US-Investor Wyser-Pratte "Wir wollen bei TUI aufräumen"

Mit einem Paukenschlag ist Guy Wyser-Pratte beim Reisekonzern TUI eingestiegen. Seine Forderung: Vorstandschef Frenzel muss weg. Im Interview verrät der US-Investor, was er sonst noch vorhat.

Von Andreas Nölting


manager-magazin.de: Herr Wyser-Pratte, Sie haben sich mit rund einem Prozent am Aktienkapital der TUI Chart zeigen beteiligt. Damit werden Sie dem Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel sicherlich keine große Angst einflößen.

US-Investor Wyser-Pratte: "Es gibt keine rationale Begründung für ein Konglomerat wie TUI"
DPA

US-Investor Wyser-Pratte: "Es gibt keine rationale Begründung für ein Konglomerat wie TUI"

Wyser-Pratte: Glauben Sie das wirklich? Die Zeitungen und die Börse in Deutschland sehen das anders. Schauen Sie, was wir mit Minderheitsbeteiligungen bei anderen Konzernen erreicht haben. Nicht die Höhe der Beteiligungen allein ist entscheidend. Wichtig sind die unternehmerischen Ideen, die ein Investor mitbringt.

manager-magazin.de: Was haben Sie denn bei TUI vor?

Wyser-Pratte: Ich bezweifele, dass es heutzutage noch eine rationale ökonomische Begründung für ein Konglomerat wie TUI gibt. Wir werden uns jetzt daranmachen, diese Ineffizienzen transparent zu machen. Warum gibt es im TUI-Konzern noch immer zwei Headquarter? Warum gibt es kein klares und aussagekräftiges Reporting? Ich beobachte bei Konglomeraten immer wieder einen unbändigen Drang zu Größe. Da werden ökonomisch nicht zu rechtfertigende Akquisitionen gemacht, ich nenne das Konglomerat-Hybris, nur um als Großkonzern bewundert zu werden und sich selber entsprechend hohe Vorstandsgehälter zu zahlen.

manager-magazin.de: Haben Sie darüber schon mit Herrn Frenzel gesprochen?

Wyser-Pratte: Nein.

manager-magazin.de: Wollen Sie das demnächst tun?

Wyser-Pratte: Das werden wir sehen. Wenn Herr Frenzel an einem ernsthaften Gespräch interessiert sein sollte, werde ich das tun.

manager-magazin.de: Haben Sie sich schon mit anderen TUI-Aktionären ausgetauscht?

Wyser-Pratte: Oh ja, das habe ich. Die sind sehr froh, dass ich jetzt an ihrer Seite stehe.

manager-magazin.de: Und gemeinsam wollen Sie jetzt das Konglomerat TUI zerschlagen, womöglich das Schifffahrtsgeschäft verkaufen und so Aktionärswerte heben?

Wyser-Pratte: Davon habe ich doch nichts gesagt. Zunächst muss der Konzern restrukturiert werden. Mit anderen Worten: Wir wollen vorerst versuchen, möglichst viel Aktionärswert aus der vorhandenen Konglomeratsstruktur zu heben. Dazu allerdings muss es im TUI-Konzern ein modernes Reportingsystem geben, das der Markt versteht. Wie sollen wir sonst die verschiedenen Teile des Konglomerats richtig bewerten können?

manager-magazin.de: Wenn es Widerstand gegen Ihre Pläne gibt, werden Sie dann Ihren Anteil an der TUI erhöhen?

Wyser-Pratte: Entweder das, oder ich suche mir noch mehr Verbündete.



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Roter Stern, 29.09.2007
1. Tschüss und schönen Gruß!
Zitat von sysopMit einem Paukenschlag ist Guy Wyser-Pratte beim Reisekonzern TUI eingestiegen. Seine Forderung: Vorstandschef Frenzel muss weg. Im Interview verrät der US-Investor, was er sonst noch vorhat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,508560,00.html
Treten wir schonmal an, um den Großteil der Belegschaft zu verabschieden. Der Rest meldet sich am Besten schon mal bei der Arbeitsagentur, um aus der bevorstehenden Armut trotz Arbeit noch eine Sozialversicherung zu garantieren. Hello U.S. and A. - Goodbye Rente.
emma, 04.10.2007
2. gewissenlos
Zitat von Roter SternTreten wir schonmal an, um den Großteil der Belegschaft zu verabschieden. Der Rest meldet sich am Besten schon mal bei der Arbeitsagentur, um aus der bevorstehenden Armut trotz Arbeit noch eine Sozialversicherung zu garantieren. Hello U.S. and A. - Goodbye Rente.
Er wird das tun, was er am besten kann - sich selbst maximal bereichern und dafür notfalls die TUI ruinieren. Schade, dass es keine Abgabe gibt, die ihn verpflichtet, die durch ihn entstandenen gesellschaftlichen Schäden wie z.B. Arbeitslosigkeit mit zu finanzieren. Das bleibt dann wieder an der dusseligen Bevölkerung hängen, die Steuern und Sozialabgaben dafür aufwenden muss. Ich erinnere mich noch gut an Berichte über die norddeutsche Firma Cewe Color (3000 Mitarbeiter), die einen Kredit aufnehmen sollte, nur um damit eine Sonderausschüttung von 120 Millionen Euro zu finanzieren - zugunsten US-amerikanischer Hedgefonds, unterstützt und vorangetrieben wurde dieser ruinöse Vorgang von Guy Wyser-Pratte. Seine Standardmasche. Dazu gehört natürlich auch der Austausch der Geschäftführung gegen ein leicht führbares Management. Wer verkauft diesem Typ eigentlich seine Aktien oder unterstützt ihn anderweitig? Kann man da eigentlich noch ruhig schlafen, wenn man so vielen Leuten aus reiner Geldgier das Leben zerstört? emma
terra59 04.10.2007
3.
Man kann von Wyser-Pratte halten was man will aber eine Kehrtwende ist schon lange überfällig. Verständlich hat die Restbelegschaft von TUI Angst vor den Maßnahmen - aber mal ehrlich: wie viele Mitarbeiter musten in den vergangenen fünf Jahren unter Frenzel bereits gehen. Der Konzern musste sparen: erst verkauft man was man kann und als nächstes reduziert man mit aller Gewalt die Belegschaft. Wenn das nicht hilft dann eben noch ein Zusammenschluß in GB. Der Unternehmenswert wird immer weniger. Darüber mag auch der momentane Hype beim Börsenkurs nicht mehr hinwegtäuschen. Jede Zeit hat seinen Sonnenkönig (wie damals in Bayern - nur hatte der letzten Endes den Mut die Konsequenzen zu ziehen). Unter Frenzel wurden und werden im Zick-Zackkurs Ideen verfolgt und verworfen und dabei völlig schmerzfrei Millionen verbrannt. Gelder der Aktionäre - aber vielleicht bekommen die dann wenigstens im neuesten Projekt in der Toskana einen Altersruhesitz. Aber es ist zu befürchten es wird wieder nur für Frenzel reichen. Die einzigen die bei derartigen Aktionen verdienen sind die Vorstände ohne Mut das Zepter endlich in die Hand und Ihre Verantwortung wahrzunehmen. Die Zeche werden am Ende wieder die Kleinaktionäre und die Belegschaft zahlen müssen. Mit Geld das sie dann von der Arbeitsagentur unter viel Mühe bekommen. Es bleibt also spannend.
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