US-Börsenaufsicht Unsauberer Handel mit 2,2 Milliarden Aktien

Die US-Wertpapieraufsicht SEC hat die New Yorker Börse in einem Bericht scharf kritisiert. Wegen fehlender Kontrollen der Parketthändler sei Anlegern in den vergangenen drei Jahren ein Millionenschaden entstanden.


Parketthänder an der New Yorker Börse: Kontrolleure werden nicht ernst genommen
AP

Parketthänder an der New Yorker Börse: Kontrolleure werden nicht ernst genommen

New York - Der 40-seitige SEC-Bericht, der dem "Wall Street Journal" zugespielt wurde, trifft mitten ins Herz der New York Stock Exchange (NYSE), der größten Börse der Welt. Der Parketthandel, also die Abwicklung von Aktienkäufen und -verkäufen per Zuruf, sei von Missbrauch durchzogen, so das Fazit der Börsenaufseher. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen die fünf größten Firmen, die Parketthändler - auch Spezialisten genannt - unter Vertrag haben. Bei rund 2,2 Milliarden Aktien haben die Handelsfirmen ihre Kunden demnach zu schlechteren Preisen bedient als sich selbst, was zu einem Gesamtschaden von 155 Millionen Dollar führte.

Das Volumen der beanstandeten Verkäufe ist nicht gravierend, es umfasst weniger als ein Prozent der in den drei Jahren gehandelten Aktien. Der Bericht ist dennoch ein schwerer Schlag gegen die 211 Jahr alte Börse, die ihr System von Selbstkontrolle und Vertrauen bisher mit großem Stolz präsentierte. Nach Ansicht der SEC sind die Mitarbeiter der NYSE für ihre Kontrollaufgaben entweder schlecht ausgerüstet oder sie haben Angst vor zu viel Arbeit. Die Zeitung zitiert aus dem Bericht, die SEC sei "beunruhigt darüber, dass die Spezialisten und ihre Firmen die disziplinarischen Maßnahmen der NYSE als kleinere Betriebskosten gesehen haben, und unsachgemäßes Verhalten deshalb nicht verhindert oder eingeschränkt wurde."

Die SEC-Bericht könnte nach Angaben des "Wall Street Journal" auch die Frage aufwerfen, ob die Kontrollorgane der Börse finanziell unterversorgt waren, um die riesigen Bezüge der NYSE-Vorstände auszugleichen. Börsenchef Richard Grasso hatte kürzlich seinen Posten verloren, weil er sich für seinen Ruhestand Gesamtbezüge von rund 188 Millionen Dollar zugestanden hatte.



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