Um Gerichtsverfahren beizulegen E-Zigaretten-Hersteller Juul zahlt Bußgeld von knapp 440 Millionen Dollar

Der E-Zigaretten-Konzern Juul hat seine Produkte gezielt an Minderjährige vermarktet. Mehrere US-Bundesstaaten nahmen Ermittlungen auf. Nun einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich.
Ein Werbeschild für Juul-E-Zigaretten in einem Bodega-Shop in New York

Ein Werbeschild für Juul-E-Zigaretten in einem Bodega-Shop in New York

Foto: Ted Shaffrey / AP

Der E-Zigaretten-Hersteller Juul hat sich mit 34 US-Bundesstaaten auf die Zahlung eines Bußgelds in Höhe von 438,5 Millionen Dollar (442,8 Millionen Euro) geeinigt, um ein Verfahren gegen ihn beizulegen. Die Bundesstaaten werfen dem Unternehmen vor, seine Produkte gezielt an Minderjährige vermarktet zu haben. Wie der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, mitteilte, soll Juul laut der Vereinbarung in den kommenden sechs bis zehn Jahren Zahlungen an die einzelnen US-Staaten leisten.

Außerdem soll sich der E-Zigaretten-Hersteller verpflichten, bestimmte Marketingpraktiken zu unterlassen, die auf jüngere Konsumenten zielen. Die Vereinbarung ist noch nicht endgültig abgeschlossen.

Die Bundesstaaten Connecticut, Texas und Oregon hatten vor zwei Jahren Ermittlungen gegen Juul gestartet. Wie das Justizministerium von Oregon mitteilte, ergaben diese, »dass Juul vorsätzlich eine Werbekampagne betrieben hat, die Jugendliche ansprach, obwohl der Kauf der E-Zigaretten für sie illegal und für Kinder ungesund ist«.

Die E-Zigaretten des Herstellers Juul erinnern an USB-Sticks

Die E-Zigaretten des Herstellers Juul erinnern an USB-Sticks

Foto: Fabian Strauch/DPA

Das Unternehmen habe »schonungslos« bei Minderjährigen geworben, etwa mit Partys, Beiträgen in Onlinenetzwerken und kostenlosen Produktproben. Zudem habe Juul Techniken zur Altersabfrage genutzt, um deren Unwirksamkeit das Unternehmen gewusst habe.

Die Zukunft der Juul-Produkte in den USA steht auf der Kippe

Juul hatte mit seinen neuartigen aromatisierten E-Zigaretten, die wie USB-Sticks aussehen, zeitweise reißenden Absatz gefunden. Doch dann geriet das Start-up aus San Francisco wegen seiner Werbekampagnen und offensiven Vermarktung der Produkte an jüngere Zielgruppen stark in die Kritik und ins Visier von Aufsichts- und Justizbehörden.

Juul erklärte in einer Stellungnahme, dass es bei dem nun vereinbarten Vergleich um »Angelegenheiten der Vergangenheit« gehe. Die Firma habe sich und ihre Geschäftspraktiken bereits 2019 ganz neu aufgestellt.

Ein Sprecher des E-Zigaretten-Herstellers bezeichnete die Einigung als »einen wichtigen Teil unserer Bemühungen, Probleme der Vergangenheit zu lösen«. Das Unternehmen konzentriere sich auf die Zukunft und arbeite »an seiner Mission, erwachsene Raucher von den Zigaretten zu lösen« und gleichzeitig »den Konsum durch Minderjährige zu bekämpfen«.

Das Unternehmen argumentiert damit, dass Erwachsene durch E-Zigaretten von herkömmlichen Zigaretten loskommen und somit die schädlichen Auswirkungen des Rauchens auf ihre Gesundheit minimieren können. Doch die Zukunft seiner Produkte steht in den USA auf der Kippe. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte im Juni ein Verkaufsverbot über Juul-Produkte verhängt. Ein Gericht setzte dieses Verbot aber später zunächst aus.

Die Krise von Juul belastet auch den Marlboro-Hersteller Altria. Er war im Dezember 2018 für 12,8 Milliarden Dollar mit 35 Prozent bei Juul eingestiegen. Inzwischen ist die Beteiligung fast komplett abgeschrieben.

czl/AFP/dpa
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