US-Geldpolitik Deutsche Aktien schießen nach Zinssenkung ins Plus

Die Erleichterung über die überraschende Zinssenkung der US-Notenbank ist an den Börsen deutlich zu spüren. Die deutsche Börse reagierte umgehend, der Dax vollzog einen steilen Aufschwung in die Pluszone.


Frankfurt am Main/New York/Tokio/Phoenix - Der deutsche Leitindex lag gegen 15 Uhr mit fast 2,7 Prozent im Plus bei 7464 Punkten, nachdem er zuvor unentschlossen um seinen Vortagesstand gependelt war - ein Sprung um mehr als 200 Punkte.

Börsenhändler: Erleichterung spürbar
DDP

Börsenhändler: Erleichterung spürbar

Auch der MDax gewann fast 200 Punkte hinzu und stand gut 2 Prozent im Plus. Der TecDax konnte immerhin seine Verluste einigermaßen ausgleichen, blieb aber noch leicht unter dem Niveau des Vortages.

Händler verwiesen auf die überraschende Senkung des Diskontsatzes durch die US-Notenbank um 0,5 Prozentpunkte, die regelrecht als Stimulus gewirkt habe. "Das ist die richtige Unterstützung für den Markt. Die Notenbanken signalisieren damit, dass sie zur Unterstützung zur Verfügung zu stehen", sagte ein Fondsmanager. Der Euro stieg um einen Viertel US-Cent auf 1,35 Dollar.

Für Entspannung sorgte auch eine Analyse der Aktie von Countrywide Financial, die die Bank of Amerika herausgegeben hatte. Die Titel der Hypothekenfirma wiesen ein ausgeglichenes Chance/Risiko-Verhältnis auf, erklärte der ein BoA-Analyst. Am Vortag hatten die Anleger nervös auf die Nachricht reagiert, dass Countrywide Financial von einer 40 Banken umfassenden Gruppe wegen der Hypotheken-Krise eine Kreditlinie mit einem Volumen von 11,5 Milliarden Dollar in Anspruch nehmen will.

Am Vormittag hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück die Finanzmärkte zu beruhigen versucht. Es gebe keinen Grund zur Nervosität, erklärte er am Rande der Feiern zum 50-jährigen Jubiläum der Bundesbank. Schließlich seien die wirtschaftlichen Aussichten für 2008 nach wie vor gut. "Die notwendigen Kontakte auf allen Ebenen gibt es, sie waren bisher sehr fruchtbar", sagte er. Ziel sei es, die Situation in den Griff zu bekommen. Ein Sondertreffen der G-7-Finanzminister werde es aber nicht geben.

Die Bundesbank hatte in der vergangenen Woche und zu Anfang dieser Woche insgesamt dreimal mit milliardenschweren Geldspritzen, so genannten Schnelltendern, für Stabilität auf dem Geldmarkt gesorgt.

Die gemischten Vorgaben von den Börsenplätzen in den USA und in Asien hatten zum Handelsstart in Europa noch für Verunsicherung gesorgt. Alle wichtigen Indizes pendelten unentschlossen um die Vortagesschlusslinie.

Am deutschen Aktienmarkt verzeichneten die großen Indizes zunächst weiter leichte Kursverluste. So gab der Dax Chart zeigen bis zum Mittag 0,5 Prozent auf 7234 Zähler ab. Der TecDax Chart zeigen verlor 3,3 Prozent auf 805 Zähler. Für den MDax Chart zeigen ging es um 1,9 Prozent auf 9327 Punkte nach unten. Händler begründeten die Kursrückgänge bei den mittelgroßen Werten mit dem anhaltenden Verkaufsdruck von Hedge Fonds, die liquide Mittel benötigten.

Subprime

Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003 in den USA, nachdem der damalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Derzeit sind weltweit noch Ramschhypotheken im Wert von 1,8 Billionen Dollar im Umlauf.

Gestern Abend hatte die Aufholjagd des Dow Jones für ein Aufatmen gesorgt: Als der Handel an der Wall Street gestern Abend lediglich 0,12 Prozent im Minus schloss, hofften einige Experten schon, dass das Schlimmste überstanden sei. Der breiter gefasste S&P-500-Index war sogar um 0,32 Prozent auf 1411 Zähler gestiegen. Auch der Technologie-Index Nasdaq Composite Chart zeigen verlor mit 0,32 Prozent nur wenig. Analysten werteten die Erholung des Index kurz vor Handelsschluss als Zeichen dafür, dass sich der Börsenmarkt nach notwendigen Korrekturen angesichts der US-Immobilienkrise wieder stabilisiert.

Die Hoffnungen allerdings wurden wenige Stunden später wieder getrübt. Denn an den asiatischen Börsen setzte sich die Talfahrt mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Von Hoffnungsschimmern war hier nichts zu sehen. Der japanische Leitindex Nikkei Chart zeigen verlor satte 5,42 Prozent auf 15.273 Punkte - der niedrigste Schlussstand seit dem 7. August 2006 und der größte Tagesverlust seit dem 12. September 2001. Auch der breiter gefasste Topix-Index gab bis Handelsende deutlich nach. Er schloss 5,55 Prozent schwächer bei 1480 Punkten - der niedrigste Stand seit Juli 2006. Der Yen stieg, Preise für Industrie-Metall fielen und die Kurse der Staatsanleihen zogen an. Auf die Frage nach den Ursachen fiel den Analysten nur eine Antwort ein: die Hypothekenkrise in den USA.

mik/kaz/Reuters/AP/dpa/AFP



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