US-Leitzins Konjunkturchef der Deutschen Bank kritisiert Zinssenkung

Keine Rezession in Sicht: Der Chefsvolkswirt der Deutschen Bank hält die Furcht der amerikanischen Notenbank vor einer ernsthaften Wirtschaftskrise für übertrieben - und die Senkung des Leitzinses deshalb für riskant.


Berlin - "Die jüngsten Konjunkturdaten, vor allem zu den langlebigen Gütern, signalisieren keine Rezession in den USA", sagte der Konjunkturchef der Deutschen Bank Chart zeigen, Norbert Walter, der "Berliner Zeitung". Gerechtfertigt wären Zinssenkungen aus seiner Sicht nur, wenn "die Rezession da und die Inflation weg ist". Dies sei aber nicht der Fall.

US-Notenbank-Chef Bernanke: Weitere Zinssenkung für März erwartet
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US-Notenbank-Chef Bernanke: Weitere Zinssenkung für März erwartet

Walter zufolge ist deshalb die Zinssenkung riskant, denn sie habe große Nebenwirkungen. Wenn die US-Notenbank (Fed) den Geldhahn weiter aufdrehe, drohe die Gefahr einer neuen Vermögenspreisblase. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde der Fed nicht so schnell folgen. "Für die EZB werden Zinssenkungen erst gegen Ende dieses Jahres ein Thema", sagte Walter.

Die US-Notenbank hat gestern die Leitzinsen abermals gesenkt und den Schritt mit erhöhten Risiken für das Wirtschaftswachstum in den USA begründet. Der wichtigste Zinssatz in den USA wurde um 50 Basispunkte auf 3,0 Prozent zurückgenommen. Bereits in der Vorwoche hatten die US-Währungshüter den Leitzins außerplanmäßig um 75 Basispunkte zurückgeschraubt.

An den Börsen sorgte die zweite Zinssenkung der Notenbank innerhalb von nur acht Tagen für Aufatmen. An der New Yorker Wall Street drehten die wichtigsten Indizes ins Plus. An den Terminmärkten signalisierten die Futures eine weitere Zinssenkung Mitte März. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung um dann 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent wurde mit 62 Prozent taxiert.

Dollar schmiert ab

Einen herben Dämpfer musste deshalb der Dollar hinnehmen. Er fiel zum Euro um rund einen Cent. Der Leitzins in den USA liegt nun 100 Basispunkte unter dem der Euro-Zone (4,0 Prozent). Dadurch werden Finanzanlagen im Dollar-Raum unattraktiver als in der Euro-Zone. Zum Handelsschluss lagen die Indizes aber im Minus. Im späten Geschäft hatte sich ein Medienbericht belastend ausgewirkt, wonach Rating-Agenturen die Anleiheversicherer Ambac und MBIA in Kürze herunterstufen könnten.

US-Analysten lobten den Schritt der Währungshüter um Fed-Chef Ben Bernanke: "Sie sind nicht im Panik-Modus. Sie schauen auf die Realwirtschaft, und was die braucht sind niedrigere Zinsen", sagte Währungsstratege Ken Landon von JP Morgan Chase in New York. Jeff Kleintop, Stratege bei LPL Financial in Boston meinte: "Die Fed demonstriert, dass sie das Heft des Handelns wieder in der Hand hat. Sie versucht mit dem wichtigsten Hebel die Folgen der Immobilienkrise abzumildern. Es sieht so aus, dass Bernanke glaubt, mit dieser Aktion ist die Gefahr einer tiefen Rezession zumindest erst einmal vom Tisch."

sam/ddp/Reuters



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