Us-Justiz Conrad Black wegen Millionenbetrugs schuldig gesprochen

Tiefer Fall eines schillernden Medienmoguls: Conrad Black schmiss einst Partys, auf denen Elton John und Margaret Thatcher sich die Ehre gaben. Jetzt ist er wegen Betrugs schuldig gesprochen worden. Er hat Unsummen an den Aktionären vorbei in die eigene Tasche gewirtschaftet.


Chicago – Conrad Black war einmal der drittgrößte Zeitungsherausgeber der Welt. Unter dem Dach seines Medienkonzerns Hollinger bündelte er zeitweise über 400 Titel, dazu gehörten Titel wie der Londoner "Daily Telegraph", die kanadische "National Post", die "Jerusalem Post" und die "Chicago Sun-Times". Nun drohen dem einstigen Medienstar bis zu 35 Jahren Haft, außerdem könnten mehrere Million Dollar seines Vermögens beschlagnahmt werden: In einem spektakulären Prozess ist der Ex-Manager heute gemeinsam mit drei ehemaligen Mitarbeitern des Betrugs in 13 Fällen schuldig gesprochen worden.

Conrad Black mit Frau Amiel: Hand in Hand schritten die beide heute zur Urteilsverkündung
AP

Conrad Black mit Frau Amiel: Hand in Hand schritten die beide heute zur Urteilsverkündung

Der kanadischstämmige Unternehmer war angeklagt, zusammen mit drei seiner ehemaligen Manager insgesamt 60 Millionen Dollar aus dem im Jahr 2000 erfolgten Verkauf seines früheren Medienkonzerns Hollinger International an die kanadische Gruppe CanWest in die eigenen Taschen abgezweigt zu haben. In insgesamt neun Anklagepunkten wurde Black allerdings freigesprochen. Als nicht haltbar erwies sich in den Augen der Geschworenen beispielsweise der Vorwurf, der Vorstandsvorsitzende habe dem Unternehmen rund 40.000 Dollar für die Geburtstagsparty seiner Frau in Rechnung gestellt und das firmeneigene Flugzeug für einen Ferientrip nach Bora Bora benutzt.

Das Verfahren, zu dem allerlei prominente Zeugen geladen waren, gilt als Jahrhundertprozess – schon wegen der schillernden Persönlichkeit des einstigen Medienzars, über den hunderte Anekdoten kursieren. Mit 14 soll er von einer Privatschule geflogen sein, weil er irgendwo Prüfungsmaterial aufgetrieben und an seine Mitschüler verscherbelt hatte. Schon während seines Studiums kaufte er mit dem Geld seines Vaters – ein kanadischer Brauereikonzern-Chef – eifrig Unternehmen ein und baute sich im Laufe der Jahre ein beachtliches Presseimperium auf. Seine Partys in seinem Wohnort London waren berüchtigt – von Margaret Thatcher bis Elton John zeigte sich dort alles, was Rang und Namen hatte.

Vor seinen Gästen breitete der Milliardär gerne auch seine Theorien über historische Begebenheiten und vor allem Schlachten aus – sein eigenes Geschäftsgebaren verglich er angeblich einmal mit der Panzertaktik der Deutschen während des Blitzkrieges. Was Black an Extravaganz fehlte, brachte seine zweite Ehefrau Barbara Amiel mit. Der "Vogue" zufolge war ihr Ankleidezimmer in der 26-Millionen-Dollar-Villa in London voll gestopft mit Abendkleidern, hunderten Luxus-Schuhen und Designerhandtaschen.

Im Jahr 2000 jedoch erwischte die Medienkrise auch Black mit voller Wucht. Für 3,2 Milliarden kanadischer Dollar verkaufte er seine kanadischen Zeitungen schließlich an den Medienkonzern CanWest. Dann machte ein Minderheitsaktionär von Hollinger auf Unregelmäßigkeiten in den Büchern aufmerksam – von da an ging es steil bergab für Black. Im November 2003 trat er als CEO zurück, wenige Monate später verklagte der Konzern seinen einstigen Chef auf mehrer hundert Millionen Dollar Schadenersatz wegen Missmanagements und Veruntreuung.

Die Prominenz der Welt hat Black längst den Rücken zugewandt. Der 62-Jährige zeigt sich aber weiter uneinsichtig. Er plädierte im Prozess auf unschuldig. Einem Reporter erklärte er während des Prozesses einmal, das ganze Verfahren sei "reine Fiktion". Nach dem Urteil erklärte einer seiner Anwälte, dass Black Berufung gegen das Urteil Berufung einlegen wolle.

ase/AP/Reuters



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