Statement der US-Notenbank Fed deutet Kurswechsel in der Geldpolitik an

Noch einmal lässt die US-Notenbank den Leitzins nahe null – aber schon nächstes Jahr könnte es eine Erhöhung geben. Die Währungshüter stellten zudem ein baldiges Herunterfahren der massiven Wertpapierzukäufe in Aussicht.
Fed-Chef Jerome Powell (Archivbild)

Fed-Chef Jerome Powell (Archivbild)

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Susan Walsh / AP

Die US-Notenbank (Fed) hält trotz hoher Inflation an ihrem ultralockeren geldpolitischen Kurs fest. Sie beließ den Leitzins am Mittwoch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings signalisierten die Währungshüter in ihrem Ausblick im Mittel, dass es bereits nächstes Jahr eine Erhöhung geben könnte. Bislang hatten sie eine Zinswende erst ein Jahr später angepeilt. Zugleich erwarten die Notenbanker, dass die Inflation dieses Jahr auf einen Wert von 4,2 Prozent steigen wird – mehr als doppelt so hoch wie von der Fed angestrebt.

Auch die Käufe von Wertpapieren in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar pro Monat durch die Fed werden demnach fortgesetzt. Die Zentralbank signalisierte zugleich, dass die Käufe demnächst zurückgefahren werden könnten.

Bereits Ende Juli hatte die Fed mit Blick auf das Anleihenprogramm erklärt, die US-Wirtschaft habe Fortschritte bei Zielen der Vollbeschäftigung und der Inflationsentwicklung erzielt. Gehe die Entwicklung weiter wie zuletzt, sei »eine Mäßigung des Tempos der Wertpapierkäufe bald gerechtfertigt«, hieß es in der Mitteilung der Banker. Fed-Chef Jerome Powell hatte ein Herunterfahren der massiven Wertpapierkäufe für dieses Jahr bereits in Aussicht gestellt, jedoch noch keinen Zeitplan vorgelegt.

Das aktuelle Zinsniveau unterdessen sei angemessen, bis am Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung herrsche und das Inflationsziel von rund zwei Prozent erreicht worden sei, betonte die Fed nach einer Sitzung des zuständigen Geldmarktausschusses. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte jüngst eine leichte Drosselung ihres Programms zum Ankauf von Anleihen angekündigt.

Wachstumsprognose für 2021 gesenkt

Zugleich senkte die Fed ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr. Im Juni war die Zentralbank noch von einem Plus von 7 Prozent ausgegangen, nun erwartet sie ein Wachstum von 5,9 Prozent, wie die am Mittwoch veröffentlichten Prognosen zeigen. Die rasante Erholung der US-Wirtschaft von der Coronakrise hatte sich zuletzt wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante etwas verlangsamt. Für 2022 rechnet die Notenbank nun mit einem Wachstum von 3,8 Prozent nach der Juni-Prognose von 3,3 Prozent.

Die Wachstumsprognosen der Zentralbank spiegelten zuletzt meist die Entwicklung der Pandemie wider. Im vergangenen Dezember, bevor die Impfungen zum Einsatz gekommen waren, hatte die Notenbank für 2021 mit einem Plus von 4,2 Prozent gerechnet. Im März waren es bereits 6,5 Prozent, im Juni dann – auch dank niedriger Infektionszahlen und steigender Impfquote – schon 7 Prozent. Seit Juni sind die Infektions- und auch Todeszahlen aber wegen der Delta-Variante wieder gestiegen.

sol/dpa/Reuters
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