Preisanstieg um 7,5 Prozent Inflation in den USA erreicht 40-Jahres-Hoch

Der Preisanstieg in den USA hat sich im Vergleich zum Dezember noch einmal beschleunigt. Vor allem Lebensmittel, Strom und Mieten wurden teurer. Damit vergrößert sich der Handlungsdruck auf die US-Notenbank.
Kühlregal in Arlington, Virginia: Vor allem Lebensmittel kosten mehr

Kühlregal in Arlington, Virginia: Vor allem Lebensmittel kosten mehr

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MICHAEL REYNOLDS / EPA

Die Teuerung in den USA hat sich im Januar auf hohem Niveau stärker beschleunigt als erwartet. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,5 Prozent, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Das ist die höchste Inflationsrate seit dem Jahr 1982. Analysten hatten mit einer Rate von 7,3 Prozent gerechnet. Im Dezember hatte sie noch bei 7,0 Prozent gelegen.

Antreiber der Inflation waren im Januar insbesondere Lebensmittel, Strom und Mieten. Die 2021 stark gestiegenen Benzinpreise hingegen sanken. Experten verweisen neben den weiterhin andauernden Lieferengpässen auch auf den engen Arbeitsmarkt. Dies führt zu einem wachsenden Lohndruck.

Der Preisauftrieb liegt damit deutlich über dem Inflationsziel der US-Notenbank Fed von zwei Prozent. Die Fed hat für den März eine erste Leitzinserhöhung in der Pandemie signalisiert. Sie gerät nun immer mehr unter Zugzwang. Laut Experten könnte die US-Notenbank den Leitzins im März sogar mit einem großen Schritt um 0,5 Prozentpunkte anheben. Finanzmarktindikatoren deuten zudem darauf hin, dass die Fed bis Juli den Zins um insgesamt einen Prozentpunkt anheben könnte.

Eine Anhebung um einen halben Punkt wäre für die US-Notenbank ungewöhnlich: In der Regel belässt sie es bei einem Viertel Prozentpunkt. Zuletzt hatte sie im Mai 2000 den Schlüsselzins um einen halben Prozentpunkt auf 6,5 Prozent angehoben.

Spekulationen am Markt über deutliche Zinserhöhung

Mit den Inflationszahlen steige die Möglichkeit aggressiverer Zinserhöhungen, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Er rechne bis Juli mit einer Anhebung um insgesamt einen ganzen Prozentpunkt. Der Druck auf die Fed, entschlossen auf die Bremse zu treten, werde immer größer, sagt Ökonom Dirk Chlench von der LBBW: »Von einem Abflauen des Preisauftriebs ist nichts zu spüren, die Teuerung steigt auf breiter Front. Den Arbeitnehmern bleibt von ihren üppigen Lohnzuwächsen in realer Rechnung nichts übrig.«

Die Fed hatte die Leitzinsen im März 2020 angesichts der verheerenden Auswirkungen der Coronapandemie auf die Wirtschaft auf zwischen 0,00 und 0,25 Prozent abgesenkt. Außerdem wurde zur Stützung der Konjunktur ein massives Programm zum Kauf von Anleihen im Umfang von 120 Milliarden Dollar pro Monat aufgelegt. Im vergangenen November begann die Fed dann damit, dieses Anleiheprogramm zurückzufahren.

sol/dpa-AFX/AFP/Reuters
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