Urteil Harsche Kritik am Vorgesetzten ist erlaubt

Mit ihrer vernichtenden Kritik verhinderten drei Mitarbeiter eines Maschinenbaukonzerns, dass ihr Chef zum Geschäftsführer befördert wurde. Dieser sah sich um die Früchte langer Arbeit betrogen und klagte auf Schadenersatz.


Frankfurt am Main - Sein Führungsstil war einigen Untergebenen lange Zeit sauer aufgestoßen. Als der Abteilungsleiter eines Maschinenbauunternehmens schließlich zum Geschäftsführer befördert werden sollte, probten drei seiner direkt unterstellten Mitarbeiter den Aufstand. Sie machten öffentlich, was sie von der Arbeit ihres Chefs hielten. Ihre Beurteilung konnte vernichtender kaum sein: Ihr Vorgesetzter komme häufig zu spät zur Arbeit, erteile unklare und unsinnige Arbeitsanweisungen und informiere schlecht, schrieben sie an die Geschäftsleitung.

Diese nahm sich die Einwände offensichtlich zu Herzen: Noch vor Ablauf der Probezeit setzte sie den neuen Geschäftsführer vor die Tür.

Der Ex-Abteilungsleiter gab daraufhin seinen Untergebenen die Schuld für die verpatzte Karriere. Er zog vor Gericht, um Schadenersatz für den entgangenen Gewinn zu erstreiten und Schmerzensgeld für die Demütigung. Die Richter des hessischen Landesarbeitsgerichts in Frankfurt wiesen die Klage jedoch zurück. Auch scharfe und schonungslose Kritik an der Arbeit von Vorgesetzten ist grundsätzlich zulässig, heißt es in dem heute bekannt gewordenen Urteil.

Laut Urteil darf "scharf und schonungslos" geäußerte Kritik von Untergebenen nicht sofort zu Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen führen. Der Schutz des Persönlichkeitsrechts des kritisierten Arbeitnehmers überwiege das Grundrecht auf Meinungsäußerung erst dann, wenn ein "Angriff auf die Menschenwürde" vorliege. Das sei aber bei bloßer Kritik am Arbeits- und Führungsstil von Vorgesetzten noch nicht der Fall, erklärten die Richter.

mik/dpa



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