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02. März 2007, 17:38 Uhr

UPS storniert A380F

Airbus verliert letzten Kunden für Superfrachter

Airbus kommt nicht zur Ruhe: Mit UPS hat der letzte Kunde seine Bestellung für den A380-Frachter storniert. Für den Transporter, den keiner mehr will, wird in Hamburg mit gigantischem Aufwand eine Landebahn gebaut. Derweil attackieren immer mehr Politiker den Sparplan Power 8.

Hamburg – Wer bei Airbus arbeitet, braucht derzeit starke Nerven – das gilt für die normalen Angestellten, die um ihre Jobs oder zumindest doch um Privilegien fürchten. Und es gilt für das Management, das fast täglich mit Hiobsbotschaften konfrontiert ist und Einmischungen der Politik abweisen muss. Auch nach der Präsentation des Sparprogramms Power 8 überschlagen sich die Ereignisse.

Ein Flugzeug, das es so voraussichtlich nie geben wird: Die Frachtversion des Airbus A380 in den Farben des Logistic-Konzerns UPS (Computersimulation)
AP/ UPS

Ein Flugzeug, das es so voraussichtlich nie geben wird: Die Frachtversion des Airbus A380 in den Farben des Logistic-Konzerns UPS (Computersimulation)

So hat der US-Logistikkonzern UPS heute mitgeteilt, er werde seine Bestellung von zehn Frachtversionen des Großraumjets A380 so schnell wie möglich stornieren. Man glaube nicht mehr, dass Airbus an dem geplanten Erstauslieferungstermin 2012 festhalten könne. Damit springt der letzte Kunde für das Frachtprogramm ab. Im November hatte bereits FedEx wegen der Verzögerungen seine zehn Bestellungen für die A380-F zurückgezogen und stattdessen 15 Boeing 777 beim amerikanischen Airbus-Konkurrenten geordert.

Gestern hatte der kriselnde Flugzeugbauer angekündigt, die Entwicklung der Frachtmaschine auf Eis zu legen. Man wolle sich lieber auf die A380-Passagiermaschine konzentrieren. Die Gegner der Verlängerung der Startbahn am Hamburger Werk hoffen daher, die Bauarbeiten doch noch stoppen zu können - und erwägen einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht. Die umstrittenen Bauarbeiten waren immer mit dem A380F-Programm begründet worden.

Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) erklärte, die Rollbahnverlängerung sei nicht ausschließlich vom A380F abhängig. "Wer die Landebahnverlängerung einzig von der Auslieferung der A380-Frachtversion abhängig macht, vereinfacht diese Zusammenhänge in unzulässiger Weise." Hamburg hat ebenso wie Airbus etwa 700 Millionen Euro in den Ausbau des Standortes für die A380-Produktion investiert.

An den drei zur Disposition gestellten deutschen Airbus-Standorten in Nordenham, Varel und Laupheim informierte der Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken die Belegschaft persönlich über Einzelheiten von Power 8. Hier hatten die Beschäftigten nach der Verkündung des Sparprogramms am Mittwoch spontan die Arbeit niedergelegt. In Varel und Nordenham werde sie am Montag wieder aufgenommen, sagte ein Sprecher der IG Metall Küste. Die Versammlungen an den sieben Standorten hätten nicht zu mehr Klarheit geführt. "Die Unsicherheit der Kollegen ist geblieben." Puttfarcken wurde Arbeitnehmer-Angaben zufolge bei Betriebsversammlungen ausgepfiffen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kritisierte den Airbus-Sparplan als zu weitgehend und kündigte Nachverhandlungen der Bundesregierung mit der Spitze des Mutterkonzerns EADS an. "Jetzt müssen wir alle Spielräume ausnutzen, um noch mehr Jobs zu erhalten", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Mit den 3700 Arbeitsplätzen, die Airbus bundesweit streichen will, dürfe das technologische Know-how nicht verloren gehen.

Unterdessen wollen sich acht französische Regionen an EADS beteiligen, um Einfluss auf Investitionsentscheidungen zu gewinnen. Ideal wäre es, zwischen fünf und zehn Prozent des Kapitals zu halten, sagte der Präsident der südwestfranzösischen Region Midi-Pyrénées, Martin Malvy, dem "Figaro". Die Regionen, in denen Airbus-Werke liegen, könnten dafür 150 Millionen Euro aufbringen. Malvy begründete die Initiative mit dem Engagement deutscher Bundesländer. Sie hatten sich an einem Konsortium beteiligt, das jüngst von DaimlerChrysler 7,5 Prozent der EADS-Anteile erworben hat.

Es werde ein zusätzliches Ungleichgewicht schaffen, wenn die deutschen Länder bei EADS und Airbus mitreden könnten, klagte Malvy. Er wolle bei Premierminister Dominique de Villepin darauf dringen, dass die französischen EADS-Großaktionäre Lagardère oder der Staat Anteile verkaufen. Er habe dafür die Unterstützung der Regionen Picardie und Aquitaine.

Der Sozialist Malvy ist für die Region zuständig, in der die Toulouser Airbus-Konzernzentrale beheimatet ist. Er habe den Eindruck, dass die deutsche Seite mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze sich im Ringen um den Sanierungsplan stärker eingemischt habe als die französische Regierung, sagte er.

Airbus-Chef Louis Gallois betonte, die Maßnahmen seien aus seiner Sicht ausgewogen. "'Power 8' ist ein gerechter Plan, verteilt auf verschiedene Länder, auch wenn jetzt jeder das Gefühl hat, mehr Opfer gebracht zu haben als der andere", sagte er der Zeitung "Les Echos". "Dass jetzt mehr Werke in Deutschland von den Partnerschaften oder möglichem Verkauf betroffen sind, liegt daran, dass es mehr Airbus- Werke in Deutschland gibt." Konflikte zwischen den beteiligten Nationen seien "Gift für Airbus".

itz/dpa/AP/AFP/Reuters

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