US-Finanzminister Geithner umschmeichelt China

Der US-Finanzminister ist auf Werbetour: Timothy Geithner hat seinen ersten China-Besuch genutzt, um die Volksrepublik vom amerikanischen Krisenmanagement zu überzeugen. China sorgt sich um die Stärke des Dollar - obwohl die Amerikaner Optimismus verbreiten.


Peking - Es ist sein erster Besuch als Finanzminister - und er nutzt ihn, um gute Stimmung zu verbreiten: Die Konjunkturprogramme Chinas und der USA zeigten erste Erfolge, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag bei einem Gespräch mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Beide Länder hätten gezeigt, dass sie auf der internationalen Bühne zusammenarbeiten könnten.

US-Finanzminister Geithner: Dollaranlagen sind sicher
REUTERS

US-Finanzminister Geithner: Dollaranlagen sind sicher

Die schmeichelnden Worte haben einen Grund: Geithners erster Besuch als Finanzminister steht im Zeichen wachsender Kritik Chinas an der Wirtschaftspolitik der USA. Als größter Gläubiger fürchtet die Pekinger Führung wegen der jüngsten Krisenpolitik Washingtons eine Abwertung des Dollar und ihrer Anleihen.

Mit Milliardenhilfen und einer extrem lockeren Geldpolitik wollen die USA die heimische Wirtschaft aus der schwersten Rezession seit 80 Jahren holen. Die massive Verschuldung wird jedoch in China mit Argwohn betrachtet, das US-Staatsanleihen im Umfang von 768 Milliarden Dollar (Stand März) hält. Die kommunistische Führung sieht sich zudem zu Hause wegen der Auslandsinvestitionen unter wachsender Kritik.

Bereits am Montag hatte Geithner den Chinesen zugesichert, dass die Dollar-Anlagen des Landes sicher seien. Am Dienstag sagte er weiter, die USA seien fest entschlossen, wenn der Aufschwung Fuß gefasst habe, wieder innerhalb ihrer Verhältnisse zu leben. Das Haushaltsdefizit werde auf ein erträgliches Niveau zurückgeschraubt, und die Ausnahmemaßnahmen in der Finanzbranche würden auslaufen oder zurückgenommen.

Geithner verteidigte in Peking die Wirtschaftspolitik der USA als die finanzpolitisch konservativere Lösung: Wenn die US-Regierung nicht so entschlossen gehandelt hätte, würden die Defizite in der Zukunft noch höher steigen, so Geithner.

Erst am Montag hatten positive Konjunkturdaten aus den USA und China die Wall Street beflügelt. Vor allem die bessere Stimmung unter den US-Einkaufsmanagern und das erneute Wachstum des verarbeitenden Gewerbes in China schürten bei den Anlegern Hoffnungen, dass der Tiefpunkt der Rezession bereits überwunden sein könnte.

sam/Reuters



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