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USA: Die Rezession ist da

aus DER SPIEGEL 52/1979

Monatelang rätselten Amerikas Ökonomen, Politiker und Unternehmer: Kommt sie, kommt sie nicht, und wenn ja, wann und für wie lange? Jetzt sind sich alle zumindest in einem einig: Die Rezession ist da. Überaus uneins sind die Experten allerdings darüber, wie heftig diesmal die Flaute nach über vier Boom-Jahren -- dem längsten Konjunkturhoch der Nachkriegszeit in den USA -- ausfallen wird.

So viel scheint sicher: Im laufenden Quartal wird Amerikas Wirtschaft real um etwa 1,5 Prozent schrumpfen. Im ersten Halbjahr 1980 wird die Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts dann noch kräftiger ins Minus driften. Geht die Talfahrt glimpflich ab, könnte schon im Spätsommer, so kalkulieren etliche Okonomen, ein neuer Aufschwung einsetzen. Die jetzt spürbare Rezession hatten Amerikas Finanzminister William G. Miller und Notenbankchef Paul A. Volcker in Kauf genommen, als sie im Herbst rigoros auf Bremskurs gingen. Weil die Inflation auf immer schnelleres Tempo kam (zuletzt 12,2 Prozent), schraubte die Notenbank den Diskont auf Rekordhöhe. Gleichzeitig bremsten die Währungshüter drastisch die Zunahme der Geldmenge. In den Sog der US-Flaute könnten zwar leicht auch so exportabhängige Länder wie die Bundesrepublik und Japan geraten. Dennoch kommt die US-Rezession nicht ganz ungelegen: Amerikas Ölnachfrage wird zwangsläufig nachlassen -- höchst willkommen angesichts der brenzligen Ölversorgung in der westlichen Welt.

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