Urteil Süddeutscher Verlag darf bewertet werden

Seit Monaten schon bemüht sich die Südwestdeutsche Medienholding um die Anteilsmehrheit am Süddeutschen Verlag. Nur zu gern würde sie verhindern, dass die anderen Gesellschafter den Wert des Unternehmens ermitteln. Vergeblich: Ein Gericht wies heute einen entsprechenden Antrag zurück.


München - Durch das Gutachten wollen die verkaufswilligen Anteilseigner den Wert des Verlags ermitteln, den sie bei gut einer Milliarde Euro sehen. Die SWMH geht allerdings von einer geringeren Summe aus.

Die SWMH hält das Gutachten nicht für zulässig, da es nicht für einen konkreten Kaufinteressenten erstellt werde, sondern möglicherweise einer größeren Gruppe zugänglich gemacht werde. "Es handelt sich nicht um den Normalfall einer Due Dilligence, sondern um einen außergewöhnlichen Vorgang, da der Bericht erstellt werden soll, um ihn in den Markt zu geben", sagte Anwalt Thomas Trölitzsch vor Gericht. Dadurch könnten aus seiner Sicht auch Betriebsgeheimnisse publik gemacht werden.

Nach Ansicht der Richter der 16. Kammer für Handelssachen sind die Bedenken der SWMH an der geplanten Bewertung unbegründet. Eine genaue Betriebsprüfung ("Due Dilligence"), die vertraulich behandelt werde, sei beim beabsichtigen Verkauf eines Unternehmens durchaus üblich, hieß es in der Verhandlung.

Derzeit ist der Verlag im Besitz von fünf Familien sowie der SWMH, die 18,75 Prozent hält. Die Holding, zu der unter anderem die "Stuttgarter Zeitung" sowie zahlreiche andere Beteiligungen im Medienbereich gehören, war im Jahr 2002 in einer schweren Krise beim Süddeutschen Verlag eingestiegen. Die Gesellschafter hatten sich damals verpflichtet, ihre Anteile mindestens fünf Jahre zu halten und der SWMH danach ein Vorkaufsrecht zu gewähren.

Inzwischen wollen nach Angaben des Richters Volker Hecker vier der fünf Gesellschafterfamilien ihren Anteil verkaufen. Die SWMH soll den Gesellschaftern für ihre Anteile 7,5 Millionen Euro je Prozentpunkt geboten haben. Dieser Preis ist aus Sicht der verkaufswilligen Besitzer aber nicht ausreichend. Die Familie Dürrmeier, die rund acht Prozent hält, will daher eine Betriebsprüfung in Auftrag geben, um den genauen Wert des Unternehmens zu ermitteln.

mik/dpa/Reuters



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