Fall SdK Ex-Aktionärsschützer wieder auf freiem Fuß

Ein Deal zwischen Justiz und Verteidigung hat den Prozess gegen zwei frühere Aktionärsschützer zu einem schnellen Ende gebracht: Die Ex-SdK-Funktionäre Markus Straub und Tobias Bosler bekommen eine Geld- und Freiheitsstrafe. Sie werden aber umgehend aus der Haft entlassen.
Ex-SdK-Vorstand Straub mit Anwältin: Auf freiem Fuß

Ex-SdK-Vorstand Straub mit Anwältin: Auf freiem Fuß

Foto: dapd

Mit groß angelegten Razzien sichern sich die Fahnder der Münchner Staatsanwaltschaft immer öfter den Beifall einiger wohlgesonnener Medien. Das war auch Ende September 2010 der Fall. Mit Hilfe von 160 Polizisten ließen die Ermittler damals 48 Wohnungen im In- und Ausland durchsuchen, unter anderem 280 Computer beschlagnahmen und mehrere Mitglieder eines mutmaßlichen Aktienbetrügerrings verhaften, darunter die zwei Ex-Funktionäre der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Tobias Bosler und Markus Straub.

Es handle sich um den "womöglich größten Fall von Aktienmanipulation in Deutschland", meldete die Süddeutsche Zeitung respektvoll. Eine andere Tageszeitung rühmte, den Bayern sei der bislang massivste "Vorstoß gegen organisierte Kursmanipulation" hierzulande gelungen.

Dass das Lob wohl etwas verfrüht war, zeigte sich schon am 23. Januar diesen Jahres, als der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Rädelsführer Bosler und Straub wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Insiderhandel vor dem Münchner Landgericht begann. Ein Teil der ursprünglichen Anschuldigungen tauchte in der 342-seitigen Anklageschrift gar nicht mehr auf oder wurde vorerst ausgeklammert. Zwei angebliche Mittäter erklärten sich schon gleich zu Beginn freiwillig für schuldig und wurden zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt.

Freiheit steht für Straub im Vordergrund

Doch das ist noch nicht alles: Nach Information des SPIEGEL kommen heute Nachmittag auch Bosler und Straub auf freien Fuß - nachdem sich ihre Anwälte mit Gericht und Staatsanwaltschaft ebenfalls auf einen Kompromiss verständigten. Demnach soll Straub eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten erhalten sowie gut 90.000 Euro bezahlen.

Etwas höher soll das Strafmaß für Bosler ausfallen, dem die Ankläger noch mehr Taten vorwerfen als seinem ehemaligen SdK-Kumpel. Da die beiden Männer bereits über 16 Monate inhaftiert sind, kommen sie unmittelbar nach der Urteilsverkündung frei, weil sie in U-Haft bereits zwei Drittel der Strafe abgesessen haben. Auch alle übrigen Vorwürfe, die womöglich noch in späteren Verfahren gegen Bosler und Straub zum selben Komplex erhoben worden wären, sind damit hinfällig.

"Durch die vereinbarte Beendigung des Verfahrens hat Herr Straub heute seine Freiheit wiedererlangt", sagt dessen Anwältin Simone Kämpfer. "Dies stand für meinen Mandanten im Vordergrund."

Besonders erstaunen dürfte Prozess-Beobachter, dass einer der wichtigsten Anklagepunkte, nämlich angebliche Zockereien rund um den Börsengang des Biotech-Unternehmens Nascacell im Jahr 2006, sogar komplett fallengelassen und nach Paragraf 154 Strafprozessordnung wegen nachrangiger Bedeutung eingestellt wurde.

So blieb bei Straub am Ende ohnehin nur noch ein einziger Vorwurf übrig. Als SdK-Sprecher soll er in Mitteilungen zwei Mal vor Aktien des Motorenbauers Thielert gewarnt, aber gleichzeitig verschwiegen haben, dass er selbst auf fallende Kurse bei der Firma gesetzt hatte. Offenbar hatte er mit seiner Einschätzung zu Thielert ohnehin richtig gelegen. Das Unternehmen musste wenig später tatsächlich Insolvenz anmelden.