US-Finanzkrise Lehman-Kollaps reißt Dax in die Tiefe

Die Finanzkrise trifft die deutschen Märkte mit Wucht: Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers verunsichert die Anleger - der Dax schloss auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2006.


Frankfurt am Main - Es herrschte Ausverkaufsstimmung an den Börsen: Der Deutsche Aktienindex Dax Chart zeigen verlor am Montag teilweise fast fünf Prozent und rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkte. Beim Stand von 5942 Punkten markierte er den schwächsten Stand seit zwei Jahren. Bis Handelsende erholte er sich allerdings und schloss mit minus 2,74 Prozent bei 6064 Punkten.

Wertpapierhändler in Frankfurt: Finanztitel rauschen ab
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Wertpapierhändler in Frankfurt: Finanztitel rauschen ab

Die Finanzwerte im Dax traf es besonders hart: Commerzbank-Papiere brachen vorübergehend fast zwölf Prozent ein, Deutsche Bank verloren bis zu 8,5 Prozent und Bank- und Allianz 7,9 Prozent. Die "Jahrhundertkrise", wie der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan sie nannte, ist noch lange nicht vorbei. Das beunruhigt weltweit die Aktienmärkte und schürt die Angst vor einer globalen Rezession.

Deutsche Firmen dürften die Finanzmarktkrise nach Einschätzung von Experten vor allem beim Export-Geschäft spüren. "Wir haben uns nicht ganz abkoppeln können von der US-Konjunktur. Das wirkt über Exporte und über Stimmungseffekte", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. "Ich glaube, wir werden die Auswirkungen der US-Konjunktur merken." Auch Jürgen Michels von der Citigroup sieht die jüngsten Turbulenzen um die US-Investmentbanken Lehman Brothers und Merrill Lynch sowie den einst weltgrößten Versicherer AIG als Zeichen, "dass uns die Finanzkrise noch lange beschäftigen wird".

Epizentrum Wall Street

Epizentrum des Bebens war am Montag einmal mehr die New Yorker Wall Street, wo gleich zwei Traditionshäuser vor dem Aus stehen. Die US-Investmentbank Lehman Brothers, die von einer Schuldenlast von insgesamt 630 Milliarden Dollar erdrückt wird, meldete am Montag Konkurs an. Konkurrent Merrill Lynch wird für 50 Milliarden Dollar von der Bank of America übernommen.

Trotz der spektakulären Umbrüche auf dem US-Finanzmarkt hat die Wall Street am Montag zu Handelsbeginn vergleichsweise geringe Verluste verbucht. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Chart zeigen fiel um 2,2 Prozent auf 11.169 Punkte. Hart traf es jedoch die Finanztitel: Lehman-Papiere rauschten außerbörslich um mehr als 90 Prozent in den Keller und kosteten nur noch 20 Cent. Die Titel selbst wurden an der New Yorker Börse zunächst nicht gehandelt. AIG-Aktien verloren 45 Prozent.

Privatbanken und Zentralbanken bemühen sich nun fieberhaft, der aufkommenden Panikstimmung an Finanzmärkten und Börsen entgegenzutreten. Notenbanken wie die Europäische Zentralbank EZB und die britische Notenbank Bank of England stellten am Montag weitere Liquidität zur Stabilisierung zur Verfügung - allein 30 Milliarden Euro pumpte die EZB in den Markt.

Zudem legten einige der weltweit wichtigsten Bankkonzerne, darunter die Deutsche Bank, einen 70 Milliarden Dollar schweren Unterstützungsfonds auf. Die US-Regierung hatte es am Wochenende abgelehnt, Lehman Brothers Staatshilfen zu gewähren oder einem möglichen Käufer Garantien zu stellen. Zuletzt wurden die US-Großbank Bank of America und zuvor die britische Barclays Bank als mögliche Retter der Investmentbank gehandelt.

Maßgeblich zur ablehnenden Haltung der amerikanischen Regierung dürfte die Rettungsaktion der beiden größten US-Hypothekenbanken vor gerade einmal einer Woche beigetragen haben.

So wurden die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die zusammen für rund die Hälfte aller amerikanischen Hypothekenkredite einstehen, vor einigen Tagen unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Nach Berechnungen der Commerzbank hat sich die implizite Staatsschuld der USA durch die Rettung mehr als verdoppelt: Der amerikanische Staat stehe nun für etwa fünf Billionen Dollar an Verbindlichkeiten und Garantien von Fannie Mae und Freddie Mac ein. Die explizite Staatsschuld der USA beträgt aktuell rund 4,8 Billionen Dollar.

Dennoch bekräftigte US-Präsident George Bush, dass er die Folgen der Finanzkrise so gering wie möglich halten wolle: Die Regierung arbeite daran, die Folgen des Kollapses bei Lehman Brothers und die damit verbundenen Folgen für die gesamte Wirtschaft und minimieren, sagte US-Präsident George W. Bush am Montag.

cvk/Reuters/dpa/dpa-AFX/AP/AFP

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