US-Zeitungskrise Zukunft des "Boston Globe" wird weiter verhandelt

Zähes Ringen um das Überleben des "Boston Globe": Gewerkschaft und Verlag wollen weiter über Einsparungen bei der Traditionszeitung verhandeln. Das Unternehmen nahm die Drohung zurück, schon jetzt die Schließung einzuleiten - obwohl ein Ultimatum ohne Einigung abgelaufen war.


Boston - Für den "Boston Globe" gibt es wieder etwas Hoffnung: Auch nach dem Ablauf der "letzten Frist", die der Verlag der Gewerkschaft gestellt hatte, wird weiter verhandelt. "Wir werden uns in kurzer Zeit wieder treffen", wird Daniel Totten, Chef der Boston Newspaper Guild auf der Webseite der Tageszeitung zitiert. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, die Gespräche könnten schon am Montag oder Dienstag fortgesetzt werden.

Aufmacher des "Boston Globe": Schlagzeilen in eigener Sache

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Zuvor waren die Verhandlungen der Nacht zum Montag abgebrochen worden - eine Stunde nach dem Ablauf des Verlags-Ultimatums. Das Unternehmen hatte angekündigt, in diesem Fall bei den staatlichen Stellen die nötigen Papiere zur Schließung der 137 Jahre alten Zeitung einzureichen - innerhalb von 60 Tagen hätte die Zeitung dann eingestellt werden können.

Von dieser Ankündigung rückte der Verlag inzwischen wieder ab. In einer Stellungnahme hieß es, man sei enttäuscht darüber, dass keine Einigung mit der Gewerkschaft zustande gekommen sei. Das Unternehmen verlangt von seinen Arbeitnehmern Einsparungen in Höhe von 20 Millionen Dollar.

Ein strittiger Punkt in den Verhandlungen ist der Verzicht auf lebenslange Beschäftigungsgarantien. Die Newspaper Guild, die etwa 600 Mitarbeiter vertritt, lehnt diese Forderung des Verlages strikt ab. Das Angebot der Gewerkschaft wies der Verlag wiederum zurück. Es sah unter anderem einen Gehaltsverzicht von 3,5 Prozent für die meisten Mitarbeiter, unbezahlten Urlaub und Kürzungen bei den Renten vor.

Der seit 1872 erscheinende "Boston Globe" gehört zu den 15 größten Tageszeitungen der USA. Die New York Times Company hatte die Zeitung 1993 für 1,1 Milliarden Dollar gekauft - und seitdem Jahre für Jahr Millionen auf sein Investment abschreiben müssen. Vor zwei Jahren wurde der Wert des "Boston Globe" nur noch auf gut 500 Millionen Dollar geschätzt, im vergangenen Jahr lag er Analysten von Barclays Capital zufolge lediglich bei 20 Millionen Dollar. Derweil geriet der Mutterkonzern New York Times Company selbst in Schwierigkeiten und war zu umfangreichen Sparmaßnahmen gezwungen. Nach Angabe der Firma könnte der Boston Globe in diesem Jahr bis zu 85 Millionen Dollar Verlust machen.

sac/Reuters



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