US-Finanzmarkt Investmentbetrüger prellt Hollywood-Stars um Millionen

Der US-Investmentberater Kenneth Starr soll 30 Millionen Dollar von seinen Klienten unterschlagen haben - darunter Stars wie Uma Thurman und Al Pacino. Seine Methoden ähneln denen des Megabetrügers Bernard Madoff. Die New Yorker Gesellschaft ist in heller Aufregung.

AP

Von , New York


Als das FBI das Penthouse stürmt, ist vom Besitzer keine Spur zu sehen. Die Agenten beginnen, die gesamte 7,6-Millionen-Dollar-Luxuswohnung auf Manhattans Upper East Side zu durchsuchen: die sechs Badezimmer, die Marmorküche, den Dachgarten, den Pool.

Schließlich werden sie fündig, in einem der fünf Schlafzimmer. Der Mann, den sie suchen, ist in den Kleiderschrank gekrochen und versteckt sich hinter den Anzügen, unter einem Stapel Kleidungsstücke. Nur die Schuhe verraten ihn. Ein Beamter reißt ihn am Hemdkragen hoch.

Die Umstände von Kenneth Starrs Verhaftung vergangene Woche glichen einer Kinoklamotte. Auch die Vorwürfe gegen den namhaften New Yorker Investmentberater, dessen Firma mehr als 700 Millionen Dollar verwaltete, wirken wie eine Art Abklatsch des Skandals um den Milliardenbetrüger Bernard Madoff. Nicht zuletzt wegen seines Vorbilds wird Starr in den US-Medien nun als "Mini-Madoff" bezeichnet.

Wie Madoff soll auch Starr, 66, seine Klienten mit einem Schneeballsystem betrogen haben: Er habe neue Investitionen genutzt, um Schulden an alte Klienten abzugelten. Andere Gelder habe er abgezweigt, um seinen opulenten Lebensstil zu finanzieren. Die Staatsanwaltschaft sprach von "extravaganten persönlichen Ausgaben". Die Justiz hat ihn inzwischen wegen Betrugs angeklagt. Nach einem ersten Kurzauftritt vor Gericht und einem langen Feiertagswochenende hinter Gittern soll Starr an diesem Dienstag nun ein zweites Mal dem Richter vorgeführt werden.

Mitangeklagt ist Starrs Geschäftspartner Andrew Stein, 65, ein früherer Landessenator und Präsident des New Yorker Stadtrats. Er wurde des Meineids beschuldigt und gegen eine Kaution von 250.000 Dollar vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Sowohl Starr wie auch Stein erklärten über ihre Anwälte ihre Unschuld.

Er spielte seine Bekanntschaften geschickt gegeneinander aus

Die Schadenssumme, um die es im aktuellen Fall geht, ist im Vergleich zum Madoff-Skandal zwar verhältnismäßig gering: Starr soll von Januar 2008 bis April 2010 rund 30 Millionen Dollar unterschlagen haben, bei Madoff ging es damals um fast 65 Milliarden Dollar über Jahrzehnte hinweg. Doch wie bei Madoff befinden sich unter seinen Opfern bekannte Stars, die er geschickt betrogen haben soll. Er spielte seine Bekanntschaften in der Promi-Szene gegeneinander aus und schuf sich so ein Netz aus hochkarätigen Investoren, die ihm oft ihr ganzes Vermögen anvertrauten - und nun mit leeren Händen dastehen.

Al Pacino, Martin Scorsese, Sylvester Stallone, Uma Thurman, Henry Kissinger, Caroline Kennedy, Wesley Snipes, Goldie Hawn, Warren Beatty, Annie Leibovitz: Sie alle befanden sich mal in Starrs Kundenkartei. Da die Anklage keine Namen nennt, geht nun das Rätselraten los: Wen hat Starr geschröpft?

Die geschädigte "Klientin Nr. 2" der Anklage - eine Schauspielerin, die auch persönlich mit Starr befreundet gewesen sein soll - wurde in den Lokalmedien inzwischen als Uma Thurman ("Kill Bill") identifiziert. Sie habe Starr mit ihren Steuern und ihrer Buchhaltung betraut und soll demnach Ende April gemerkt haben, dass auf ihrem Konto eine Million Dollar gefehlt hätten.

Die 99-jährige Millionenerbin Rachel ("Bunny") Mellon, Witwe des Philanthropen Paul Mellon, ließ bestätigen, dass auch sie zu den Opfern gehört. Laut Anklage soll Starr sie um 7,5 Millionen Dollar betrogen haben, die er zur Finanzierung seiner Penthouse-Wohnung benutzt haben soll. "Sie kannte ihn seit vielen, vielen Jahren und vertraute ihm vollkommen", erklärte Mellons Anwalt. "Sie war schockiert."

Starrs Methoden lehnten sich eng an die Madoff-Masche an

Zu den Verlierern zählt bisherigen Erkenntnissen zufolge auch Al Pacino. Andere Promi-Investoren seien schon früher misstrauisch geworden und hätten ihre Investitionen abgezogen, darunter Scorsese und der berühmte Broadway-Autor Neil Simon.

Vielleicht auch deshalb, weil das Duo Starr und Stein den US-Gerichten bereits bekannt ist. Denn die inzwischen verstorbene Schauspielerin Joan Stanton hatte Starr 2008 wegen Veruntreuung von mehreren Millionen Dollar verklagt. Sylvester Stallone ("Rocky") war 2002 gegen Stein vorgegangen. Damals ging es um Stallones Investment in die Restaurant- und Casinokette "Planet Hollywood", das ihn damals Millionen kostete.

Als Starrs Machenschaften vergangene Woche ans Licht kamen, stürzten sich die Lokalpresse und die Klatschblogs sofort auf sein Privatleben. Seine Ex-Frau Marisa Starr, die an Multipler Sklerose leidet und im Rollstuhl sitzt, sagte der "New York Post", ihr damaliger Mann habe sie 2007 trotz ihrer Krankheit verlassen: "Er sagte mir, er sei zu alt, um zu warten, bis es mir besser geht."

Starrs derzeitige Gattin Diane Passage ist 30 Jahre jünger. Sie war früher mal Stripperin und veranstaltete für ihren Ehemann dekadente Partys. Bei einer führte sie ihre erotischen Tanzkünste in einem knappen Kostüm vor.

Als das FBI kam, um Starr abzuholen, öffnete Passage die Tür. Ihr Mann sei nicht zu Hause, log sie, bevor die Beamten ihn im Kleiderschrank entdeckten. Vor dem Haftrichter stritt er kurz darauf jegliche strafrechtliche Schuld ab: "Ich war immer ein extrem gesetzestreuer Bürger."



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-1229184223222 01.06.2010
1. hm
Muss mich meinem Vorredner leider anschließen. Das wird mal wieder eine Steilvorlage für Antisimiten und solche die es noch werden wollen.
heathcliff 01.06.2010
2. Schneeballsystem oder auch Kettenbrief
Das passiert eben, wenn man versucht, das in kleinem Rahmen einfach so durchzuziehen. Ganz anders anders natürlich, wenn man Finanzprodukte und immer mehr Derivate davon kreiert und diese als Bank unter die normalen Leute bringt. Dann ist man systemisch und wird vom Steuerzahler entlohnt, alternativlos - versteht sich!
Ursprung 01.06.2010
3. Nichts Diskutables
Entweder war da ein Anlage-Betrueger mehr oder auch nicht. Dem Artikel fehlen jegliche Hintergrundinformationen, nichts Diskutables ist angeruehrt worden. Warum eine, mit Verlaub, unter diesen Umstaenden so "daemliche" Diskussionsfrage?
fairway4005 01.06.2010
4. old news
Diese Geschichte ist (wiedermal) von letzter Woche. Warum wird sie als neu verkauft?
Haio Forler 01.06.2010
5. .
Zitat von spon-1229184223222Muss mich meinem Vorredner leider anschließen. Das wird mal wieder eine Steilvorlage für Antisimiten und solche die es noch werden wollen.
Die Zahl derer, die noch keine Antiemiten sind und es ihrer Meinung nach werden könnten, und gleichzeitig wissen daß auch Semiten darunter sind, dürfte derart verschwindend klein sein, daß Ihre neutorischen Ängste unbegründet erscheinen. Immerhin heißt Silvester Stallone ja nicht Shmul Goldzahn, sonst könnte ich ihre abendfüllende Besorgnis ja noch verstehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.