US-Milliardäre im Wahlkampf Die Geldschlacht

Milliardäre wie Michael Bloomberg geben Unsummen aus - nur für die Chance, Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden. Geht die Wette auf?
Aus Washington berichtet Ines Zöttl
Demokratischer Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg: Er will ausgeben "was immer nötig ist", um Trump aus dem Weißen Haus zu jagen

Demokratischer Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg: Er will ausgeben "was immer nötig ist", um Trump aus dem Weißen Haus zu jagen

Foto: Yana Paskova/ AFP

Beim diesjährigen Super Bowl, dem Endspiel der amerikanischen Football-Profiliga NFL, treten zwei Giganten gegeneinander an. Der eine heißt: Donald Trump. Der andere: Michael Bloomberg.

Beide Präsidentschaftsbewerber haben beim Sender Fox, der das Spiel am 2. Februar landesweit überträgt, 60 Sekunden Werbezeit gekauft. Zehn Millionen Dollar lassen es sich der Amtsinhaber im Weißen Haus und sein Gegner jeweils kosten, damit die Amerikaner ihnen eine Minute lang zuhören.

Beide zahlen das aus der Portokasse: Der 77-jährige Bloomberg kommt auf ein Vermögen von etwa 54 Milliarden Dollar. Amtsinhaber Trump ist ins Wahljahr 2020 mit 200 Millionen Dollar Cash gestartet. 

Amerikas Wahlkämpfe waren schon immer auch eine Finanzschlacht. "Es gibt zwei Dinge, die in der Politik wichtig sind", schrieb der Senator Mark Hanna im Jahr 1895: "Das erste ist Geld. Was das zweite ist, weiß ich nicht mehr." In den vergangenen Jahrzehnten allerdings sind die Kosten explodiert. Allein das Präsidentschaftsrennen 2016 hat 2,4 Milliarden Dollar gekostet - mehr als das Bruttoinlandsprodukt des Königreichs Bhutan oder der Jahresetat des Bundesumweltministeriums. 

Mit dem Einstieg des Medienunternehmers Bloomberg in den Vorwahlkampf der Demokraten ist das Dollar-Rennen noch mal in eine neue Dimension vorgestoßen. Früher galten Politspots während des Super Bowls als unsinnige Verschwendung, die Kandidaten konzentrierten ihre begrenzten Mittel lieber auf die wenigen wahlentscheidenden Bundesstaaten. Bloomberg aber verteilt Greenbacks wie keiner zuvor. Während seine Konkurrenten zwischen Florida, Kalifornien und den dünn besiedelten Staaten des Mittleren Westens von Termin zu Termin hetzen, hat der Ex-Bürgermeister von New York einen "TV Blitz" ("New York Times") gestartet. Seine Strategie ist simpel: Kohle statt Kärrnerarbeit. Seit er im November seine Kandidatur erklärt hat, hat Bloomberg mehr als 200 Millionen Dollar für Fernsehspots ausgegeben. Gegen Trump und für sich selbst. 

Amerika, wie hältst du es mit deinen Milliardären?

Die Auseinandersetzung der Demokraten hat das immerhin um ein Thema bereichert: Amerika, wie hältst du es mit deinen Milliardären? Viele Bürger des Einwanderungslands verbindet eine Art Hassliebe mit den Reichen. 84 Prozent finden einer Cato-Umfrage zufolge, dass nichts daran falsch sei, wenn jemand versucht, so viel Geld zu machen, wie er kann. Eine Mehrheit aber hält die Vermögensverteilung in den USA für ungerecht.

Unter den verbliebenen 13 Bewerbern um die Kandidatur der Demokraten finden sich gleich zwei Selfmade-Superreiche: Neben Bloomberg tritt auch der frühere Hedgefonds-Manager Tom Steyer an. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen zwei, die zwar auch nicht zu den Ärmsten gehören, aber den Feldzug gegen die Plutokratie zu ihrem Markenzeichen gemacht haben: Elizabeth Warren und Bernie Sanders. 

Demokratischer Präsidentschaftsbewerber Tom Steyer: Werbeausgaben von bislang 141 Millionen Dollar

Demokratischer Präsidentschaftsbewerber Tom Steyer: Werbeausgaben von bislang 141 Millionen Dollar

Foto: Mike Blake/ REUTERS

"Ich finde nicht, dass es Milliardäre geben sollte", erklärte der 78-jährige Senator Sanders schlicht. "Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich die empörende und groteske und unmoralische Ungleichheit bei den Einkommen und Vermögen verringern." 

Auch Warren zielt auf Bloombergs vermeintliche Achillesferse: zu viel Geld. "Ich verstehe, dass reiche Leute mehr Schuhe haben werden als der Rest von uns. Und mehr Autos. Und mehr Häuser", sagte sie scheinbar versöhnlich, nur um dann warnend hinzufügen: "Aber sie bekommen kein größeres Stück von der Demokratie." Ausgerechnet in einem Interview mit Bloomberg Television legte sie dann noch mal nach. "Ich finde nicht, dass Wahlen zum Verkauf stehen sollten." 

Der dreimalige Bürgermeister Bloomberg setzt dagegen, dass er sich nicht von Spendern abhängig mache, also seine Politik nicht käuflich sei. Angesichts der verbreiteten Frustration mit Amerikas verkorkster Parteienfinanzierung dürfte das vielen Wählern durchaus einleuchten. Dass diese auf einen reichen Retter warteten, der "auf einem weißen Pferd einreitet - oder besser gesagt: in einer schwarzen Limo herangefahren wird", sei trotzdem "schlicht Blödsinn", sagt der Ökonom und "New York Times"-Kolumnist Paul Krugman voraus. 

Geld allein macht keinen Sieger

Tatsächlich hat in der Vergangenheit schon mancher Geschäftsmann mehr oder weniger erfolglos versucht, die eigene Karriere mit dem politischen Hauptpreis zu krönen. Der IT-Unternehmer Ross Perot investierte im Präsidentschaftswahlkampf 1992 in heutigen Dollar gerechnet mehr als 100 Millionen und brachte es damit auf knapp 19 Prozent der Stimmen. Ein Vierteljahrhundert später trat ein anderer Außenseiter mit einer selbst finanzierten Kampagne im Vorwahlkampf gegen das Establishment an: Donald Trump. 

Der Wahltriumph des Immobilienmoguls habe andere Milliardäre angespornt, glaubt der "Politico"-Autor Jack Shafer. Sie dächten, wenn "ein korrupter Schwachkopf mit dem Vokabular eines Drittklässlers und der Geduld eines Chihuahua" es geschafft habe, warum dann nicht auch sie, schrieb Shafer, lange bevor Bloomberg sich dann tatsächlich entschied. 

Geld allein allerdings macht keinen Sieger. Trump hat es mit einem finanziellen Schmalspur-Wahlkampf geschafft. 400 Millionen Dollar kostete seine erfolgreiche Kampagne, knapp halb so viel wie die von Hillary Clinton. Diesmal ist Trump besser munitioniert. Seit seinem ersten Tag im Weißen Haus sammelt er Spenden für die Wiederwahl. Sein eigenes Vermögen, das das Magazin "Forbes" auf 3,6 Milliarden Dollar taxiert, wird er in dieser Runde wohl nicht antasten müssen. 

Bloomberg hat angekündigt auszugeben, "was immer nötig ist", um Trump aus dem Weißen Haus zu jagen. Erst einmal aber bringt er die eigene Partei in Bedrängnis. In den Umfragen hat sich der steinreiche Unternehmer auf den fünften Platz im Vorwahl-Ranking geschoben. Auch sein Milliardärskollege Steyer - Werbeausgaben bislang: 141 Millionen Dollar - hat sich einen ersten Achtungserfolg erkauft. Als einer von nur sechs Kandidaten hat sich Steyer für die Präsidentschaftsdebatte der Demokraten am Dienstag in Iowa qualifiziert. Der einzige Afroamerikaner im Rennen, Senator Cory Booker aus New Jersey, ist dagegen rausgeflogen. 6,6 Millionen Dollar hatte Booker im letzten Quartal an Spenden eingesammelt. Für ihn ein Rekord - gemessen an der Ausgaben-Power der Millionäre oder Milliardäre aber eine vernachlässigbare Summe. Das frustriere ihn, gab Booker am Wochenende offen zu. "Wenn ich so viel Geld ausgeben würde, dann würde ich jetzt auch auf der Bühne sitzen."

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