Untersuchungsbericht Machtkampf zwischen Franzosen war Ursache für Airbus-Krise

Der Untersuchungsbericht des französischen Senats zu den Ursachen der Krise bei EADS kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Fehler und ein interner Machtkampf in der Führung haben zu den derzeitigen Schwierigkeiten des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns beigetragen.


Paris - Bemerkenswert an dem Ergebnis ist, dass nicht etwa die Rivalitäten und Unstimmigkeiten zwischen deutscher und französischer Seite im Management als Ursache für die Fehlentwicklung angesehen werden, sondern der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Franzosen Noël Forgeard und Philippe Camus. Dadurch seien "Störungen entstanden, die noch heute fortbestehen", sagte der Ausschussvorsitzende Jean-François Le Grand heute während der Vorstellung des Berichts.

Airbus A380: Verzögerungen auch auf Managementfehler zurückzuführen
AFP

Airbus A380: Verzögerungen auch auf Managementfehler zurückzuführen

Sein Kollege Roland Ries warf dem Konzern überdies vor, bei der Vorstellung des Sanierungsprogramms "Power 8" bei der EADS-Tochter Airbus ungeschickt vorgegangen zu sein.

Der Bericht könnte Einfluss auf die Diskussionen haben, wer in Zukunft bei EADS Chart zeigen das Sagen haben sollte. Wiederholt hatte Paris mehr Einfluss reklamiert und auch die Bestrebungen von Berlin kritisiert, die DaimlerChrysler Chart zeigen-Anteile im deutschen Einflussbereich zu halten. Auch die Verteilung der Aufträge an die einzelnen Airbus-Standorte gab immer wieder Anlass für Auseinandersetzungen.

Airbus befindet sich gerade inmitten einer schmerzhaften Umbauphase. Die Neustrukturierung war notwendig geworden, nachdem Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 und hohe Entwicklungskosten für den neuen A350 das Unternehmen tief in die roten Zahlen gedrückt haben. Die Probleme überschatten auch die EADS-Bilanz.

Nach langen Streitigkeiten zwischen der deutschen und französischen Seite hatte sich das Management schließlich auf den Abbau von rund 10.000 Stellen und den Verkauf von mehreren Werken geeignet. Mit den Einsparungen soll Airbus aus der Krise kommen und wieder Boden zum US-Erzrivalen Boeing gut machen.

Anfang Juni hatte der französische Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt, die Staatsbeteiligung an EADS überprüfen zu wollen. Keinesfalls habe Frankreich vor, EADS zu verstaatlichen. Der Staat wolle sich eher "eines Tages" von seinem 15-prozentigen Aktienpaket trennen. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er jedoch nicht.

mik/AP/Reuters



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