US-Versicherer Ex-Chef Greenberg verklagt AIG

Der ehemalige Chef von AIG, Maurice Greenberg, klagt gegen seinen alten Arbeitgeber. Er wirft Managern des US-Versicherers Betrug vor. Derweil hat nach Bekanntwerden des Rekordverlustes der chinesische Konzern China Life seinen Verzicht auf die asiatische AIG-Sparte erklärt.


New York/Peking - Nach dem Rekordverlust im vierten Quartal droht dem US-Versicherungsgiganten AIG weiteres Unheil. Ex-Firmenchef Maurice Greenberg, der größter Einzelaktionär bei AIG ist, hat den Konzern wegen Betrugs verklagt. Er wirft dem Unternehmen vor, ihn bei der Zuteilung von Aktien im Rahmen seiner Abfindung falsch über die finanzielle Lage der Firma informiert und Risiken bei den Kreditderivaten verschwiegen zu haben.

Ex-AIG-Chef Greenberg: Klage wegen Betruges
AFP

Ex-AIG-Chef Greenberg: Klage wegen Betruges

AIG hatte am Montag einen Fehlbetrag von 61,7 Milliarden Dollar im vierten Quartal bekanntgegeben - der größte Verlust in der Wirtschaftsgeschichte. Im Gesamtjahr betrug das Minus knapp hundert Milliarden Dollar. Verantwortlich sind vor allem Fehlinvestitionen, Abschreibungen und Restrukturierungskosten. Die US-Regierung musste den einst weltgrößten Versicherer innerhalb weniger Monate zum dritten Mal vor der Pleite retten.

Eine AIG-Sprecherin wies die Vorwürfe des ehemaligen Firmenchefs als unbegründet zurück. Greenberg hat nach eigenen Angaben am 30. Januar 2008 AIG-Aktien zu einem Kurs von 54,37 Dollar erhalten. Am Montag schlossen die Papiere bei 42 Cent. Greenberg fordert von AIG den Differenzbetrag zurück und zudem eine Erstattung von Steuern von mehr als 70 Millionen Dollar. Greenberg war knapp vier Jahrzehnte AIG-Chef, bevor er im März 2005 vom damaligen New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer aus dem Amt gedrängt wurde.

Der chinesische Versicherungskonzern China Life gab derweil bekannt, das asiatische Geschäft von AIG nicht mehr kaufen zu wollen. "Wir sind nicht länger an der Sparte interessiert", sagte China-Life-Chef Yang Chao. Als Grund für den Rückzug nannte er eine deutlich veränderte Qualität der Vermögenswerte der Sparte sowie bei der Geschäftsausrichtung und den verringerten Wert der Marke.

Im Rahmen der Rettungsbemühungen versucht die US-Regierung derzeit das asiatische Geschäft des Versicherers zu verkaufen, stößt dabei aber auf große Probleme. Berichten zufolge springen immer mehr potentielle Käufer ab. Nach Informationen des "Wall Street Journal" könnte es sein, dass gar kein Interessent mehr übrig bleibt.

cte/Reuters/dpa-AFX



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