US-Konjunktur Greenspans düstere Prognose

US-Notenbankchef Alan Greenspan hat davor gewarnt, dass die US-Wirtschaft nach den Terroranschlägen der vergangenen Woche kurzfristig starke negative Effekte verzeichnen wird. Noch sei das Ausmaß des Schadens nicht absehbar.


Alan Greenspan: Die Terroranschläge werden die US-Wirtschaft erheblich belasten
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Alan Greenspan: Die Terroranschläge werden die US-Wirtschaft erheblich belasten

Washington - Die genauen Auswirkungen der Terroranschläge auf die USA seien noch schwer abzuschätzen. Sie hätten weit gehendere Folgen als Naturkatastrophen. Denn sie erschütterten das Vertrauen in das Funktionieren der freien amerikanischen Märkte, sagte der Notenbankchef.

Die US-Wirtschaft war im zweiten Quartal mit einer Jahresrate von 0,2 Prozent gewachsen. Für das dritte Quartal wird ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts nicht ausgeschlossen.

"Die Fundamente unserer freien Gesellschaft bleiben gesund, und ich bin zuversichtlich, dass wir uns erholen und wirtschaftlich stärken werden, wie dies auch in der Vergangenheit der Fall war", sagte Greenspan. Er drückte die Hoffnung aus, dass neue Verhandlungen über die Senkung weltweiter Zölle nun "machbarer" erscheinen. "Eine erfolgreiche (Verhandlungs-)Runde würde nicht nur die Weltwirtschaft bedeutend stärken, sondern auch eine Antwort auf den Terrorismus bieten mit einer kraftvollen Bestätigung unserer Verpflichtung für offene und freie Gesellschaften."

Es gebe Anzeichen, dass die Verbraucherausgaben in den vergangenen Tagen zurückgegangen seien. Das ist für die US-Wirtschaft von größter Bedeutung, weil die Verbrauchernachfrage zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaft stützt. Der Notenbank-Chef verwies auch auf die massiven Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie, die bereits die Entlassung von 68.000 Angestellten angekündigt hat.

"Aber während wir damit kämpfen, mit dem großen Verlust und den direkten Konsequenzen für die Wirtschaft fertig zu werden, dürfen wir unsere langfristigen Aussichten nicht aus dem Auge verlieren. Die sind durch die schrecklichen Ereignisse nicht gesunken", sagte Greenspan. Als positives Anzeichen erwähnte er die unerwartet stark gesunkene Zahl der Empfänger von Arbeitslosenhilfe. Nach Angaben des Arbeitsministeriums ging sie vergangene Woche von 436.000 auf 387.000 zurück.

Greenspan äußerte sich allerdings nicht zum weiteren geldpolitischen Kurs der Fed. Nachdem der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed am Montag die Leitzinsen außerplanmäßig um 50 Basispunkte auf 3,00 Prozent gesenkt hat, um das Vertrauen der Verbraucher und Finanzmärkte wiederherzustellen, rechnen Experten für die kommende FOMC-Sitzung am 2. Oktober mit einer weiteren Zinssenkung um wenigstens 25 Basispunkte.



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