US-Geldmarkt Notenbankchef hält an Nullzinspolitik fest

Die US-Notenbank Fed führt ihre großzügige Geldpolitik fort - der Leitzins bleibt vorerst niedrig. Doch Notenbankchef Bernanke arbeitet bereits an den Plänen für einen Ausstieg.


Washington - Die US-Notenbank hält an ihrer Nullzinspolitik fest - trotz des absehbaren Endes der Rezession. "Der Offenmarktausschuss der Fed ist der Meinung, dass die ultralockere Geldpolitik noch für eine längere Zeit angemessen sein wird", sagte Notenbankchef Ben Bernanke am Dienstag vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des US-Kongresses.

US-Notenbankchef Ben Bernanke: Expansive Geldpolitik "rechtzeitig und reibungslos" zurückfahren
AFP

US-Notenbankchef Ben Bernanke: Expansive Geldpolitik "rechtzeitig und reibungslos" zurückfahren

Die Fed sei aber für einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik gerüstet, wenn die Zeit dafür gekommen sei. Sie werde sicherstellen, dass die expansive Geldpolitik "rechtzeitig und reibungslos" zurückgefahren werde, versicherte der Notenbankchef.

Die Banken können sich seit Monaten fast zum Nulltarif bei der Notenbank Federal Reserve mit Geld eindecken. Die Fed will mit der Politik des billigen Geldes die Konjunktur ankurbeln. Allerdings steigt damit auch die Inflationsgefahr, zumal die Notenbank mehr als eine Billion Dollar in den Geldkreislauf gepumpt hat - unter anderem durch den Kauf von Staatsanleihen.

Bernanke hatte bereits zuvor in einem Gastbeitrag für das "Wall Street Journal" Wege aufgezeigt, wie die Notenbank die in der Krise üppig gewährte Liquidität im Aufschwung wieder aus dem Markt abschöpfen kann. Er brachte dabei das Instrument des Einlagezinses ins Spiel, zu dem die Geschäftsbanken Gelder kurzfristig bei der Notenbank parken. Lukrativere Einlagezinsen könnten die Geldhäuser veranlassen, ihre Kreditvergabe einzuschränken. Statt kurzfristig könnten die Geschäftsbanken die Einlagen auch länger - über ein sogenanntes "term deposit" - bei der Notenbank deponieren. Damit wäre ein Teil der überschüssigen Liquidität dem Kreditgeschäft entzogen, so Bernankes Kalkül.

Für die kommenden Monate sieht der Notenbankchef noch einige Schwierigkeiten auf die US-Wirtschaft zukommen: So werde die Arbeitslosigkeit zwar Ende des Jahres wohl ihren Scheitelpunkt erreichen, doch bis in das Jahr 2011 hinein hoch bleiben, sagte er. Zugleich könne die Furcht vor dem Jobverlust das Verbrauchervertrauen negativ beeinflussen. Es bestehe die Gefahr, dass die wirtschaftliche Erholung dadurch Schaden nehmen werde, warnte Bernanke.

An der Wall Street kamen Bernankes Aussagen nicht gut an: Der Dow-Jones-Index fiel im Handelsverlauf zeitweise auf 8811 Punkte.

Bernankes Prognose zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr insgesamt um ein bis 1,5 Prozent schrumpfen. Erst im kommenden Jahr soll die US-Wirtschaft dann wieder kräftig wachsen - zwischen 2,1 und 3,3 Prozent.

yes/Reuters/dpa-AFX



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