Urteil Wal-Mart muss früheren Mitarbeitern 80 Millionen Dollar zahlen

Sie mussten die Pausen durcharbeiten und fühlten sich von ihren Vorgesetzten massiv unter Druck gesetzt. Deshalb klagten Mitarbeiter gegen Wal-Mart auf Schadenersatz. Das Gericht gab ihnen Recht - der US-Handelsriese muss jetzt knapp 80 Millionen Dollar bezahlen.

Philadelphia - Nach dem Jury-Spruch muss der Konzern 78,5 Millionen Dollar an die Kläger bezahlen, weil er ihnen berechtigte Arbeitspausen vorenthalten, und damit gegen Gesetze des Staates Pennsylvania verstoßen hat.

Das Gericht in Philadelphia hatte den weltgrößten Einzelhändler bereits am Donnerstag schuldig gesprochen, die beiden Frauen zu der Mehrarbeit gezwungen zu haben. Die Jury setzte daraufhin das Strafmaß fest.

An der Sammelklage hatten sich rund 187.000 aktuell und ehemalig Beschäftigte beteiligt. Die führende Klägerin Doris Hummel hatte im Prozess von der schlechten Behandlung durch ihre Vorgesetzten berichtet. Während der zehn Jahre, die sie in einer Sam's-Club-Filiale in Reading gearbeitet habe, sei der Druck immer stärker geworden. Bis zu zwölf Stunden pro Woche habe sie durchschnittlich zusätzlich ohne Bezahlung gearbeitet, um die ihr gestellten aufgaben zu erfüllen, berichtete die allein erziehende Mutter.

Mit der festgesetzten Entschädigungssumme entsprach die Jury exakt dem Antrag der Kläger. Der Einwand der Anwälte des Handelskonzerns, die Mitarbeiter hätten freiwillig auf die Pausen verzichtet und dass die eine oder andere unbezahlte Arbeitsminute nicht ins Gewicht falle, ließ die Jury nicht gelten.

Entscheidung über weitere Millionen-Strafe

Kläger-Anwalt Michael Donovan zeigte sich mit dem Ergebnis hochzufrieden. "Das Urteil sollte als Signal dafür angesehen werden, dass die Unternehmen den Profit nicht über die Menschen stellen sollten", sagte er nach der Verkündung.

Die Summe wird nach einem Schlüssel auf alle Beteiligten der Massenklage verteilt. Ihnen stehen Entschädigungen zwischen 50 und mehreren tausend Dollar zu, je nachdem, wie lange sie für Wal-Mart gearbeitet haben.

Über einen weiteren Antrag von Klägeranwalt Donovan muss das Gericht in den nächsten Tagen entscheiden. Weil Wal-Mart in "böser Absicht" gehandelt habe, so lautet der Antrag sinngemäß, sei zusätzlich eine Strafzahlung in Höhe von 62 Millionen Dollar zu leisten.

Wal-Mart   steht seit langem wegen Billiglöhnen und der schlechten Behandlung seiner Mitarbeiter in der Kritik. Zweimal bereits haben Gerichte in Kalifornien und in Colorado den Konzern zu Schadenersatzzahlungen von mehr als 220 Millionen Dollar verurteilt.

Trotz der Verurteilungen hält Wal-Mart die Vorwürfe für unberechtigt. Zuletzt hatte der Handelskonzern mit Hilfe einer breit angelegten Werbekampagne versucht, sein Image in der Öffentlichkeit zu verbessern.

tim/Reuters

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