Kurssprung trotz Wahlunsicherheit Die Wall Street liegt schon wieder im Plus

Die Stimmen sind noch gar nicht ausgezählt, da macht sich an den Börsen schon Entspannung breit: Der Dow Jones legt kräftig zu, die Investoren erwarten offenbar einen klaren Sieger.
Wall Street in New York

Wall Street in New York

Foto: JUSTIN LANE/EPA-EFE/Shutterstock

Möglicherweise gehört das zu den Eigenschaften der Wall Street: Während die Vereinigten Staaten und mit ihnen die halbe Welt bei der Präsidentschaftswahl eine Zitterpartie und sogar Unruhen fürchten, sind die Investoren an der Börse schon wieder optimistisch.

Während in den USA gerade schrittweise die Wahllokale öffnen, verzeichnen die US-Aktienmärkte jedenfalls kräftige Kurssprünge zu Handelsbeginn und bauen damit ihre Gewinne vom Vortag aus.

Der Dow Jones stieg am Dienstag im frühen Handel um etwa 2,4 Prozent auf 27.502,12 Punkte, nach einem Plus am Montag von 1,6 Prozent. Der S&P 500 gewann 1,84 Prozent, der Technologieindex Nasdaq 100 1,71 Prozent.

Das könnte laut Analysten ein Zeichen sein, dass viele Investoren nun Chancen auf ein klares Wahlergebnis sehen, nachdem ein möglicher Umschwung in den Vorwahlumfragen zuletzt ausgeblieben war. Ein anderes Indiz für den wachsenden Optimismus der Börse: Der Schwankungsindex VIX, in Marktkreisen "Angstanzeige der Investoren" genannt, ist zwei Tage in Folge gesunken. Ende der vergangenen Woche hatte er noch ein 20-Wochen-Hoch erreicht.

Hoffnung auf schnelles Konjunkturpaket

Laut Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets wäre ein klares Wahlergebnis in den USA das ideale Szenario für die Märkte. Angesichts der Umfragen wäre das wohl eine sogenannte blaue Welle – also die Eroberung des Präsidentenamtes und des Senats durch die Demokraten.

Ein Präsident Joe Biden hätte dann womöglich zu Beginn seiner Amtszeit freie Hand, um der Wirtschaft endlich das "Stimulus" genannte Konjunkturpaket zu präsentieren, das seit Wochen in Verhandlungen zwischen Republikanern und Demokraten feststeckt.

Die Märkte würden inzwischen einen "klaren Biden-Sieg" erwarten, verbunden mit der Hoffnung auf eine "expansivere Ausgabenpolitik" der nächsten US-Regierung, glaubt der Londoner Analyst Chris Baily.

Allerdings: Bei einer Machtübernahme der Demokraten müssten sich Technologiefirmen wie Facebook, Amazon oder Google wohl auf eine stärkere Regulierung ihrer Geschäfte sowie höhere Steuern einstellen.

beb/dpa
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