesamt 7,5 Millionen Aktienoptionen übertragen, ohne dass dies vom Board des Unternehmens abgesegnet wurde, wie es eigentlich erforderlich gewesen sei.

Nach der Veröffentlichung der neuesten Untersuchungsergebnisse und der relativ harmlosen Bilanz-Korrektur, zeigten sich die Börsianer nun heute sehr erleichtert. Der Kurs der Apple-Papiere stieg vorbörslich um mehr als drei Prozent.

Insgesamt laufen in den USA derzeit Ermittlungen gegen rund 160 Unternehmen wegen des Verdachts, dass diese durch options backdating die Entlohnung von Managern gesteigert haben. Mehrere US-Führungskräfte sind im Zusammenhang mit der Affäre bereits zurückgetreten. So gab auch der Apple-Aufsichtsrat und frühere Finanzvorstand Fred Andersen im Zuge der Affäre sein Amt auf.

ase/AP/dpa-AFX/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.