US-Industrieproduktion Längster Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg

Die neuesten Daten aus den USA bestätigen, dass sich die amerikanische Wirtschaft in einer Rezession befindet. Die Auslastung der Industrie ist so niedrig wie seit 1983 nicht mehr.


Produktion bei Ford: Die Industrie-Maschine stottert.

Produktion bei Ford: Die Industrie-Maschine stottert.

Washington - Die Industrieproduktion ist in den USA im September zum zwölften Mal in Folge gefallen. Der Ausstoß von Fabriken, Bergwerken und Versorgungsunternehmen ging um ein Prozent zurück, teilte die US-Notenbank Fed am Dienstag in Washington mit. Seit Winter 1944, als die Waffenproduktion am Ende des 2. Weltkriegs nachließ, ist die amerikanische Industrieproduktion nicht mehr über einen solch langen Zeitraum zurückgegangen.

Ökonomen werteten dies als weiteres Anzeichen dafür, dass die amerikanische Wirtschaft endgültig in die Rezession abgerutscht ist. Die mehrtägige Schließung des Flugverkehrs nach den Terroranschlägen am 11. September sowie ein Einbruch der Verbraucherausgaben habe die Konjunktur, die nach einer langen Wachstumsschwäche Anzeichen der Erholung zeigte, schwer belastet.

Im Einzelhandel größter Rückgang seit zehn Jahren

"Vor den Anschlägen sah es so aus, als seien die Lagerbestände genügend abgebaut worden, doch die Umsätze sind weiter zurückgegangen, und das wird zu einer weiteren Stornierung von Aufträgen und Produktionseinbußen führen", so Volkswirt Mark Vitner von der First Union Corporation.

Die US-Industrie meldete für den Monat September eine Auslastung von 75,5 Prozent, nach 76,4 Prozent im August. Das ist die niedrigste Rate seit 1983. Besonders Auto-, Computer- und Chiphersteller waren betroffen. Die Einzelhandelsumsätze waren im September um 2,4 Prozent gesunken. Das ist der größte Rückgang seit mehr als zehn Jahren.

Die Wirtschaftsberater der Regierung erwarten für das dritte Quartal erstmals seit der Rezession Anfang der 90er Jahre ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts. Deshalb hat die Regierung ein Paket mit Steuersenkungen und Staatsausgaben angekündigt, das insgesamt rund 130 Milliarden Dollar umfassen soll. Als weitere Konjunkturspritze erwarten Ökonomen eine neue Zinssenkung der Notenbank im November. Es wäre die zehnte in diesem Jahr. Die Leitzinsen liegen zurzeit bei 2,5 Prozent.



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