US-Versicherer AIG meldet Rekordverlust

Der US-Versicherer AIG bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Der Konzern hat im vergangenen Jahr hundert Milliarden Dollar Minus gemacht - und im vierten Quartal den größten Verlust der Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Die US-Regierung stellt eine neue Milliardenspritze zur Verfügung.


New York - Mit einem Rekordverlust des schwer angeschlagenen US-Versicherers AIG hat die Finanzkrise einen neuen Höhepunkt erreicht. Nur drei Tage nach der bereits historischen Teilverstaatlichung der einst weltgrößten Bank Citigroup meldete AIG einen Verlust von knapp hundert Milliarden Dollar im vergangenen Jahr - 61,7 Milliarden Dollar davon fielen alleine im vierten Quartal an, der größte Quartalsverlust in der Wirtschaftsgeschichte. Wegen des neuen Milliardenlochs muss die US-Regierung die Hilfsmaßnahmen für den früher von vielen Versicherern - unter anderem der Allianz - weltweit als Vorbild eingestuften Konzern um 30 Milliarden auf jetzt insgesamt rund 180 Milliarden Dollar aufstocken.

US-Versicherer AIG: Knapp hundert Milliarden Minus im vergangenen Jahr
AP

US-Versicherer AIG: Knapp hundert Milliarden Minus im vergangenen Jahr

Mit dem Jahresverlust von 99,3 Milliarden Dollar übertraf AIG Chart zeigen den Verlust von Time Warner Chart zeigen aus dem Jahr 2002. Der Medienkonzern hatte damals vor allem wegen der Abschreibungen auf den Online-Dienst America Online (AOL) einen Verlust von 98,7 Milliarden Dollar verbucht. AIG hatte sich vor allem mit Versicherungen auf hochspekulative Papiere verzockt und gehört neben der Citigroup Chart zeigen zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Der einst weltgrößte Versicherer wird seit Herbst vom US-Staat am Leben erhalten, der bereits einen Anteil von fast 80 Prozent kontrolliert.

Die US-Regierung befürchtet, dass ein Zusammenbruch von AIG neue massive Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten auslösen könnte und stützt den Versicherer daher immer weiter. Mit den jüngsten Rettungsmaßnahmen für die Citigroup und die AIG musste die US-Regierung innerhalb weniger Tage zwei Finanzkonzerne, die noch vor zwei Jahren zu den Vorzeigeunternehmen Amerikas gehörten, künstlich am Leben halten. An den Finanzmärkten nimmt derzeit die Sorge zu, dass die aktuell geschnürten Rettungspakete nicht reichen.

Die Kurse der Aktien von Bank- und Versicherungstiteln beschleunigten in den vergangenen Tagen ihre Talfahrt. So verloren die Papiere der Citigroup und Bank of America allein am Freitag 39 und 26 Prozent.

Der Marktwert der AIG brach in den vergangenen zwölf Monaten um rund 99 Prozent ein. Das Papier ist längst zu einem Penny-Stock verkommen und kostete zuletzt noch 42 US-Cent. Gemessen am Börsenkurs ist der Versicherer damit nur noch rund eine Milliarde Dollar wert. Derzeit versucht die US-Regierung, die nach wie vor profitablen Sparten des Unternehmens wie das Asien-Geschäft weiterzuverkaufen, stößt hier aber auf massive Probleme.

Im operativen Geschäft verzeichnete AIG bei den Nettoprämien ein leichtes Plus auf 46,2 Milliarden Dollar. Der operative Verlust fiel mit 5,7 Milliarden Dollar vergleichsweise gering aus. 2007 hatte der Konzern operativ allerdings noch 10,5 Milliarden Dollar verdient.

Mit einem Ausblick auf 2009 hielt sich AIG größtenteils zurück und äußerte sich nur zu einzelnen Sparten. So sei im Sachversicherungsgeschäft bisher eine stabile Prämienentwicklung zu beobachten. Insgesamt wird das operative Geschäft aber weiter von den hohen Kosten für die staatlichen Rettungspakete überlagert. So werde das Ergebnis im laufenden und auch im kommenden Jahr "deutlich" von den Zinsen für die Überbrückungskredite und Vorzugsaktien belastet.

kaz/dpa-AFX/AP



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