US-Rechnungshof Milliardenauftrag für EADS in Gefahr

Es wäre ein schwerer Schlag für EADS: Der Konzern wird wohl einen Auftrag der US-Luftwaffe für Tankflugzeuge im Wert von insgesamt 100 Milliarden Dollar verlieren. Der US-Rechnungshof hat dem Protest des Rivalen Boeing stattgegeben. Jetzt soll das Vergabeverfahren neu beginnen.


Washington - Der Milliardenauftrag der US-Luftwaffe an den europäischen Luftfahrtkonzern EADS zur Modernisierung ihrer Tankflugzeug-Flotte steht auf der Kippe. Der US-Rechungshof hat das Vergabeverfahren für den Auftrag noch einmal überprüft - und festgestellt, dass dem Pentagon dabei "eine Anzahl signifikanter Fehler" unterlaufen seien. Diese hätten die Entscheidung gegen Boeing Chart zeigen beeinflusst, urteilte der Rechnungshof GAO (Government Accountability Office) in Washington am Mittwoch.

EADS-Logo: Es droht der Verlust eines Milliardenauftrags
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EADS-Logo: Es droht der Verlust eines Milliardenauftrags

Die Behörde schlug in dem Streit ein neues Auswahlverfahren vor: Die US-Luftwaffe solle sich neue Gebote einholen. Der Rechnungshof gab der Air Force 60 Tage Zeit, um auf die Empfehlungen zu antworten.

Ende Februar hatte die US-Luftwaffe den Zuschlag für die Lieferung von 179 neuen Tankflugzeugen überraschend nicht dem bisherigen Lieferanten Boeing erteilt. Diese Entscheidung war in den USA heftig kritisiert worden.

Die Lieferung der Tankflugzeuge würde EADS rund 40 Milliarden Dollar einbringen - der Gesamtwert des Pentagon-Auftrages summiert durch Serviceleistungen über die volle Betriebsdauer sogar auf über 100 Milliarden Dollar.

Boeing reagierte damals prompt auf die Entscheidung der Luftwaffe und legte im März Beschwerde bei der zuständigen Regierungsstelle wegen "Verfahrensfehlern" beim Zuschlag für den Tankflugzeug-Großauftrag ein. Durch den Protest liegt der Auftrag auf Eis.

EADS bleibt optimistisch, Boeing ist hochzufrieden

EADS Chart zeigen-Chef Louis Gallois äußerte sich gleichwohl optimistisch. "Trotz unserer Enttäuschung müssen wir feststellen, dass die Ankündigung des Rechnungshofes nur den Auswahlprozess bewertet und nicht den Wert unseres Angebots", sagte Gallois am Abend der Deutschen Presse-Agentur dpa in Paris.

Boeing begrüßte die Entscheidung des GAO in einer Stellungnahme. Der Konzern erwarte nun zuversichtlich die nächsten Schritte in der Zusammenarbeit mit der Air Force.

Die Entscheidung des Rechnungshofs ist zwar rechtlich nicht bindend. Die Behörde hat aber bereits bei früheren Prüfungen in einigen Fällen Neuausschreibungen bewirkt.

Die Luftwaffe steht jetzt unter extrem hohem öffentlichen Erwartungsdruck, die Vergabe erneut zu prüfen. EADS hatte den ursprünglichen Zuschlag als Durchbruch auf dem bislang weitgehend für heimische Konzerne reservierten US- Rüstungsmarkt gefeiert. Der Streit der beiden Wettbewerber EADS und Boeing etwa auch um unerlaubte Subventionen hat traditionell auch große politische Dimensionen. Mitten im Vorwahlkampf und angesichts der Krise der US-Konjunktur hatte die Auftragsvergabe an Airbus in den USA zum Teil heftige politische Reaktionen ausgelöst.

amz/cvk/Reuters/AFP/dpa



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