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18. Dezember 2008, 23:54 Uhr

US-Börsenaufsicht

Finanzexpertin Schapiro soll SEC rehabilitieren

Barack Obama ernennt die Finanzexpertin Mary Schapiro zur künftigen Chefin der US-Börsenaufsicht. Der amtierende SEC-Chef ist kaum zu halten - er gab zu, beim mutmaßlichen Milliardenbetrug von Bernard Madoff seine Aufsichtspflicht vernachlässigt zu haben. Auch eine weitere Personalie wurde bekannt.

Washington - Wachwechsel bei der US-Börsenaufsicht: Der künftige US-Präsident Barack Obama hat die Finanzexpertin Mary Schapiro zur Chefin der Securities and Exchange Commission (SEC) nominiert. Obama nannte Schapiro am Donnerstag vor Journalisten in Chicago "schlau und durchsetzungsfähig".

FINRA-Chefin Schapiro: Wachwechsel zur SEC möglich
AP

FINRA-Chefin Schapiro: Wachwechsel zur SEC möglich

Sie werde für eine Reform der Börsenaufsicht sorgen, die derzeit von der Betrugsaffäre um den Ex-Börsenchef Bernard Madoff erschüttert wird. Die 53-Jährige ist die erste Frau an der Spitze der SEC. Sie folgt auf diesem Posten dem Republikaner Chris Cox, der für eine Deregulierung der Märkte stand und durch die Auswüchse der Finanzkrise in die Kritik geriet.

Schapiro selbst sagte, es gebe "eine Menge Arbeit" zu erledigen, um die Moral und die Führung innerhalb der SEC wiederherzustellen. Dies könne über eine "durchdachte Reformen" der Regulierungsstrukturen geschehen.

Schapiro arbeitete schon einmal für die SEC. Sechs Jahre war sie bei der Kommissarin bei der Börsenaufsicht. Benannt für diesen Job hatte sie 1988 der republikanische Präsident Ronald Reagan. Sein Nachfolger, Präsident George Bush, erneuerte die Benennung 1989. Der amtierende Präsident George W. Bush holte sie zudem in den Advisory Council on Financial Literacy, einen 19-köpfigen Rat, der das Wirtschaftsverständnis der Amerikaner fördern soll (siehe auch: Schapiros Biografie bei der FINRA).

Mit dem Abgang des derzeitigen SEC-Vorsitzenden Christopher Cox wird seit längerem gerechnet. Erst am Mittwoch räumte er schwere Fehler im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Milliardenbetrug des Wall-Street-Managers Bernard Madoff ein. Cox gab zu, Hinweisen auf dessen Schneeballsystem nicht nachgegangen zu sein. Madoff wird vorgeworfen, Anleger um bis zu 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben (siehe Bildergalerie).

Es ist nun Schapiros Job, die US-Börsenaufsicht zu rehabilitieren. Die SEC steht seit dem Ausbruch der Finanzkrise immer wieder in der Kritik. Experten werfen ihr Versagen bei der Kontrolle der Märkte vor und geben ihr eine Mitschuld an der aktuellen Misere. Die Aufseher erwiesen sich bei vielen zentralen Umwälzungen als nahezu ahnungslos.

Im März, wenige Tage vor dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns, sagte Cox beispielsweise, die SEC sei mit der Kapitaldecke der Investmentbanken sehr zufrieden. Bear Stearns wurde kurz darauf in einer Notaktion mit einer staatlichen Kreditgarantie von 29 Milliarden Dollar an den Konkurrenten JP Morgan Chase verkauft.

Obama benennt Arbeitsministerin

Kurz nach der Bekanntgabe der Personalie Schapiro sickerte der Name eines weiteren Kabinettsmitglieds durch - damit stünde nun auch der letzte noch offene Posten für die neue US-Regierung fest. Barack Obama will die kalifornische Abgeordnete Hilda Solis für das Amt der Arbeitsministerin nominieren, verlautete am Donnerstag aus Kreisen des Ministeriums. Die demokratische Abgeordnete wurde gerade zum fünften Mal wiedergewählt, sie vertritt einen Wahlkreis in Los Angeles mit zahlreichen Bewohnern lateinamerikanischer Herkunft.

Solis ist Tochter von Einwanderern aus Mexiko und Nicaragua und die einzige Kongressabgeordnete mit mittelamerikanischen Wurzeln. Die 51-Jährige hat sich im Abgeordnetenhaus vor allem mit Einwanderungs- und Umweltfragen befasst. Eine offizielle Ankündigung Obamas wird für die kommenden Tage erwartet.

ssu/AFP/AP/dpa/Reuters

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