Untreue-Verdacht Fahnder durchsuchen Siemens-Büros

Großrazzia bei Siemens: Die üppigen Gehaltserhöhungen für den Vorstand und die Pleite seiner ehemaligen Handytochter BenQ haben den Konzern in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen gebracht. Nun ist das Traditionsunternehmen auch noch ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten.

München - Derzeit durchsuchen rund 200 Polizeibeamte, Steuerfahnder und Staatsanwälte über 30 Bürohäuser an allen großen Siemens-Standorten und Privatwohnungen von teilweise hochrangigen Mitarbeitern, um Unterlagen sicherzustellen, wie SPIEGEL ONLINE aus unterrichteten Kreisen erfuhr.

Die Razzia soll einen schwerwiegenden Verdacht erhärten: Angestellte des Konzerns sollen im großen Stil Siemens-Vermögen veruntreut haben. Die Gelder dienten unter anderem dazu, um Bestechungsgelder an potenzielle Auftraggeber zu zahlen. Der Transfer soll teilweise auch über Auslandskonten, unter anderem in der Schweiz, abgewickelt worden sein.

Nach den internen Siemens-Richtlinien sind Bakschischzahlungen zwar verboten. Trotzdem tauchten in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle auf, bei denen Siemens-Angestellte Mitarbeitern von Kunden wie zum Beispiel dem italienischen Energiekonzern Enel Schmiergelder in Millionenhöhe zahlten, um mit den Unternehmen ins Geschäft zu kommen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll die groß angelegte Durchsuchungsaktion bei Siemens heute noch den ganzen Tag andauern und morgen fortgeführt werden.