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01. April 2009, 07:21 Uhr

US-Autokrise

GM-Chef Henderson befürchtet Insolvenz

Im Überlebenskampf des US-Autokonzerns General Motors mehren sich die Anzeichen für eine Insolvenz. Ein solcher Schritt werde "wahrscheinlicher", sagte der neue GM-Chef Henderson. Einem Zeitungsbericht zufolge hält US-Präsident Obama einen GM-Konkurs für die beste Lösung.

Detroit - Offiziell hat der taumelnde Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) noch rund 60 Tage Zeit, um einen Sanierungsplan vorzulegen - US-Präsident Barack Obama räumte dem Autobauer am Montag eine entsprechende Frist ein, aber ist die Entscheidung über die Zukunft von GM möglicherweise schon längst gefallen?

GM-Chef Henderson: Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz gestiegen
AFP

GM-Chef Henderson: Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz gestiegen

Der neue GM-Chef Fritz Henderson hat eine Insolvenz des Autoherstellers in Folge der von der US-Regierung gesetzten Frist als wahrscheinlicher bezeichnet. Es sei nötig, GM neu zu erfinden. Sollte dies in der kurzen Zeit nicht gelingen, sei eine Insolvenz "wahrscheinlicher", sagte Henderson am Dienstag.

Wenn es nicht gelingen sollte, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, dann könne sogar noch vor Ablauf der 60-Tage-Frist Gläubigerschutz beantragt werden. "Das wird eine Entscheidung des Managements sein."

GM muss innerhalb kürzester Zeit große Fortschritte machen: Die Kosten drastisch reduzieren, eine Restrukturierung der Schulden des Unternehmens einleiten und wieder mehr Autos verkaufen. Der Autoriese aus Detroit wird derzeit nur noch durch Staatskredite zahlungsfähig gehalten. Auf Druck der US-Regierung war am Sonntag der bisherige GM-Chef Rick Wagoner zurückgetreten.

Hochrangige US-Kreise haben inzwischen Berichte über eine angebliche Präferenz der Regierung für einen GM-Konkurs zurückgewiesen. "Dieser Bericht ist nicht präzise", sagte ein Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Obama habe seine Meinung nicht geändert und wolle GM wie angekündigt die vollen 60 Tage Zeit lassen, um eine Lösung zu finden, sagten auch andere Vertreter.

Die Agentur Bloomberg hatte zuvor unter Berufung auf Kreise, die mit der Angelegenheit vertraut seien, berichtet, Obama halte einen Konkurs für die beste Lösung, um den Konzern wettbewerbsfähig zu machen. Ein "schneller und chirurgischer Bankrott" erscheine derzeit unausweichlich. Obama sei auch bereit, Chrysler pleitegehen zu lassen, wenn der drittgrößte Autoproduzent des Landes keine Allianz mit dem italienischen Fiat-Konzern zustande bekomme, hieß es in den Kreisen weiter.

Zuversichtlich äußerte sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch über die Zukunft der ebenfalls angeschlagenen GM-Konzerntochter Opel. Er könne zwar nicht über die laufenden Verhandlungen reden, sagte der CDU-Politiker der "Passauer Neuen Presse". "Aber es gibt eine ganze Reihe von seriösen Interessenten." Seiner Einschätzung nach beobachteten diese jetzt sehr genau, was in den USA geschehe.

Er sehe es als "wichtiges Signal" der US-Regierung, dass GM "auch in Zukunft weitergeführt und zu einem leistungsfähigen Autokonzern ohne Altlasten gemacht werden soll". Für Opel in Europa sei das eine sehr gute Nachricht. GM und Opel seien aufeinander angewiesen, sagte Koch. "Wir müssen jetzt die Brücken für die Rettung bauen."

Dagegen sagte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD), er gehe davon aus, dass Opel um Werksschließungen nicht herumkommen wird. Um überleben zu können, müsse der Autobauer 1,2 Milliarden Euro pro Jahr einsparen und 20 bis 30 Prozent seiner Kapazitäten zurückfahren, sagte Hering laut "Pfälzischem Merkur". Auch die Mitarbeiter müssten ihren Teil zur Rettung des Unternehmens beitragen und auf zehn bis 20 Prozent ihres Einkommens verzichten. Eine vorübergehende staatliche Beteiligung zur Rettung von Opel hält Hering nach wie vor für sinnvoll.

hen/kaz/AP/Reuters/AFP

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